Heidnische Praxis VI: Über heidnische Gruppen

Coven, Zirkel, Ritualgruppe, Kindred, Thinggemeinschaft, Kultgemeinschaft, Arbeitsgruppe: Gruppen in heidnischen Zusammenhängen können viele Formen und viele Bezeichnungen annehmen. Ich fühle mich derzeit ziemlich solitary und bin gerade unschlüssig, ob ich eine Gruppe will und wenn ja, welcher Art.

Der Zeit-, Arbeits- und Verpflichtungsfaktor ist eine Sache für mich. Erfahrungsgemäß sind diese Faktoren jedoch kein (oder zumindest kein großes) Problem mehr für mich, sobald mir klar ist, wozu ich das mache und daß ich das wirklich will.

Bisher habe ich – von der überregionalen Nornirs Ætt abgesehen – drei heidnische Gruppen gehabt, die recht unterschiedlich funktioniert haben. weiterlesen »

Heidnische Praxis V: Ein paar Überlegungen zu Ritualen

Vor ein paar Tagen hatte ich Lust, nach den ganzen eher theoretisch-politischen Beiträgen der letzten Zeit etwas Konkreteres zu schreiben. Butter bei die Fische. Aber ich wußte nicht, was. Deshalb fragte ich auf Twitter und bekam ein paar Fragen: unter anderem die nach Alltagsritualen und danach, ob ich einen Altar habe.

Die Altarfrage ist schnell abgehandelt: In meiner derzeitigen Wohnung ist derart wenig Platz, daß der „Altar“ ein Eckchen auf meiner Fensterbank ist. Ein kleiner Korb mit ein paar Steinchen, Federn und shaker eggs steht dort, ein Räucherstövchen (selten benutzt), eine kleine Katzenfigur, zwei Kerzenhalter. Irgendwie hat sich auch noch meine billige silberne Plastik-Winkekatze dazugesellt. Der Altar ist eher funktionslos derzeit – die Kerzen werden ab und zu mal angezündet, hauptsächlich zur Meditation.

Das mit den Ritualen ist schon schwieriger. weiterlesen »

Kommentar-Policy, Teil 1: Kein Herz für Spam.

Ich moderiere Kommentare hier drakonisch, weil viel gespammt wird. Deswegen lösche ich Kommentare, die

  • keinen inhaltlichen Bezug zum Artikel haben.
  • Kommentare in anderen Sprachen als deutsch, sofern sie nicht für mich deutlich erkennbar auf den Artikel Bezug nehmen und/oder von Leuten stammen, deren Namen ich kenne
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Links auf weiterführende Informationen zum Thema eines Artikels prüfe ich vor dem Freischalten von Kommentaren und erlaube mir, im Zweifelsfall auch einmal einen Kommentar zu editieren und Links auf verschwörungstheoretische etc. „Quellen“ zu entfernen.

Derailing, Trollerei, hate speech und Beschimpfungen haben hier ebenfalls keinen Platz.

Feministische Spiritualität, Göttinnenspiritualität, Frauenspiritalität: Wo ist sie geblieben?

Dieser Artikel sollte ursprünglich ein Kommentar zu einem Artikel von Anufa im Wurzelwerk werden.

Tenor von Anufas Artikel war, daß die Rubrik Weibercraft im WuWe brachliegt und sie sich fragt, ob einfach kein Interesse mehr besteht, aber gleichzeitig beobachtet, daß es Göttinnenkonferenzen etc. nach wie vor gibt.

Da er ziemlich lang wurde, poste ich ihn hier – das ist mein Senf zu besagtem Artikel aus meiner queerfeministischen/polytheistisch-animistischen Sichtweise:

Ich habe Ende 2012 mal im altgedienten Lesbenarchiv Spinnboden in Berlin recherchiert. Da stellte ich etwas fest: Die meisten Bücher im Bestand waren aus den 80ern. Wenige Anfang der 90er und später erschienen. Manche dieser Bücher blätterte ich durch und hatte den Eindruck: Die sind progressiver als vieles, was heute als “göttinnenspirituell” vermarktet wird.

