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	<title>riesenheim&#187; Essays</title>
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		<title>Heidnische Praxis I: Priesterschaft? Ein paar Gedanken.</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Jul 2010 16:15:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<category><![CDATA[heidentum]]></category>
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		<description><![CDATA[Angeregt einerseits durch Wurzelfraus Artikel &#252;ber spirituelle Basisdemokratie, andererseits durch eine Unterhaltung mit einer katholischen Bekannten, die &#252;ber Widerspr&#252;che in puncto Priesteramt f&#252;r Frauen stolperte, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie das denn so mit der Priesterschaft im Heidentum aussieht.
Denn irgendwie scheint dieser Titel oder seine &#196;quivalente &#8211; &#8220;Gode&#8221;, &#8220;Druide&#8221; etc. &#8211; auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Angeregt einerseits durch Wurzelfraus Artikel &#252;ber <a href="http://www.wurzelfrau.de/spirituelle-basisdemokratie/">spirituelle Basisdemokratie</a>, andererseits durch eine Unterhaltung mit einer katholischen Bekannten, die &#252;ber Widerspr&#252;che in puncto Priesteramt f&#252;r Frauen stolperte, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie das denn so mit der Priesterschaft im Heidentum aussieht.</p>
<p>Denn irgendwie scheint dieser Titel oder seine &#196;quivalente &#8211; &#8220;Gode&#8221;, &#8220;Druide&#8221; etc. &#8211; auf Heiden immer noch eine gewisse Anziehungskraft auszu&#252;ben.<br />
Nun kam ich aus einer Ecke, die Hierarchien jeder Art ablehnt (meine erste Begegnung mit dem Thema Hexen waren die B&#252;cher von Luisa Francia). In keiner Gruppe, in der ich je unterwegs war, gab es &#8220;Leiter&#8221; oder &#8220;Hohepriester&#8221;.  Ich meinte sogar manchmal das Gegenteil wahrzunehmen: Blo&#223; keine Hierarchie, keine Struktur, und damit ging manchmal eine Tendenz zur Desorganisation einher, die dann an den Nerven zehrt, wenn eine tats&#228;chlich etwas auf die Beine stellen, etwas tun m&#246;chte. (Spielregeln und Strukturen haben ihren Sinn. Wenn man nicht von selbst in eingefahrene Gleise, die allzu oft Machtstrukturen der etablierten Gesellschaft wiederspiegeln, verfallen will, dann mu&#223; man diese Regeln und Strukturen bewu&#223;t erarbeiten und regelm&#228;&#223;ig bis laufend revidieren. Das nur als Seitengedanke.)<br />
Demgegen&#252;ber gibt es au&#223;erhalb der feministischen Hexenkreise auch sehr formalisierte Hierarchien, etwa im Wicca, wo Initiationen und Grade vergeben werden und die Befugnisse (z.B. Rituale leiten, Leute ausbilden, eigene Coven gr&#252;nden) regulieren.</p>
<p><strong>Priesterschaft in der griechischen Antike</strong><br />
Demgegen&#252;ber war die Funktion der Priesterin, des Priesters oder was damit auch gleichgesetzt wird, in der vorchristlichen Welt wahrscheinlich oft unspektakul&#228;rer. <span id="more-145"></span>Zum Beispiel im antiken Griechenland: </p>
<blockquote><p>In der griechischen Antike war das Priesteramt genau das: ein Amt. Keine Berufung, keine Ausbildung, keine Weihe. Man kam zu diesem Amt auf verschiedene Weise, je nachdem, um welche religi&#246;se Einrichtung es sich handelte. Aber im Prinzip konnte jeder jede religi&#246;se Handlung durchf&#252;hren &#8211; auch Frauen und Sklaven. Das war durchaus nicht &#252;blich, in anderen L&#228;ndern wie zB Persien konnten nur die &#8220;magi&#8221; religi&#246;se Handlungen durchf&#252;hren.</p>
<p>Das griechische Priesteramt entstand ganz simpel aus der Rolle des Familienoberhauptes im Rahmen der privaten, famili&#228;ren Verehrung der G&#246;tter. Und da die Gemeinde die n&#228;chste gr&#246;&#223;ere soziale Einheit ist, war der Gemeindevorsteher dann auch in religi&#246;sen Belangen f&#252;r seine Leute zust&#228;ndig, wurde also zum &#8220;Priester&#8221;. Dies wurde dann in den gro&#223;en St&#228;dten mit demokratischer Regierungsform etwas schwierig, somit wurde immer einer der Magistraten zum Vorsteher f&#252;r eine bestimmte Festlichkeit ernannt. Praktischer Weise musste er f&#252;r diese Ehre die Feier aus eigener Tasche bezahlen. In Athen gab es nach der Erfindung der Demokratie trotzdem einen &#8220;K&#246;nig&#8221; (basileus), der f&#252;r die &#8220;traditionellen Opfer&#8221; zust&#228;ndig war (also sozusagen einen Sakralk&#246;nig). Nat&#252;rlich gab es im Bereich der Tempel und sonstigen Kultst&#228;tten fixes Personal, also &#8220;Priester&#8221; (hiereis, hiereiai), die f&#252;r die Einhaltung der richtigen Vorgehensweise beim Opfern zust&#228;ndig waren oder auch bei Orakelst&#228;tten f&#252;r die richtige Deutung des Orakels. Oft wurde das Priesteramt im Tempel innerhalb der Familie weiter vererbt. <sup class='footnote'><a href='#fn-145-1' id='fnref-145-1'>1</a></sup></p></blockquote>
