riesencast Episode 1: Warum und wieso.

update: Jetzt auch mit credits für die Musik.

Die erste Episode ist eine nicht so kleine Erklärung zu meinem Projekt.
Grund Nr. 1 für meinen heidnischen Podcast ist ganz simpel: es gibt halt nicht viele davon auf deutsch.
Grund Nr. 2 ist abgrundtief komplex, ich verheddere mich in den Verflechtungen von Genderdiskursen, Religionskritik und meiner Wahrnehmung hexisch geprägter Frauenspiritualität und ringe damit, zu erklären, was das Heteronormative am im heidnischen Mainstream so oft verwendeten Göttin-Gott-Schema ist und wie mein persönlicher Ausweg aussah.
Ich entschuldige mich dafür, daß das so lang geworden ist, aber kürzer und knackiger kriege ich das derzeit nicht hin.

Quellenangaben & weitere Hinweise nach dem Link.

Erwähnt werden:

Was ich noch vergaß

Eine Zeitlang sah mein Ausweg aus dem Gender-Dilemma so aus, daß ich im kultischen Kontext in männliche Rollen schlüpfte. Und ich wußte damals nicht genau, warum ich das tat, bis ich einmal nicht aktiv, sondern nur zuschauend beim ‚rituellen Drama‘ dabei war.
Dem folgte ein Gefühl von Unbehagen, erst im Lauf der Tage und Wochen danach wurde mir klar: Wenn ich nur die Wahl hatte zwischen altbackenen Vorstellungen von Männlichkeit und altbackenen Vorstellungen von Weiblichkeit, waren die Bilder des Weiblichen, die mir da präsentiert wurden, mir noch ferner und fremder, hatten weniger mit meiner Lebenswelt zu tun als die Bilder von Männlichkeit – wozu dann doch die quasi-heteronormative Mechanik kam, daß diese ‚Männlichkeit‘ mir innerhalb dieses rituellen Frameworks weiterhin gestattete, Weiblichkeit zu begehren. Aber das Ganze biß sich eben so sehr mit den Annahmen, die ich in meinem Alltag bekämpfte, wo ich doch eher darauf aus war, an möglichst wenige Dinge ein Geschlechter-Etikett zu pappen, daß es sich doof anfühlte, im rituellen Kontext eine Rolle zu spielen, mit der ich mich sonst nicht identifizieren konnte. Denn sonst bin ich ja nicht butch-identifiziert und kämpfe auch tapfer gegen die Annahme, daß mein erotisches Begehren nach Weiblichkeit mich irgendwie männlicher machen würde.

Ach ja, und der Begriff von Natur ist mal eine eigene Podcastfolge oder ein eigenes Essay wert.

5 Kommentare

  1. Geschrieben am 13. April 2012 um 00:13 | Permalink

    da hast du mich jetzt aber in meine 90er katapultiert, nicht zuletzt mit der musik am schluß. (das hab ich noch selbst gesungen, als ich mich noch heimlich für mich allein zumindest hab singen getraut.) und auch sonst war ich überrascht, wieviel ich heimliche esoterikerin kenne und kannte, z. t. auch persönlich. immer wieder mußte ich schmunzeln und auch lachen, ob der mir auch recht vertrauten wirrnisse.

    (aber lang wars, mensch! ; )

  2. Wurzelfrau
    Geschrieben am 21. April 2012 um 19:52 | Permalink

    Suuuuper Podcast- Start!! Einer der besten und offenherzigsten Episoden überhaupt in diesem Bereich. Ich finde du solltest bitte schnell, schnell weitermachen. Ich freu mich schon auf die nächste Folge.

  3. Geschrieben am 22. April 2012 um 16:04 | Permalink

    Hat mir gut gefallen, wobei ich eingestehen muss, dass ich die zweite Hälfte nicht mehr so aufmerksam mitverfolgt habe. Ja tut mir Leid. Wird nachgeholt. So bin ich eben. energetisch sehr weiblich was mir auch schon mal im Weg steht aber schlussendlich sowohl technisch 😉 wie auch mental ein hetero Kerl. Mario würde sagen ‚primitiv – aber glücklich‘.

