Gelesen: Kimeron N. Hardin, The Gay & Lesbian Self Esteem Book

Selbstwertgefühl, könnte man meinen, ist eigentlich für fast jeden Menschen in unseren westlichen Kulturen ein Thema. Muß es da ein explizit schwullesbisches Buch zu diesem Thema geben? Kimeron N. Hardins Antwort in”The Gay and Lesbian Self-Esteem Book” ist: Ja, denn die Selbstwertprobleme, mit denen sich Schwule und Lesben auseinandersetzen, sind oft durch spezifische gesellschaftliche Mechanismen bedingt. Darüber hinaus sei das Selbstwertgefühl von Schwulen und Lesben mehr als das von Heterosexuellen ständig unter Belagerung.

Ein gesundes Selbstwertgefühl kann, so Hardin, ganz wesentlich dazu beitragen, mit Beziehungen und Gefühlen konstruktiv umzugehen, das eigene Potential zu entfalten, selbstzerstörerisches Verhalten zu vermeiden, Belastungen auszuhalten sowie Entscheidungen zu treffen, die von realistischer Wahrnehmung, Selbstvertrauen und Autonomie statt vom Weg des geringsten Widerstandes, Ängsten oder verinnerlichten Zwängen geprägt sind. Es macht auch, so impliziert das Buch, resistenter gegen die spezifischen Belastungen, denen Lesben und Schwule in einer immer noch heterozentristischen 1 gesellschaftlichen Situation ausgesetzt sind. Diese Resistenz macht politische Aktion jedoch nicht unnötig, im Gegenteil: sie kann Ausdruck gesunden Selbstbewußtseins sein, ja sogar helfen, dieses erst herzustellen. Weiterlesen >

  1. Den Begriff “Heterozentrismus” prägt Hardin für das Verhalten der Mehrheitsgesellschaft, die nicht-heterosexuelle Lebensweisen nach Kräften ignoriert und nicht wahrnehmen will.

Im Bilde festgehalten: Lesestoff

Irgendwie habe ich gerade Lust, hier etwas blogtechnischer zu werden, nicht nur Essays hier abzuladen – sofern es hier paßt.
Es gibt derzeit eine Menge, was mich auf Trab hält. Oder lähmt, je nachdem. Deshalb geht’s hier – und mit dem Buch – auch nur relativ langsam voran. Außerdem in ich mit den Vorbereitungen auf ein bedeutendes Ereignis Anfang August beschäftigt. Und ich verdaue Lesestoff wie die Schlange einen Elefanten. Hier ein bildlicher Eindruck des Bücherstapels neben meinem Bett:

Bücherstapel

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Heidnische Praxis I: Priesterschaft? Ein paar Gedanken.

Angeregt einerseits durch Wurzelfraus Artikel über spirituelle Basisdemokratie, andererseits durch eine Unterhaltung mit einer katholischen Bekannten, die über Widersprüche in puncto Priesteramt für Frauen stolperte, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie das denn so mit der Priesterschaft im Heidentum aussieht.

Denn irgendwie scheint dieser Titel oder seine Äquivalente – “Gode”, “Druide” etc. – auf Heiden immer noch eine gewisse Anziehungskraft auszuüben.
Nun kam ich aus einer Ecke, die Hierarchien jeder Art ablehnt (meine erste Begegnung mit dem Thema Hexen waren die Bücher von Luisa Francia). In keiner Gruppe, in der ich je unterwegs war, gab es “Leiter” oder “Hohepriester”. Ich meinte sogar manchmal das Gegenteil wahrzunehmen: Bloß keine Hierarchie, keine Struktur, und damit ging manchmal eine Tendenz zur Desorganisation einher, die dann an den Nerven zehrt, wenn eine tatsächlich etwas auf die Beine stellen, etwas tun möchte. (Spielregeln und Strukturen haben ihren Sinn. Wenn man nicht von selbst in eingefahrene Gleise, die allzu oft Machtstrukturen der etablierten Gesellschaft wiederspiegeln, verfallen will, dann muß man diese Regeln und Strukturen bewußt erarbeiten und regelmäßig bis laufend revidieren. Das nur als Seitengedanke.)
Demgegenüber gibt es außerhalb der feministischen Hexenkreise auch sehr formalisierte Hierarchien, etwa im Wicca, wo Initiationen und Grade vergeben werden und die Befugnisse (z.B. Rituale leiten, Leute ausbilden, eigene Coven gründen) regulieren.