<p><strong>Spirituelle &#8220;Experten&#8221;</strong><br />
Im wesentlichen stimmt die Behauptung: ich bin meine eigene Priesterin. Oder eher, ich brauche keinen Titel und keine Legitimation f&#252;r das, was ich spirituell so mache, f&#252;r das Weltenwandern und die Kommunikation mit denen in den anderen Welten.<br />
Es gibt jedoch Situationen, wo ich Leute frage, bei denen ich darauf vertraue, da&#223; sie mir mit ihrem Wissen und ihren F&#228;higkeiten helfen k&#246;nnen, und sei es nur, da&#223; sie nicht selbst in dem Schlamassel stecken, aus dem ich mich nicht an meinen eigenen Haaren ziehen kann.<br />
Wenn ich vor einem Problem stehe, wo ich &#8220;blinde Flecken&#8221; habe, ist es durchaus sinnvoll, da&#223; ich mir z.B. die Karten von jemand anderem legen lasse. Wenn ich etwa eine Visionssuche nach indianischem Vorbild machen m&#246;chte, dann wende ich mich an jemanden, der darin m&#246;glichst Erfahrung hat und auf eine Ausbildung zur&#252;ckgreifen kann. Oder wenn es um eine Zeremonie f&#252;r mich ginge, in der etwas mich betreffendes gefeiert wird (ein wohl vielen einsichtiges Beispiel: wenn ich etwa eine Hochzeitszeremonie wollte): das will ich einfach nicht als One-Woman-Show machen. Ich w&#228;hle da, wenn m&#246;glich, jemanden, den etwa Freunde empfehlen oder den ich pers&#246;nlich kenne. </p>
<p><strong>W&#252;rde ich gyðia sein wollen?</strong><br />
Die Rolle einer spirituellen Expertin zu &#252;bernehmen, w&#252;rde f&#252;r mich vor allem eine Verpflichtung bedeuten. Es w&#252;rde bedeuten, da&#223; ich, wenn jemand aus meiner Heilsgemeinschaft Bedarf hat, bereit bin, mein Wissen und meine &#220;bung f&#252;r ihn/sie einzusetzen &#8211; und das kann dann darin bestehen, da&#223; ich f&#252;r diese Person die Runen werfe, einen Gegenstand gestalte, einen Zauber wirke. Es kann hei&#223;en, da&#223; ich f&#252;r diese Person ein Lied, ein Gedicht, einen Text verfasse. Es kann bedeuten, da&#223; ich Faktenwissen vermittle. Es kann auch hei&#223;en, da&#223; ich ein Ritual entwerfe, gestalte, durchf&#252;hre, das nur zwei Personen beinhalten kann oder auch zwanzig, drei&#223;ig, f&#252;nfzig. Es w&#228;re f&#252;r mich ein Dienst an der Person, die mich darum bittet, und an der Gemeinschaft, aber keine Position irgendwelcher Autorit&#228;t oder Macht.</p>
<p>Oder, wie es <a href="http://eibensang.de">Duke</a> in bezug auf die Nornirs Aett formuliert:</p>
<blockquote><p>Wir “Ættlinge” haben keine “Priester” – wir haben einstimmig gew&#228;hlt sein m&#252;ssende Vertrauensleute, die kein Jota mehr Recht oder Befugnisse haben als andere Nasentr&#228;ger, sondern nur zus&#228;tzliche Pflichten der Gruppe gegen&#252;ber… jeder und jedem Einzelnen von uns. Wir, die Gruppe, gew&#228;hren unseren entsprechend Ambitionierten ggf. die gnadenvolle Anerkennung, f&#252;r die andern einige Dreckarbeit machen zu m&#252;ssen und nonstop Wache stehen zu d&#252;rfen f&#252;r das Wohl unserer kleinen “Allgemeinheit”. Und wehe, diese so Beauftragten zicken. DAS sind unsere Goden, Weiber wie Kerls… Und ben&#246;tigten wir die Kleiderordnung des B&#252;rgerstaates in unserem darin befindlichen Privathaufen, dann tr&#252;gen unsere Goden eher die leuchtorangenen Westen st&#228;dtischer Reinigungsbeauftragter als den hehren Schwarzkittel irgendwelcher Kirchenpfaffen. Spirituelle Deutungsbefugnis haben unsere Goden schon gar nicht! <sup class='footnote'><a href='#fn-145-2' id='fnref-145-2'>2</a></sup></p></blockquote>
<p>Ich pers&#246;nlich f&#252;hle mich im Moment zu dieser Rolle nicht berufen und f&#252;hle mich auch nicht in der Lage, diese Rolle angemessen auszuf&#252;llen. Es reicht mir, erst einmal mein eigenes Leben in dieser Hinsicht wie in anderer in den Griff zu bekommen.</p>
<p><strong>Die eigene Erfahrung ist unersetzlich</strong><br />
Der lebendige Kontakt mit den G&#246;ttern, das ist eine Sache, die nur ich allein erleben kann, eine Erfahrung, die niemand f&#252;r mich machen kann. Und sogar die begrifflichen Grundlagen, die ich meinen Gebeten, Ritualen, meinen schamanischen Reisen zugrundelege, sind solider, wo ich etwas durchdacht, gedreht, gewendet, von allen Seiten betrachtet, will sagen: mit meinem eigenen Kopf dran gearbeitet habe. Ohnehin gibt&#8217;s mein Heidentum ja nicht als fertiges Produkt, es &#228;hnelt eher einem Mosaik in fortw&#228;hrender Arbeit und in st&#228;ndiger Bewegung. Warum sollte ich also den Anspruch erheben, jemandem diese Erfahrungen und diese Arbeit abzunehmen?
