riesencast 008: Diversität in heidnischen Kreisen (mit Distelfliege)

Ich habe mich vorgestern abend mit Distel per skype gute zwei Stunden über Heidentum und heidnische Zusammenhänge von Göttinnenspiritualität über Frauengruppen bis Wicca und Asatrú unterhalten.

Shownotes nach dem Link:

Geschlechterbinarität

  • Artikel von riesenheim über Genderbinarität und Heteronormativität
  • Hierarchisierung unterschiedliche Männlichkeiten und Weiblichkeiten. (Nachträgliche Anmerkung: Vgl. das Konzept der hegemonialen Männlichkeit.)
  • Reine Frauengruppen in den 70er/80er Jahren dienten v.a. dem Bestreben, einen sexismusfreien Raum zu schaffen.
  • cisgender: Unsere Arbeitsdefinition: cisgender bezeichnet (als Adjektiv) Menschen, die ihr bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht beibehalten (wollen).
    Nachtrag: heiter scheitern hat sich des themas cis auch schon angenommen
  • Vorgänge auf der PantheaCon 2011: Ein (dianisches) Ritual wurde angekündigt als „für Frauen“, Transfrauen fühlten sich ausgeladen.
  • Definition: Dianic Wicca in der engl. Wikipedia

Warum gibt es eigentlich noch Frauengruppen? Unsere Antwort: Sie sind ein Ort, wo weibliches Empowerment stattfinden kann.

Wie kann Patriarchatsscheiß aus Ritualgruppen rausgehalten werden?

a) durch Definition als Gruppe für selbst-identifizierte x (Frauen, queers, Schwule, Lesben, …) b) durch Ausrichtung als „für alle außer cis-Männer“ c) im Voraus kommunizierte inhaltliche Ausrichtung

thursas Erfahrungen vom gendercamp

Heteronormativität:

  • Die grundsätzliche Unterstellung, alle Menschen seien hetero (bis etwas anderes gesagt wird), heterosexuelle Erfahrungen seien universell und grundsätzlich machten alle Menschen diese Erfahrungen
  • Die Welt sei grundsätzlich vollständig durch heterosexuelle Symbole abzubilden. *Ein Teil des Problems: Defaulting to Wicca

Wie es anders machen? Wir erzählen über Ritualformen, die wir erlebt haben:

  • Freestyle-Rituale ohne Sprache
  • Ein zentrales Asatrú-Ritual, wie es die Nornirs Ætt praktiziert: Das Ahnentrinken, anderweitig bekannt als Sumbel

  • Bezug nehmen auf Modernität und urbanes Leben

Def.: Queer

  • gerne als Synonym für LGBT(IQQA) gebraucht
  • für mich aber: grundsätzliches Hinterfragen der Kategorien Geschlecht und Sexualität und grundsätzliche Dekonstruktion von Vorannahmen diesbezüglich;
  • auf Menschen angewendet: Menschen, deren Geschlecht und/oder Sexualität sich nicht bruchlos ins gewohnte binäre heteronormative Schema einfügt.

  • femme = selbstbestimmte und -gewählte Form queerer Weiblichkeit

  • female to femme: Femmes, die sich nicht als Frauen bezeichnen und das als transidentisch verstehen
  • Erwähntes Interview: time travelling brown bears: intergenerational interviews with two transmasculine femmes of color on healing justice

  • Nichtalltägliche Wirklichkeit(en) und neoschamanistische Praxis

Fazit

Erste Schritte wären aus thursas Sicht, sich zu informieren und die Frage zu stellen: Wer kommt alles in meiner Ritualgruppe nicht vor? Für wen sind wir – in der Praxis wie in der Außenwirkung – wenig willkommen heißend? (Nachtrag: Das kann u.U. Absicht und berechtigt sein – die Aett legt beispielsweise keinen Wert auf Leute mit rechtem und nationalistischem Gedankengut, das fiele aber fast eher unter „Selektion der Zielgruppe durch die inhaltliche Ausrichtung“.)

Außerdem: Wenn Offenheit & Progressivität signalisiert wird, das dann nicht nur als blanket statement auf die Website zu pappen, sondern tatsächlich mit Handlungen & inhaltlich zu füllen.

Aus Distels Sicht ist es wichtig, wenn Progressivität & Offenheit signalisiert wird, die (marginalisierten) Leute, die aufgrund dessen kommen, nicht gleich wieder wegzustoßen.

Hetero-cis-Menschen haben Privilegien und sollten es aushalten, mal nicht exklusiv vorzukommen und vielleicht mal nicht im Mittelpunkt zu stehen (was sie sonst ständig tun). Es ist Aufgabe der Leute, die ohnehin die ganze Zeit Privilegien haben, sich Gedanken zu machen, wie sie marginalisierten Leuten mehr „Willkommensein“ bieten können, nicht Aufgabe von marginalisierten Menschen (die haben ohnein die ganze zeit Extra-Arbeit am Hals).

Erwähntes Buch:

Penczak, Christopher: Gay Witchcraft: Empowering the Tribe. Red Wheel/Weiser, 2003.

Ein Trackback

  1. Von Äck, ich komm zu nix :) – ryuus Hort am 11. Juli 2013 um 22:53

    […] Hinweis in eigener Sache: Wer sich für Heidnisches interessiert, sei auf jeden Fall auf meine jüngste Episode vom riesencast hingewiesen. Wie so gerne, wenn ich nicht solo podcaste, ist das laaaang geworden – aber ich […]

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