Das bestätigte einen Eindruck, den Distelfliege hier einmal wunderbar formuliert hat:

Mein Eindruck ist es, dass die moderne Hexenszene und die naturspirituelle Szene und die Frauenspiri-Szene insofern rückständig sind (und vielleicht auch schon vor Jahren den Anschluss an aktuelle feministische Diskussionen verloren haben), dass kaum irgendwo erkennbar ist, dass sich eine Gruppe mit dieser Frage [nach Inklusion von trans*Personen, thursa] auseinandergesetzt hat. Es ist auch kaum zu verzeichnen, jedenfalls dort wo ich so mich umtue, dass in der Spiri-Frauen-Szene eine ähnliche Bereicherung durch vielfältigste Entwürfe und Politiken von Queer-Seite stattfand wie in der feministischen Ecke.

Ein Eindruck, den ich nach ein paar Jahren in Göttinnenspiri-Kreisen samt einem für mich welterschütternden Konflikt nur teilen konnte. Inzwischen habe ich mich zurückgezogen in ein nicht ganz mainstreamiges Asatrú, und ich habe wunderbare Rituale mit zwei kleinen queeren 1 Ritualkreisen gefeiert. weiterlesen »

  1. Wenn ich queer sage, dann meine ich eine Haltung, die von einem grundsätzlichen Konstruktcharakter von Geschlecht und sexueller Orientierung ausgeht und das Ziel verfolgt, die Spielregeln, die dazu führen, daß Geschlecht und sexuelle Orientierung heute so und nicht anders konstruiert werden, zu subvertieren.

Ich lebe noch.

Nur falls mich hier jemand vermißt: Ich lebe noch. Aber es ist ja gerade February Album Writing Month, und damit bin ich gerade schwer beschäftigt. Wer verfolgen will, was ich da so gerade verbreche: hier lang.

Eine Positionierung

Letztes Jahr gab es im Magischen Netz eine Diskussion, veranlaßt dadurch, daß Distelfliege die alte Version ihrer Seite gelöscht hatte. Und im Rahmen dieser Diskussion gab es die Aufforderung, doch mal den eigenen Stand zu Dingen wie Feminismus, queer, Rassismuskritik und Kritik an cultural appropriation aufzuschreiben. Was ich hier mal mache.

Für mich sieht das so aus, daß mir in den letzten Jahren queer_feministische Diskurse viel gegeben haben und ich die Denkweisen, die ich daraus lernte, als ermächtigend und hilfreich erlebe. Und ich will keine queer_feministische Position vertreten, die sich gegen diskriminierte Positionen ausspielen läßt, sondern eine, die anerkennt, daß kein Kampf isoliert stattfindet. Zwar bekomme ich das Thema „Antirassismus“ nahezu ausschließlich vermittelt über feministische Diskurse mit und habe mich noch nicht selbst aktiv damit beschäftigt (wie in: mal wenigstens ein Buch gelesen oder so), aber das kann (soll!) noch kommen. Und auch Betroffenen von noch anderen Machtverhältnissen gegenüber will ich mich taktvoll und solidarisch verhalten. Nicht nur, weil ich selbst von mehr als einem betroffen bin, sondern weil ich glaube, daß das die Welt schöner und ein wirklich gleichberechtigtes Miteinander erst möglich macht. weiterlesen »

Gesegnete Wintersonnenwende!

Ab genau jetzt werden die Tage wieder länger. Ich wünsche Euch eine gesegnete Wintersonnenwende!

Baum

Gelesen: Diana Paxson, Taking Up The Runes

Paxsons Runenbuch ist ein weiteres, das lange auf meinem „zu rezensieren“-Stapel lag. Nun habe ich es gründlich durchgelesen.

„Taking Up the Runes“ betrachtet die Runen als heilige Schriftzeichen, mit denen sehr viel mehr anzufangen ist als nur Divination; die Arbeit mit den Runen ist für Paxson ein spiritueller Weg, der eng mit den germanischen Kulturen verknüpft ist.

Das Futhark, auf das sich Paxson bezieht, ist das Ältere Futhark mit 24 Runen. Andere Runensysteme (das Jüngere Futhark mit 16 Runen, das Angelsächsische Futhorc mit 33 Runen) werden nur beiläufig in der Einleitung erklärt.

Das Buch hat zwei Hauptteile: Der erste gibt Informationen zu den Runen, der zweite besteht aus Ritualskripten.