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-145-1'>Hellenismos:now!, <a href="http://hellenismos.spireku.at/wiki/doku.php/artikel:priestertum">Artikel &#8220;Priestertum&#8221;</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-145-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-145-2'>aus dem Aufsatz <a href="http://www.nornirsaett.de/mussen-wir-dran-glauben-teil-ii/">&#8220;M&#252;ssen wir dran glauben?&#8221;, Teil II</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-145-2'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Ins Unreine gedacht: Queers und spirituelle Rollen</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Mar 2010 23:15:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<category><![CDATA[gender]]></category>
		<category><![CDATA[queer]]></category>
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		<description><![CDATA[Kennt Ihr das Ph&#228;nomen des sogenannten &#8220;positiven Rassismus&#8221;? Das besagt, kurzgefa&#223;t: man schreibt einer bestimmten Gruppe von Menschen, meistens ethnisch oder &#252;ber die Hautfarbe definiert, pauschal eine bestimmte positive Eigenschaft oder F&#228;higkeit zu. Etwa wie &#8220;Schwarze sind die geborenen Entertainer&#8221; oder &#8220;Schwarze haben so ein tolles Rhythmusgef&#252;hl&#8221;.
Naiv mag mensch sich jetzt fragen, was daran schlimm [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kennt Ihr das Ph&#228;nomen des sogenannten &#8220;positiven Rassismus&#8221;? Das besagt, kurzgefa&#223;t: man schreibt einer bestimmten Gruppe von Menschen, meistens ethnisch oder &#252;ber die Hautfarbe definiert, pauschal eine bestimmte positive Eigenschaft oder F&#228;higkeit zu. Etwa wie &#8220;Schwarze sind die geborenen Entertainer&#8221; oder &#8220;Schwarze haben so ein tolles Rhythmusgef&#252;hl&#8221;.</p>
<p>Naiv mag mensch sich jetzt fragen, was daran schlimm sein soll. Zwei Dinge: erstens baut es eine Erwartungshaltung auf &#8211; was etwa, wenn der Schwarze jetzt gar keine Lust hat, Entertainer zu sein, weil er etwa lieber in der &#8220;ernsten&#8221; Kunst was erreichen will?<br />
Und zweitens legt er auf eine bestimmte Rolle fest und kann durchaus T&#252;ren verbauen. <span id="more-109"></span></p>
<p>Im amerikanischen Theater der Zwanziger bis Drei&#223;iger war es etwa so, da&#223; das Showbiz f&#252;r Schwarze noch h&#228;rter war als f&#252;r Wei&#223;e &#8211; aber eine Ausbildung, so die g&#228;ngige Meinung, brauchten schwarze K&#252;nstler nicht: sie waren ja talentiert. Und sie blieben aufs Showbiz beschr&#228;nkt &#8211; g&#228;ngiger Meinung nach das, wof&#252;r ihr &#8220;nat&#252;rliches Talent&#8221; sie pr&#228;destinierte. Meines Wissens dauerte es bis in die F&#252;nfziger, bis z.B. schwarze Ballett&#228;nzer auf amerikanischen B&#252;hnen auftraten.</p>
<p>Auch &#8220;positiver Rassismus&#8221; ist Rassismus. Auch &#8220;positiver Rassismus&#8221; schr&#228;nkt ein, schubladisiert und weist Menschen Eigenschaften oder F&#228;higkeiten zu, die sie vielleicht nicht haben (wollen).</p>
<p>Was hat das mit der &#220;berschrift zu tun?<br />
Es hat damit zu tun, da&#223; ich gerade einige B&#252;cher zum Thema &#8220;Lesben, Schwule und Spiritualit&#228;t&#8221; gelesen habe. Einige erw&#228;hnen, da&#223; Menschen, die wir heute als homo- oder transsexuelle klassifizieren w&#252;rden, in anderen oder vorchristlichen Gesellschaften bestimmte spirituelle Rollen &#252;bernommen h&#228;tten, etwa als Mittler zwischen den Welten, als Heiler und Schamanen. Einige (z.B. Urs Mattmann) schreiben LGBTQs besondere Begabungen und Talente zu, z.B. eine besondere Gastfreundlichkeit oder neue Wege der Fruchtbarkeit zu finden.</p>
<p>Ich pers&#246;nlich habe einige Argumente dagegen, beziehungsweise ich meine: das mag zwar heilsam sein, wenn $mensch sich gerade aus Schuldgef&#252;hlen und Versuchen, sich zu verbiegen, befreit hat oder befreien mu&#223;, aber es tr&#228;gt irgendwie auch Z&#252;ge eines &#8220;positiven Heterozentrismus&#8221; &#8211; und gerade Mattmanns &#8220;Begabungen&#8221; sprechen f&#252;r mich auch von einem nicht ganz &#252;berwundenen Minderwertigkeitsgef&#252;hl. (Ich mag ihm in einigen Punkten nicht ganz unrecht geben, meine aber, da&#223; diese eventuell vorhandenen Begabungen nicht in irgendeiner &#8220;schwullesbischen Essenz&#8221; begr&#252;ndet liegen, sondern da&#223; diese Sensibilit&#228;ten und F&#228;higkeiten der gesellschaftlichen Situation von Homosexuellen entspringen &#8211; und just diese Situation diversifiziert sich ja gerade mehr und mehr.)</p>
<p>Ich denke auch: es ist nicht gerechtfertigt, im Fall des Blicks auf <em>two spirit people</em> oder antike <em>gender variants</em> anderen Kulturen in dieser Weise unsere Sichtweise &#252;berzust&#252;lpen.</p>
<p>Was meint ihr, Betroffene oder Nichtbetroffene?</p>
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		<title>Was mich LARPer letztens lehrten</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Feb 2010 18:47:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[paradigmata]]></category>
		<category><![CDATA[rekonstruktion]]></category>
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		<description><![CDATA[Letztens stie&#223; ich auf dieses geniale Video:

Auch wenn das recht eindeutig eine Parodie ist, es brachte mich zum Denken.
