Was ich von meiner Spiritualität eigentlich will, Teil II: Was es nicht ist.

Bevor ich den Versuch wage, zu erklären, was ich von meiner Spiritualität will, erläutere ich ein paar Dinge, die Leute gewöhnlich mit Religion in Verbindung bringen, die mich aber in diesem Kontext nicht motivieren:

Ethik

Wenn von Religion die Rede ist, habe ich den Eindruck, wird oft das Motiv von „traditionellen Werten“ hochgehalten. Religion erscheint als Sittengesetz, als Regelwerk für ein gutes Leben. Das ist eindeutig nicht mein Motiv für Religiosität: Leitlinien, wie ich mein Leben gestalten will, ethische Maximen und Werte finde ich auch ohne Spiritualität, auf einer rationalen Basis. Meine Spiritualität hat zwar einen Einfluß auf mein Denken über Ethik, aber dadurch motiviert ist sie nicht. Daß ich z.B. reinen Anthropozentrismus ablehne, hat auch etwas mit Animismus zu tun; die Überzeugung, daß die nicht-menschliche Natur einen Wert in sich darstellt, ist meines Erachtens jedoch auch „auf atheistisch“ denkbar. Ethik ist also schon einmal nicht unbedingt ein zentrales Motiv für mich.

Das Jenseits

Ein weiteres, gern genanntes Motiv ist ja auch die Frage nach dem Leben nach dem Tod.
Ich kann nicht behaupten, komplett „jenseits-agnostisch“ zu sein, doch: Jenseitsvorstellungen spielen in meiner Spiritualität vor allem insofern eine Rolle, als sie auch mit anderen Welten zu tun haben (und ich sage gerne, daß mir in einer sehr schweren Zeit meines Lebens der Gedanke, es könne an Reinkarnation was dran sein, sehr geholfen hat, keine wirklich ernsthaften Selbstmordgedanken zu haben). Es wäre schwer, „jenseits-agnostisch“ zu sein, gleichzeitig Totengöttinnen zu ehren und einen Ahnenkult zu zelebrieren. Trotzdem ist „das Jenseits“ für meine Spiritualität kein so dominanter Faktor wie vielleicht im naiven christlichen Glauben, und „jenseits“ ist in einem schamanisch-animistischen Weltbild (noch dazu, wo eine andere Vorstellung von Zeit hinzukommt) einmal mehr ein zweifelhafter Begriff.

Denn „das Jenseits“ ist ja nicht „weg“, nicht unerreichbar. In einer animistischen Weltsicht ist es sehr präsent und alltäglich greifbar. Und auch wenn es eine Vorstellung von einer Existenz nach dem Tod gibt, entfällt der Faktor Belohnung/Bestrafung.

Der Kern dessen, was meine Spiritualität zu diesem Thema zu sagen hat, ist jedoch: Nicht erst nach dem Tod kann $mensch mit dem Göttlichen/dem Heiligen/dem Großen Ganzen (oder wie auch immer mensch das nennen möchte) in Kontakt treten. Es ist immer präsent und in diesem Leben erfahrbar. Und darum spielt das Leben nach dem Tod für mich zwar eine Rolle – aber keine zentrale und eine andere als im Mainstream-Christentum. Wenn Leute von Heidentum als „Diesseitsreligion“ sprechen, dann ist meine einzige Kritik daran die wertende Dichotomie von „Diesseits“ und „Jenseits“, die da aufgemacht wird.

Welterklärung

Eine weitere Funktion, die Religion früher übernommen hat, ist die der Welterklärung – und eine, in der sie, irrtümlich, wie ich meine, immer noch in Konkurrenz zur Wissenschaft gesehen wird. Wenn es um die Erklärung der Welt geht, die wir sehen, anfassen, wahrnehmen und messen können – das, was ich als „alltägliche Realität“ bezeichne – , ist für mich die Naturwissenschaft ganz klar das, was die angemessenen Modelle liefert.

Und was sind meine Motive? Dazu schreibe ich in Teil 3 der Serie etwas.

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