Priesterschaft in der griechischen Antike
Demgegenüber war die Funktion der Priesterin, des Priesters oder was damit auch gleichgesetzt wird, in der vorchristlichen Welt wahrscheinlich oft unspektakulärer. Weiterlesen >

sumer is incumen in

Ich habe hier mal einen ausgesprochenen Schnellschuß gewagt. Angestiftet dazu hat mich die Wurzeline, die ein wundervolles Lied aufgenommen hat: Ran

Songs schreiben, Gitarre spielen, das kann ich noch nicht so, wie ich gern würde. Aber mehrstimmig singen, das kann ich! Und von dem altenglischen Kanon “Sumer is incumen in”, der auch wunderbar zu dieser Jahreszeit paßt, wollte ich schon immer mal eine Aufnahme machen.
Wohlan denn … hier ist das .ogg-File: sumer is incumen in

Das ist wirklich ein Schnellschuß, entstanden in einer Stunde, ohne große Nachbearbeitung, aufgenommen mit dem internen Mikro meines Netbooks und Audacity. Mit Linux und Audio bin ich noch nicht so auf dem freundschaftlichen Fuß, und meine Stimme so aufzunehmen, daß nichts scheppert und übersteuert, ist eine Wissenschaft für sich. Das hier ist schon eine halbe Oktave tiefer, als es eigentlich notiert ist :) Für schöne Aufnahmen fehlt mir zur Zeit einfach die Hardware.
Ich hatte auch nicht die Nerven, noch LAME zu installieren, damit ich es in mp3 exportieren kann. Wird nachgeholt, sobald ich die Nerven dazu habe. Auf jeden Fall: Viel Spaß damit!

Und wenn mal jemand Lust hat, das mit mir ganz real und unplugged und live zu mehreren zu singen … einfach bescheid sagen, vielleicht sieht mensch sich ja mal.

Gelesen: Birgit Neger, Moderne Hexen und Wicca. Aufzeichnungen über eine magische Lebenswelt von heute

Auf meinem Alltags-Allzweck-Blog ryuu.de hatte ich versprochen, daß ich meine Leseeindrücke von Birgit Negers “Moderne Hexen und Wicca: Aufzeichnungen über eine magische Lebenswelt von heute” (Affiliate-Link) zum besten gebe, wenn ich es ausgelesen habe.

Eine ausführliche Rezension, der ich mich anschließen kann, gibt es bereits auf der Seite der Nornirs Aett: Ein Buch, das eine Lücke schließt. Weiterlesen >

Ins Unreine gedacht: Queers und spirituelle Rollen

Kennt Ihr das Phänomen des sogenannten “positiven Rassismus”? Das besagt, kurzgefaßt: man schreibt einer bestimmten Gruppe von Menschen, meistens ethnisch oder über die Hautfarbe definiert, pauschal eine bestimmte positive Eigenschaft oder Fähigkeit zu. Etwa wie “Schwarze sind die geborenen Entertainer” oder “Schwarze haben so ein tolles Rhythmusgefühl”.

Naiv mag mensch sich jetzt fragen, was daran schlimm sein soll. Zwei Dinge: erstens baut es eine Erwartungshaltung auf – was etwa, wenn der Schwarze jetzt gar keine Lust hat, Entertainer zu sein, weil er etwa lieber in der “ernsten” Kunst was erreichen will?
Und zweitens legt er auf eine bestimmte Rolle fest und kann durchaus Türen verbauen. Weiterlesen >