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- und dieses Weltbild und die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Letztens stie&#223; ich auf dieses geniale Video:<br />
<object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="560" height="340" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/yk2vR8w2sjc&amp;hl=en_GB&amp;fs=1&amp;color1=0x2b405b&amp;color2=0x6b8ab6" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="340" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/yk2vR8w2sjc&amp;hl=en_GB&amp;fs=1&amp;color1=0x2b405b&amp;color2=0x6b8ab6" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Auch wenn das recht eindeutig eine Parodie ist, es brachte mich zum Denken.</p>
<p>Was w&#228;re denn, wenn mensch, statt die Sprache der Na’vi zu lernen (obwohl Sprache &#8211; schon in der Grammatik &#8211; Weltbild reflektiert) und sich blau anzumalen, versuchte, die Denkweise dahinter zu verstehen<br />
- und dieses Weltbild und die Mentalit&#228;t mehr oder weniger versuchsweise, im Sinne dessen, was unter Chaosmagiern als <em>paradigm piracy</em> bekannt ist, zu adoptieren? Bei <em>Avatar</em> &#8211; eine Fiktion, die ziemlich eng in den Beschr&#228;nkungen des Vorstellungsverm&#246;gens von Hollywoodfilmemachern bleibt &#8211; m&#252;&#223;te das noch ziemlich leicht fallen. <span id="more-101"></span><br />
Welcher Geist steckt hinter &#8220;Ich sehe dich&#8221; und &#8220;Ich fliege mit dir?&#8221; Wie f&#252;hlt es sich an, mit B&#228;umen und Tieren eine empathische Verbindung einzugehen? (Wobei es in <em>Avatar</em> immer nur um Tiere geht, die Na&#8217;vi beistehen: nicht andersherum.) Wie w&#252;rden wir leben mit der Gewi&#223;heit, da&#223; die, die vor uns waren, nicht einfach &#8220;weg&#8221; sind, da&#223; wir noch immer mit ihnen kommunizieren k&#246;nnen, da&#223; sie im Bewu&#223;tsein des Gro&#223;en Ganzen weiterleben &#8211; und wenn wir unser &#214;kosystem tats&#228;chlich, ernsthaft und konsequent als beseeltes lebendes Wesen betrachten w&#252;rden? Wie f&#252;hlt es sich an, einen Heimatbaum zu haben, der unersetzbar ist, nicht beliebig ausgetauscht werden kann?</p>
<p>LARP ist Theater, ist Spa&#223;, ist Tun-als-Ob. Genau das macht f&#252;r mich seinen Reiz aus. Im Spiel selbst, als Teilnehmer, ist kaum etwas l&#228;cherlich &#8211; weil es momentan, im Kontext des Spiels, eine Bedeutung gewinnt: wenn mich jemand mit einem Softball beschmei&#223;t und &#8220;Feuerball&#8221; ruft, ist das f&#252;r Au&#223;enstehende l&#228;cherlich, f&#252;r mich, wenn ich in der Rolle &#8220;drin&#8221; bin, nicht &#8211; weil es in der Rolle Konsequenzen hat, die ich ausagiere, was mit einer gewissen Identifikation glaubw&#252;rdiger ist und auch einfach mehr Spa&#223; macht. Wenn mich jemand in der U-Bahn mit einem Softball bewirft, dann halte ich ihn f&#252;r gaga. LARP fokussiert sich auf das, was physisch dargestellt werden kann – die Geisteshaltungen dahinter interessieren die meisten wohl h&#246;chstens unter dem Gesichtspunkt der glaubw&#252;rdigen Darstellung.<br />
