Was Laufen mit Spiri zu tun hat

Es klingt vielleicht abwegig, wenn ich sage, daß Laufen für mich eine spirituelle Komponente haben kann. Und doch: Laufen ist für mich manchmal eine ganz wunderbare Art, mittem im Alltag ein Stück Naturerfahrung einzubauen.

Ich laufe aus verschiedenen Gründen. Mir tut Bewegung einfach gut, und Laufen hält meine Rückenbeschwerden wirkungsvoll in Schach. Ich mag es, mich fit zu fühlen, und Laufen trägt sehr zu diesem Gefühl von Fitness bei. Und daß Sport für Endorphinausschüttung sorgt, ist ja weithin bekannt. Aber da ist noch mehr.

Ich laufe in den allermeisten Fällen allein. Ich lege es nicht auf Geschwindigkeit an – zur Zeit arbeite ich eher daran, meine Strecke auszudehnen. Aber noch mehr Gewicht lege ich darauf, häufig zu laufen: mindestens zweimal, lieber drei- oder viermal pro Woche. Und sei’s nur eine knappe Viertelstunde ganz langsames Trotten – Hauptsache, ich bin raus auf die Strecke und wenn ich dann die ersten paar hundert Meter hinter mir habe, dann kommt manchmal doch noch der Bock auf mehr. Oder auch nicht, aber gelaufen ist gelaufen.

Ich nehme zum Laufen nichts mit außer meinem Hausschlüssel und vielleicht meiner Stirnlampe (wenn ich im Dunkeln oder in der Dämmerung laufe – so übersehen mich Radfahrer_innen, mit denen ich meine Wege teile, nicht). Früher kam das Smartphone mit, um mein Training mittels Sport-Apps zu tracken, aber da das GPS sich als total unzuverlässig herausgestellt hat, bleibt es jetzt auch zuhause. Ich bin dabei auch immer etwas exponiert, weil ich mich so leicht anziehe, daß mir gerade eben nicht kalt wird, wenn ich gut in Bewegung bin; bewege ich mich nicht, riskiere ich also Auskühlung, es sei denn, es ist warm draußen.

Ich laufe auch ohne Musik. Ich will, wenn ich laufe, meine Sinne offen haben für die Welt um mich herum. Bäume, Wind, Regen, Sonne, Pflanzen, Vögel, die Aussicht von einem Berghang, der kleine Fluß, neben dem eine meiner Laufstrecken langführt. Ich habe zur Zeit das Glück, Wälder in meiner Nähe zu haben, so nah, daß meine Laufstrecken durch den Wald führen können. Laufen ist für mich Zeit zum Nachdenken; Nachdenken, das in körperlicher Bewegung ganz andere, produktivere Gestalten annehmen kann als wenn ich daheim sitze und grüble. Und manchmal denke ich gar nicht nach, sondern lasse mich ganz auf das ein, was ich unterwegs so wahrnehme.

Ich laufe nicht bei jedem Wetter, aber durchaus auch mal bei leichtem Regen, bei trübem Wetter, bei Wind und Schnee. Letzteres natürlich eher vorsichtig und lieber auf Wegen, von denen ich weiß, daß sie nicht allzu rutschig sind. Es tut mir gut, mich dem Wetter für eine Viertelstunde, vielleicht eine halbe Stunde auszusetzen, mich auch mal durchpusten und naßregnen zu lassen oder bis zu den Knien mit Matsch einzusauen, mit dem Wissen, daß hinterher die warme, trockene Bude und eine heiße Dusche auf mich warten und ich die nassen, verdreckten Klamotten ausziehen und waschen kann.

Laufen ist für mich nicht nur Sport; es ist auch eine intensive Begegnung mit meiner unmittelbaren Umgebung. Und als solche ist das durchaus auch spirituell.

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