Übersetzung in Arbeit…

… nein, nicht von Texten: In diesem Fall des Wordpress-Themes dieser Seite. Auf einer Seite in deutscher Sprache ist es doch schön, wenn auch das Theme deutschsprachig ist… und auf dieser Seite hier mache ich meine ersten Schritte damit. Ich habe mich in den letzten Wochen mit php-Dateien, i18n, poedit und ähnlichen Dingen auseinandergesetzt und auch einmal kurz die comments.php zerschossen gehabt (gut, daß ich noch die ursprüngliche Version auf meiner Festplatte hatte). Außerdem bin ich immer noch nicht davon weg, Blog und Hauptseite zusammenführen und das Ganze auf txp migrieren zu wollen… mal sehen. Erst einmal will ich dafür ein hübsches Template entwickeln, denn das txp-default-Template ist nicht wirklich schön und vorgefertigt soll es dann auch nicht sein.
Langer Rede kurzer Sinn: Bitte seid nicht irritiert, wenn hier in nächster Zeit sprachlich gesehen babylonische Zustände herrschen :)

Was mich LARPer letztens lehrten

Letztens stieß ich auf dieses geniale Video:

Auch wenn das recht eindeutig eine Parodie ist, es brachte mich zum Denken.

Was wäre denn, wenn mensch, statt die Sprache der Na’vi zu lernen (obwohl Sprache – schon in der Grammatik – Weltbild reflektiert) und sich blau anzumalen, versuchte, die Denkweise dahinter zu verstehen
- und dieses Weltbild und die Mentalität mehr oder weniger versuchsweise, im Sinne dessen, was unter Chaosmagiern als paradigm piracy bekannt ist, zu adoptieren? Bei Avatar – eine Fiktion, die ziemlich eng in den Beschränkungen des Vorstellungsvermögens von Hollywoodfilmemachern bleibt – müßte das noch ziemlich leicht fallen. Weiterlesen >

Arun-Verlag, revisited, oder: Warum ich Jenny Blains “seidhr” nicht rezensiere

Eigentlich wollte ich dieses Buch empfehlen, ganz ausdrücklich das englische Original: das aus einem bestimmten Grund, um den es gleich geht.
Dann fiel mir ein: Viele werden die deutsche Übersetzung haben wollen.
Und bei einem Verlag landen, der mich ärgert. Was nicht an der Qualität der Arbeit liegt, im Gegenteil: Arun, bei denen Blains Buch erschienen ist, macht eigentlich gute Verlagsarbeit und nimmt sich einiger Themen an, die man sonst auf dem deutschen Buchmarkt schwer findet. Was mich an Arun ärgert, ist der politische Beigeschmack, der da nicht weggehen will. Weiterlesen >

Gelesen: Luisa Francia, Zaubergarn.

Magie, das ist der Paukenschlag zum Auftakt dieses kleinen Bändchens, ist keine erlernbare Technik. Magie ist für Luisa Francia Kommunikation mit allen Wesen über das hinaus, von dem uns die Wissenschaft erzählen will, es sei möglich und vernünftig. Immer wieder dreht sich das schmale Bändchen um Singen und Hören, Sprache und Wirklichkeit, um das gelassene Entdecken des Wissens, das sich aus der immer schon dagewesenen Verbindung mit dem Rest des Universums – vom menschlichen Gegenüber über die Heilpflanze bis zum Virenstamm – ergibt. Immer geht es um das Finden des Eigenen, nie um die Einweihung in irgendeine höhere Wahrheit, wie es Francia überhaupt wunderbar gelingt, der üblichen Metaphorik der Esoterik aus dem Weg zu gehen. Hier muß nichts erarbeitet werden, frau muß nichts entwickeln oder trainieren: es ist alles immer schon da, auf die Langsamkeit, die Stille, das Einlassen auf die feine Wahrnehmung, die Gelassenheit, ja auch: das Nicht-Tun kommt es an.
Den letzten Teil des Buches nehmen drei kurze Neu-Erzählungen von Märchen (zu Tränen gerührt hat mich das erste, “Die Geschichte vom König und der wilden Frau”) und Ritualfotos von Inea Gukema ein.
Wie gewohnt bewegt sich Luisa Francia assoziativ von einem Phänomen zum nächsten und umkreist das zentrale Thema eines jeden Kapitels mehr, als es in einer linearen Abfolge zu erörtern. Ich habe dieses Buch an wenigen Abenden gelesen, es liest sich leicht und doch nicht substanzlos; eine wunderbar poetische, nahrhafte Ermutigung zum Spinnen der eigenen Wirklichkeit.

Luisa Francia: Zaubergarn. München: Frauenoffensive, 1989.

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