Meine Art von flexibler Gestaltung von Paradigmata geht, wie aus meinen Fragen von oben hervorgeht, &#8220;vom anderen Ende&#8221; an die Sache heran. Zwar kann ich auch eine rituelle Form nehmen und probieren, ob sie f&#252;r mich funktioniert; wichtiger ist aber das &#8220;Innenleben&#8221;: Mentalit&#228;t und Weltbild. Und um wiederum an diese (und nicht die verzerrte R&#252;ckw&#228;rtsprojektion, die uns Nationalisten etwa von vorchristlichen eruop&#228;ischen Kulturen servieren wollen) zu kommen, ist es sehr hilfreich, sich nicht nur mit den f&#252;r uns immer interpretationsbed&#252;rftigen Quellen, sondern auch mit der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion auseinanderzusetzen.</p>
<p>Paradigm Piracy, das bewu&#223;te “Adoptieren” von Weltbildern, zwischen denen ich je nach Kontext hin und her schalte oder die parallel existieren k&#246;nnen, ist eine Sache, die ich selbst nicht willentlich praktiziere; aber sie schlie&#223;t Ernsthaftigkeit und Verbindllichkeit nicht aus. Was sie aber per definitionem ausschlie&#223;t, ist: Ausschlie&#223;lichkeiten, Verbissenheit, Fundamentalismus, buchst&#228;bliche Interpretation von &#8220;heiligen Schriften&#8221;, die “eine Wahrheit”. In diesem Sinne war sie etwas sehr wichtiges f&#252;r mich und war die Bedingung, da&#223; mein Polytheismus &#252;berhaupt anfangen konnte zu funktionieren.<br />
Da&#223; meine Spiritualit&#228;t heute so ticken kann, wie sie tickt, liegt an ein paar weiteren Grunds&#228;tzen:</p>
<ul>
<li>Ob etwas &#8220;wahr&#8221; und &#8220;beweisbar&#8221; ist, z&#228;hlt in gewissen Zusammenh&#228;ngen nicht, sondern: ob es n&#252;tzlich und poetisch ist, ob es mir <em>in diesem Zusammenhang</em> weiterhilft.</li>
<li>damit zusammenh&#228;ngend: <em>suspension of disbelief</em>: wo ich mich auf ein alternatives Weltbild einlasse, stelle ich das in unserer Gesellschaft dominante Paradigma solange zur&#252;ck, und das kann ich dank</li>
<li>klarer Grenzen zwischen den Realit&#228;ten. Deshalb ist es mir z.B. wichtig, da&#223; Rituale einen klaren Anfang und ein klares Ende haben. Das kann durch so einfache Dinge hergestellt werden wie da&#223; ich einmal um den Raum gehe und rassele. Und last not least:</li>
<li>wei&#223; ich, wann welches Paradigma das angemessene ist.</li>
</ul>
<p>&#8220;Aus einem Gu&#223;&#8221; ist mein Weltbild schon lange nicht mehr, bzw. war es nie. Ich wei&#223;, da&#223; es l&#252;ckenhaft, bisweilen in sich widerspr&#252;chlich ist. Das ist auch das sogenannte naturwissenschaftliche Weltbild, das ist wohl jedes Weltbild. Meine Weltbilder sind, so mein Gef&#252;hl, hinreichend tragf&#228;hig und erkl&#228;ren mir genug, da&#223; ich mein Leben gr&#246;&#223;tenteils sinnvoll deuten kann. Und das ist eine St&#228;rke: denn mit einem widerspruchsfreien, l&#252;ckenlosen Weltbild zu leben, hie&#223;e f&#252;r mich in letzter Konsequenz, fundamentalistisch-rechthaberisch-lernunf&#228;hig bis paranoid zu sein und in einer Welt ohne Geheimnis, Tr&#228;ume und Poesie zu leben.</p>
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		<title>Call for Contributions: Queere Spiritualit&#228;t abseits der etablierten Religionen</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Jul 2009 08:05:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich trage mich schon seit einiger Zeit mit dem Vorhaben, ein Buch &#252;ber/von/f&#252;r queers auf naturspirituellen Wegen zu schreiben bzw. herauszubringen.
