Gelesen: Luisa Francia, Zaubergarn.

Magie, das ist der Paukenschlag zum Auftakt dieses kleinen Bändchens, ist keine erlernbare Technik. Magie ist für Luisa Francia Kommunikation mit allen Wesen über das hinaus, von dem uns die Wissenschaft erzählen will, es sei möglich und vernünftig. Immer wieder dreht sich das schmale Bändchen um Singen und Hören, Sprache und Wirklichkeit, um das gelassene Entdecken des Wissens, das sich aus der immer schon dagewesenen Verbindung mit dem Rest des Universums – vom menschlichen Gegenüber über die Heilpflanze bis zum Virenstamm – ergibt. Immer geht es um das Finden des Eigenen, nie um die Einweihung in irgendeine höhere Wahrheit, wie es Francia überhaupt wunderbar gelingt, der üblichen Metaphorik der Esoterik aus dem Weg zu gehen. Hier muß nichts erarbeitet werden, frau muß nichts entwickeln oder trainieren: es ist alles immer schon da, auf die Langsamkeit, die Stille, das Einlassen auf die feine Wahrnehmung, die Gelassenheit, ja auch: das Nicht-Tun kommt es an. Den letzten Teil des Buches nehmen drei kurze Neu-Erzählungen von Märchen (zu Tränen gerührt hat mich das erste, „Die Geschichte vom König und der wilden Frau“) und Ritualfotos von Inea Gukema ein. Wie gewohnt bewegt sich Luisa Francia assoziativ von einem Phänomen zum nächsten und umkreist das zentrale Thema eines jeden Kapitels mehr, als es in einer linearen Abfolge zu erörtern. Ich habe dieses Buch an wenigen Abenden gelesen, es liest sich leicht und doch nicht substanzlos; eine wunderbar poetische, nahrhafte Ermutigung zum Spinnen der eigenen Wirklichkeit.

Luisa Francia: Zaubergarn. München: Frauenoffensive, 1989.

Ein Kommentar

  1. Knochenweib
    Geschrieben am 16. November 2014 um 09:20 | Permalink

    Jeztt hab ich richtig Lust bekommen, das Buch noch mal hervorzukramen und mich anregen zu lassen. 🙂

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