Meine Mens und ich: Eine unspektakuläre Geschichte

Viele Hexen laden die Menstruation ja mit positivem und Symbolgehalt noch und nöcher auf. Etwas, wo ich regelmäßig Haare auf den Zähnen kriege angesichts der Diskurse von Natürlichkeit und Reproduktionsmystik, die gerne in diesem Reden über Menstruation unter frauenspiribewegten Frauen auftauchen.

Für viele Frauen, die ich in solchen Zusammenhängen kennen gelernt habe, ist es Empowerment pur, sich positiv auf einen Vorgang zu beziehen, der im gesellschaftlichen Mainstream mit riesigem Ekel besetzt und tabuisiert wird; genau wie es für so viele notwendig erscheint, sich positiv auf bisher abgewertete weiblich besetzte Dinge zu beziehen.

Als Kontrast: Auf einem der letzten gendercamps hatte ich (feministische) Zines in der Hand, die sich mit der Menstruation beschäftigten, und ich war beinahe erschüttert, wie negativ mir der Tenor darin vorkam.

Für mich ist meine Mens von Anfang an eher mit einer Haltung von „so what“ verbunden gewesen. Nicht, daß ich wenig blute!

Doch ich komme aus einer sehr weiblich dominierten Familie und bin Tochter einer feministischen Ärztin. Aus dem Bücherregal meiner Mutter hatte ich die ersten Bücher über Hexen, die ich las. Menstruation war für mich nie mit Ekel besetzt. Gegen Schmerzen ließ sich etwas tun, und der hygienische Aspekt war in den Griff zu bekommen; welche Menshygiene ich verwendete, entschied ich selbst, und das orientierte sich einzig an praktischen Gesichtspunkten. (Da gibt es, btw., auch mehr Optionen als die, die im Supermarkt angeboten werden; ich gebe z.B. meinen Mooncup nicht mehr her.)

Später lernte ich nach und nach die physiologischen Hintergründe kennen, und jedes bißchen Wissen ließ mich entspannter damit umgehen. Meine Mens ist für mich heute ein physiologischer Vorgang, der eben da ist und mir gelegentlich kleinere Unannehmlichkeiten beschert, aber sonst keine herausragende Bedeutung hat und mich auch nicht großartig einschränkt.

Meine Mens ist mir heutzutage nicht einmal lästig (bis auf den einen Tag, wo ich blute wie eine abgestochene Sau und Schmerzen habe). Wenn es eine Möglichkeit gäbe, sie abzustellen – ich würde diese Möglichkeit ungenutzt lassen.

Menstruationsbeschwerden sind bei mir stark abhängig davon, unter welchem Streß ich gerade stehe; sie neigten dazu, sich stärker zu zeigen und länger zu dauern, wenn ich in unter meiner Berufstätigkeit litt (vielleicht auch wegen der Bewegungsarmut, mit denen Vollzeit-Bürojobs einher gehen). Auswirkungen auf meine Psyche (ja, die gibt es – etwa diese ein-zwei reizbaren Tage vor der Mens) empfinde ich weder als besonders schlimm noch will ich sie mit mystischem Gehalt aufladen.

Zu einer Sache finde ich meine Mens sogar sehr praktisch: Blut ist eine mächtige magische Substanz, und meine Mens versorgt mich einmal im Monat damit.

Das ist aber auch die einzige magische Sache, die ich an meiner Mens finde.

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