Warum? Ich habe den Eindruck, die &#246;ffentliche Debatte in der queeren Community &#252;ber Religion/Spiritualit&#228;t ist dominiert a) &#252;berhaupt von den etablierten Religionen, b) besonders seit 9/11 vom Reden &#252;ber Diskriminierung und (nicht nur islamischen) Fundamentalismus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich trage mich schon seit einiger Zeit mit dem Vorhaben, ein Buch &#252;ber/von/f&#252;r queers auf naturspirituellen Wegen zu schreiben bzw. herauszubringen.</p>
<p>Warum? Ich habe den Eindruck, die &#246;ffentliche Debatte in der queeren Community &#252;ber Religion/Spiritualit&#228;t ist dominiert a) &#252;berhaupt von den etablierten Religionen, b) besonders seit 9/11 vom Reden &#252;ber Diskriminierung und (nicht nur islamischen) Fundamentalismus und c) besonders im Fall von Christentum, Islam und Judentum von Apologetik, d.h. von einer theologischen Rechtfertigung der Homosexualit&#228;t (auch wenn einzelne christliche Autoren<sup class='footnote'><a href='#fn-77-1' id='fnref-77-1'>1</a></sup> diese Verengung kritisieren). Die Option, Spiritualit&#228;t selbst zu gestalten, sowie alternative spirituelle Wege werden kaum wahrgenommen, und f&#252;r viele queers scheint die einzig praktikable Haltung zu sein, Religion &#8211; und in einer weitverbreiteten Verwechslung auch alles Spirituelle &#8211; abzulehnen, um Ausgrenzung oder moralischem Abqualifiziertwerden zu entgehen.<sup class='footnote'><a href='#fn-77-2' id='fnref-77-2'>2</a></sup> Dabei beschreiben mehrere Autoren auch eine tiefe Sehnsucht von Lesben und Schwulen nach einer gelebten Spiritualit&#228;t.</p>
<p>In den Bereichen der alternativen Spiritualit&#228;t, sollte man meinen, ist es behaglicher f&#252;r Schwule und Lesben. Doch hier herrschen oft genauso heteronorme Bilder, feministische Positionen wie die von Starhawk oder Luisa Francia erscheinen nicht mehr so salonf&#228;hig, wie sie in den 80ern vielleicht einmal waren. Zwar werden Lesben und Schwule weitgehend akzeptiert, doch mir ist auch der Fall bekannt, da&#223; eine Frau mit transsexueller Vergangenheit aus einer dianischen Gemeinschaft ausgeschlossen wurde.<br />
Zudem: zwischen &#8220;ich werde nicht verteufelt&#8221; und &#8220;meine Spiritualit&#228;t bzw. meine spirituelle Gemeinschaft wird mir in vollem Umfang gerecht&#8221; (indem z.B. nicht auf heteronormativen Symbolen bestanden wird oder indem meine queeren Bed&#252;rfnisse ganz selbstverst&#228;ndlich genauso im Zentrum ritueller Aufmerksamkeit stehen d&#252;rfen wie heterosexuelle) liegen Welten. Gerade im naturspirituellen Bereich, scheint mir, hei&#223;en zwei markante, aber bei weitem nicht die einzigen Fallen Biologismus und naiver Naturbegriff. </p>
<p>Ich m&#246;chte zeigen, wie spirituelle Wege abseits der etablierten Religionen aussehen k&#246;nnen, die queers gerecht werden. Da ich mich nicht auf zu fremdes Terrain begeben mag UND da ich denke, da&#223; sonst leicht ein mehrb&#228;ndiger W&#228;lzer daraus w&#252;rde, begrenze ich die Thematik auf den naturspirituellen Bereich.</p>
<p>Ich habe mich dazu entschlossen, dieses Buch nicht als Monographie zu gestalten. Denn: ich m&#246;chte darauf hinweisen, da&#223; es viele verschiedene &#8220;richtige&#8221; Wege gibt. Jede/r mu&#223;, denke ich, seinen/ihren Weg selbst<br />
finden. <strong>Doch B&#252;cher k&#246;nnen, neben der Begegnung mit anderen Menschen, Internetseiten etc. wichtige Landkarten und Kompasse sein.</strong> Und um dieser Vielfalt der Wege gerecht zu werden, m&#246;chte ich viele verschiedene Stimmen zu Wort kommen lassen, alte und junge, schwule, bi- und transsexuelle, lesbische, SMer oder total vanille, Single oder in Langzeitbeziehung lebend, schon lange auf einem Pfad unterwegs oder erst seit kurzer Zeit in diese Richtung schnuppernd, solitary oder einer Gemeinschaft zugeh&#246;rig, und vor allem der verschiedensten naturspirituellen Pr&#228;gungen.</p>
<p><strong>So, und nun der Aufruf:</strong><br />
Ich suche Menschen, die sich als queer und naturspirituell bzw. naturreligi&#246;s (Hexe/HeidIn/SchamanIn/freifliegend&#8230; etc.) definieren und Lust haben, einen Beitrag zu einem solchen Buch zu schreiben. Ich denke zuerstmal an non-fiction-Beitr&#228;ge zwischen 5 und 20 Seiten L&#228;nge (wenn man eine Normseite von 2100 Zeichen zugrunde legt, w&#228;ren das zwischen 10200 und 42000 Zeichen inkl. Leerzeichen und Absatzmarken). Inhaltlich lasse ich Euch freie Hand, falls notwendig, habe ich einen kleinen Fragenkatalog zur Anregung (den gibt es auf Wunsch per e-mail). Wichtig ist mir nur, da&#223; der Beitrag erkennbar mit dem Feld &#8220;Naturspiritualit&#228;t/Naturreligion und/vs. queer&#8221; zu tun hat.</p>
<p>Eine einzige Einschr&#228;nkung: Ich behalte mir vor, im Zweifelsfall nein zu einem Beitrag zu sagen &#8211; z.B. wenn die &#252;blichen Verd&#228;chtigen (Nationalismus, Rassismus, Sexismus, angebr&#228;unter Kram) drin enthalten sind.</p>
<p><strong>Was gibt&#8217;s daf&#252;r?</strong><br />
Meine ewige Dankbarkeit und &#8211; je nach Resonanz &#8211; Ruhm und Anerkennung <img src='http://riesenheim.net/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' />  Ich habe noch nicht entschieden, wie, bei welchem Verlag oder Print-on-Demand-Service das Buch ver&#246;ffentlicht wird. Dementsprechend kann ich auch noch nichts zu sonstigen Modalit&#228;ten sagen.</p>
<p>Wer Lust hat beizutragen, m&#246;ge sich bitte bis <del datetime="2009-08-10T15:54:00+00:00">zum 15. August 2009</del> Samhain (31.10.2009) bei mir (Kontakt siehe Impressum) melden. Toll w&#228;re, wenn die Beitr&#228;ge bis <del datetime="2009-08-10T15:54:00+00:00">Samhain (31.10.09)</del> Ende des Jahres, sp&#228;testens aber zu Imbolc 2010 in Sack und T&#252;ten w&#228;ren!</p>
<p>Ich bin dankbar, wenn Ihr diesen Aufruf <strong>weiterverbreitet</strong>, bitte dann immer <strong>mit einem Link hierher</strong>.