    Was mir auffällt ist, dass sich doch einige so viele Gedanken machen über Geschlechter, Feminismus, Gott/Göttinnen-Kult und was weiß ich alles und wer besser argumentiert, weniger Spielräume, Angriffsfläche zulässt lebt die richtigere 🙂 Bezeugung. Ich fühl mich selbst zwar als freifliegend neuheidnisch naturspirituell, doch deckt keine mir bekannte Glaubensrichtung das was ich lebe. Muss ja auch nicht. Individuen passen in keine deutlich definierte Schubladen. Da müssten schon Kontainer her mit jeweils einem Schlagwort, jeder ist in sehr vielen Kontainern vorhandennund das auch nicht fix, man ist ja ständig verschieden stark dort drin und mal verlässt man einen und schnuppert in einem gänzlich unbekannten rein. sry, wieder ping-pong in meinem Kopf. Das Leben ist eben nicht festgeschrieben sondern das was man daraus macht.

    Ich fand du konzentrierst dich zu stark auf Sexualität ob jetzt hete, homo, trans, queer keine Ahnung was es da alles gibt und was neu geschaffen wird. Ist das wichtig? Damit läufst du Gefahr auf eine Ebene zu rutschen zu Personen deren unbewusste Fehler du aufzeigst. Den Begriff ‚queer‘ kannte ich noch nicht. Wiki gefragt und wieder was gelernt.

    Hab Dank für deinen Podcast. Schön, dass auch Wurzelfrau drin vorkommt, der ich nun auch schon einige Zeit virtuell folge. Der Kommentar wurde nun auch etwas länger. Eigentlich untypisch für mich aber fand es wichtig mich auch mal mitzuteilen 😉

    Also dann bitte bald die nächste Folge.

  4. Geschrieben am 22. April 2012 um 17:39 | Permalink

    Hallo Jigger,

    erstmal danke für den Kommentar.

    Wenn Du genau hingehört hast, solltest Du eigentlich verstanden haben, daß es nicht um „richtiger“ oder „besser“ ging, sondern darum, daß für bestimmte Menschen und Praktiken kein Platz bleibt.

    Zum Thema Schubladen empfehle ich diesen Post (auch aus meiner Feder).

    Und zur Frage „Ist das wichtig?“ – was erwartest Du, wenn ein Blog in der Titelzeile „queer und Heidentum“ stehen hat? Hör die Episode einfach noch mal, diesmal konzentriert, dann solltest Du verstehen, warum das wichtig ist.

  5. Geschrieben am 24. April 2012 um 15:43 | Permalink

    Freut mich, dass ich inspirieren konnte! Und freut mich noch viel mehr, was dabei Tolles rausgekommen ist!

    Ich hätte zu mindestens 17 der im zweiten Teil angesprochenen Themen gerne nachgehakt und mehr gehört. Aber ich sehe auch ein, dass dies ja erst die erste Folge von hoffentlich ganz vielen war. 😉

    Interessant fand ich im Vergleich zu mir selber, dass du eher den Weg des aktiven Ausprobierens gewählt hast (und dann beim Machen gemerkt hast, dass für dich hier oder da was nicht stimmt), während ich eher den Weg übers Erstmal-drüber-lesen-und-nachdenken genommen habe – was dazu geführt hat, dass ich vieles von vorneherein gar nicht erst ausprobieren wollte. Und dass wir trotzdem an manchen Stellen in sehr ähnlichen Ecken gelandet sind.

    Schön waren für mich die vielen, vielen Anknüpfungspunkte an bereits bekanntes (und teils selbst erlebtes) und dass trotzdem so viel Neues dabei war. Und manche Sachen hast du einfach ganz wnderbar formuliert (das Bild mit dem Kaffee mit Milch hat mir z.B. gut gefallen)!

    In anderen Worten: ich warte schon jetzt ungeduldig auf die nächste Folge.

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