Der erste Teil – Umfangreiches Runenwissen

Die Kapitel des ersten Teils verbinden – nach einem einleitenden, hauptsächlich organisatorisch-methodischen Abschnitt – je zwei im Älteren Futhark aufeinanderfolgende Runen lose miteinander. weiterlesen »

Tee mit Milch, Teil III: Ein paar bescheidene Wünsche

Welche Wünsche ergeben sich aus den ersten beiden Teilen dieser Serie? Mir fällt da eine Menge ein:

Ich möchte, daß es endlich aufhört, daß eine weiß, männlich und middle-class dominierte schwule Subkultur die Definitionshoheit über die Belange aller ausübt, die irgendwie jenseits der heterosexuellen Matrix unterwegs sind.

Ich möchte, daß die Legende vom „Dritten Geschlecht“ endlich nicht mehr erzählt wird, oder nicht mehr in dieser Weise, die einfach alle Unterschiede zwischen gender variants, Homo- und Bisexuellen und trans* plattbügelt. Sie war als Legitimationsstrategie im 19. Jh. brauchbar. Im 21. Jh. haben queers bessere Erklärungsmodelle.

Ich möchte, daß Lesben, Schwule und Bisexuelle nicht mehr mit trans* in einen Topf geworfen werden, denn wie Raven Kaldera schreibt:

Denn sexuelle Orientierung dreht sich um genau das – wen du sexuell begehrst – und welche Auswirkungen das auf dein Leben und deine Spiritualität hat. Vertu dich nicht: Es hat auswirkungen; Sexualität ist eine der stärksten Kräfte im Universum. „Drittes Geschlecht“ zu sein, ist etwas ganz anderes. Du kannst dem dritten Geschlecht zugehörig sein und Männer, Frauen, andere third gender people, alle von den genannten oder gar niemanden begehren und immer noch third gender sein. Du kannst in einem Vakuum mit überhaupt keinen Menschen in der Existenz eine Person des dritten Geschlechts sein. Es geht darum, wer du bist, nicht was du bist oder mit wem du zusammen sein willst. Beides sollte respektiert werden, aber eins sollte nicht mit dem anderen verwechselt werden, vor allem nicht von Gelehrten, die es eigentlich besser wissen sollten. 1

(Kalderas Gebrauch des Begriffs „Drittes Geschlecht“ mit Bezug auf transgender finde ich hier ein bißchen problematisch, aber er nivelliert sich dadurch, daß in seinem Buch eine Vielzahl von trans*-Identitäten zu Wort kommen.)

Ich möchte, daß endlich auch respektiert wird, daß es für den Zusammenhang zwischen gender-Ausdruck und Begehren keine Zwangsläufigkeiten gibt. weiterlesen »

  1. „But sexual preference is just about that – who you desire sexually – and what ramifications that has on your life and spirituality. Make no mistake, it does have ramifications; sexuality is one of the strongest forces in the universe. Being third gender is something else again.You can be third gender and desire men, women, other third gender people, all of the above, or nobody at all, and still be third gender. You can be third gender in vacuum with no other human beings in existence. It’s about who you are, not what you are or who you would be with. Both should be respected, but one should not be confused with the other, especially by scholars who ought to know better.“ – Kaldera, Raven. Hermaphrodeities: The transgender spirituality workbook. Philadelphia Pa.: Xlibris Corp., 2001, S. 9-10

Tee mit Milch, Teil II: Queer ist mehr als einfach LGBT.

In Teil I habe ich was darüber geschrieben, was dazu geführt hat, daß die Rede von männlichen und weiblichen Anteilen für mich unverdaulich und im spirituellen Kontext untauglich geworden ist. In diesem Teil will ich mich damit befassen, welche Auswirkungen das und meine Erfahrungen von Begehren auf mein Verständnis von queer haben.

queer heißt für mich: Das, was jenseits der heterosexuellen Matrix unterwegs ist; das, was ihre Gültigeit in Frage stellt. LGBT gehört dazu – und doch können sich LGBT-Leute auch affirmativ zur heteronormativen Matrix verhalten, meine ich.

Dazu muß ich zuerst den Begriff der heterosexuellen Matrix erläutern. weiterlesen »

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