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-77-1'>z.B. Urs Mattmann, Coming In: Spiritualit&#228;t f&#252;r Schwule und Lesben, M&#252;nchen (K&#246;sel) 2002 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-77-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-77-2'>vgl. Christian de la Huerta: Coming Out Spiritually: The Next Step. Tarcher, 1999, S. 5/6, sowie J&#246;rg Wellenk&#246;tter/Barbara Dietl; “Mein genialer Lehrer Buddha.” Siegess&#228;ule 2006/12, S. 14-16 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-77-2'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Die Riesen und ich, oder wie diese Seite zu ihrem Namen kam</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Jan 2009 08:50:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als ich gerade eingeschult war, wurde meine Mutter einmal zum Schuldirektor bestellt, der ihr dann in einem nahezu hysterischen Ton mitteilte: &#8220;Das Kind pa&#223;t sich nicht an!&#8221; Meine Mutter erz&#228;hlte mir das mit einer gewissen H&#228;me. Auch wenn ich nicht glaube und nie geglaubt habe, da&#223; Anpassung etwas Erstrebenswertes ist, ist etwas Wahres daran. Ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich gerade eingeschult war, wurde meine Mutter einmal zum Schuldirektor bestellt, der ihr dann in einem nahezu hysterischen Ton mitteilte: &#8220;Das Kind pa&#223;t sich nicht an!&#8221; Meine Mutter erz&#228;hlte mir das mit einer gewissen H&#228;me. Auch wenn ich nicht glaube und nie geglaubt habe, da&#223; Anpassung etwas Erstrebenswertes ist, ist etwas Wahres daran. Ich war tats&#228;chlich in meinem Leben oft eine Au&#223;enseiterin, habe mich geha&#223;t, seltsam, unverstanden und ausgeschlossen gef&#252;hlt. Fremdheit versus Zuhause-Sein: ein Lebensthema f&#252;r mich.</p>
<p>Was hat das mit Riesen zu tun? Eine ganze Menge.</p>
<p>Die Riesen: das sind die ungez&#228;hmten und unbez&#228;hmbaren Kr&#228;fte der Wildnis. Riesenhafte M&#228;chte sind nicht nur in der nordischen, sondern auch in der indischen und der griechischen Mythologie so etwas wie ein &#228;lteres G&#246;ttergeschlecht. Gerade in der nordischen Mythologie sind die Beziehungen zwischen Riesen, Asen und Wanen kein Schwarz-Wei&#223;-Bild, sondern sehr komplexer Natur. Ein Aufsatz von Diana Paxson machte mich darauf aufmerksam, da&#223; es bis in die Wikingerzeit hinein wahrscheinlich auch kultische Verehrung von Riesen gegeben hat<sup class='footnote'><a href='#fn-30-1' id='fnref-30-1'>1</a></sup> und brachte mich dazu, &#252;ber diese Wesen, die im allgemeinen als Bedrohung der Ordnung, als unkontrollierbare, unzivilisierte und chaotische M&#228;chte gesehen werden, neu nachzudenken.</p>
<p>Ich habe vom Herbst 2006 bis Sommer 2007 eine Phase heftigster Gef&#252;hle von Entfremdung, Seltsamkeit, Abwegig-Sein durchgemacht. Gef&#252;hle, die sich sehr intensiv um meine Spiritualit&#228;t und ein Nicht-Zuhause-Sein in der Form von Frauen- und G&#246;ttinnenspiritualit&#228;t, mit der ich mich bisher identifiziert hatte, drehten, aber auch mit meiner Sexualit&#228;t zu tun hatten &#8211; ich k&#228;mpfte sehr mit den Vorstellungen von M&#228;nnlichkeit und Weiblichkeit, die vielen Wegen, diese Spiritualit&#228;t zu leben, innewohnten. F&#252;r mich waren diese Wege nicht gangbar, und zugleich stellte ich meine Zweifel, meine K&#228;mpfe und mein heftiges Unwohlsein infrage. Stellte ich mich nur an? War ich &#252;bersensibel? &#220;berm&#228;&#223;ig pc, was <em>gender</em> anging? Warum verfing ich mich immer wieder in diesen aufreibenden Diskussionen um m&#228;nnlich und weiblich, maskulin und feminin und meine Unf&#228;higkeit, mit diesen Begriffen zu leben, sie zu akzeptieren und zu gebrauchen, wie es anscheinend jeder andere tat? (Und diese Worte durchzogen mein ganzes Leben &#8211; bis in so allt&#228;gliche Verrichtungen hinein wie die Bedienung einer Bohrmaschine.) Warum hatte ich das Gef&#252;hl, da&#223; weder die &#252;bliche &#8220;Frauenspiritualit&#228;t&#8221; noch das Mainstream-Heidentum queeren Leuten gerecht wurde?</p>
<p>Und da kamen die Riesen ins Spiel. In meiner notorischen Nicht-Angepa&#223;theit, mit meinem Infragestellen von Begriffskonstrukten, die anscheinend jeder mit gr&#246;&#223;ter Selbstverst&#228;ndlichkeit verwendete, ja sie f&#252;r die Wahrheit selbst hielt, in meinem Bed&#252;rfnis, bl&#246;de alte Stereotypen aufzul&#246;sen und dem heteronormativen Konsens subversiv zu Leibe zu r&#252;cken, f&#252;hlte &#8211; und f&#252;hle ich mich noch &#8211; den Riesen der nordischen Mythologie verwandt.<br />
In dem Moment, als ich das Fremdsein, ja sogar das Gef&#252;hl des Nicht-ganz-menschlich-Seins erst einmal f&#252;r mich akzeptiert hatte, entdeckte ich, da&#223; darin Kraft steckt. Die sich &#252;brigens wenige Tage, nachdem ich sie rituell akzeptiert hatte, in einer (bisher nicht wieder erreichten) Bestzeit auf 1000 Meter Schwimmen manifestierte.</p>
<p>Es waren letzten Endes genau die wilden Kr&#228;fte, ein See, ein Wald, eine Horde Wildsauen, die mir im Sommer 2007 bei einem útiseta das Gef&#252;hl, menschlich zu sein (und zwar, nach dem Status als Wesen, das die Erde bewohnt, zuerst einmal menschlich und dann alles andere), wiedergegeben haben. Trotzdem bin ich auch nach wie vor eine Riesenhafte.</p>
<p>Ich lebe also zwischen den Welten &#8211; eine Grenzg&#228;ngerin, die auf Diplomatie angewiesen ist. Ein nicht ganz ungef&#228;hrliches Unterfangen. Und doch waren und sind in vielen Kulturen Homosexuelle und &#8220;gender variants&#8221; diejenigen, deren besondere Gabe diese Art des Weltenwanderns ist: die Vermittlung zwischen der allt&#228;glichen Welt und den &#8220;nichtallt&#228;glichen Wirklichkeiten&#8221;.<sup class='footnote'><a href='#fn-30-2' id='fnref-30-2'>2</a></sup> Ich mag es nicht, auf eine &#8220;traditionelle Rolle&#8221;, sei die auch noch so ehrenvoll, festgeklopf zu werden. Doch hat mich diese Beobachtung ermutigt, mir das Recht zu diesem Weltenwandern zu nehmen.</p>
<p>So also kam ich zu meinem magischen Namen &#8211; und diese Seite, als meine pers&#246;nliche Texte-Grube, dann sp&#228;ter, als ich die Domain registrierte, mit zu dem ihren.
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-30-1'>Diana Paxson: <a href="http://www.hrafnar.org/norse/utgard.html" target="_blank">Utgard. The Role of the Jotnar in the Religion of the North</a>, urspr&#252;nglich erschienen in: MOUNTAIN THUNDER 5, 1992 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-30-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-30-2'>Vgl. z.B. Jenny Blain: Nine Worlds of Seid Magic: Ecstasy and Neo-Shamanism in North-European Paganism, bes. das Kapitel zum Thema <em>ergi</em>. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-30-2'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Heidentum: Eine ganz pers&#246;nliche Darstellung</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Oct 2008 20:23:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Diesen Text habe ich vor etwa zwei Jahren geschrieben &#8211; er bedarf sicher inzwischen einiger &#220;berarbeitungen, Aktualisierungen und Richtigstellungen. Aber ich stelle ihn mal, aus sozusagen dokumentarischen Gr&#252;nden, hier herein.
&#8220;Satan! Satan!&#8221; haben mir schon oft Leute nachgerufen, wenn sie mich mit einem Pentagramm um den Hals gesehen haben. Die (sehr christlich gepr&#228;gte) Freundin eines Freundes [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Diesen Text habe ich vor etwa zwei Jahren geschrieben &#8211; er bedarf sicher inzwischen einiger &#220;berarbeitungen, Aktualisierungen und Richtigstellungen. Aber ich stelle ihn mal, aus sozusagen dokumentarischen Gr&#252;nden, hier herein.</em></p>
<p>&#8220;Satan! Satan!&#8221; haben mir schon oft Leute nachgerufen, wenn sie mich mit einem Pentagramm um den Hals gesehen haben. Die (sehr christlich gepr&#228;gte) Freundin eines Freundes machte sich Sorgen, da&#223; ich Geister beschw&#246;ren k&#246;nnte, als sie mich eines Tages Karten legen sah. Dabei tragen viele Gothics das Pentagramm gar nicht als religi&#246;ses Statement, und die Karten funktionieren ohne jeglichen transzendenten Bezug. Es scheint, als riefen Symbole mit einer auch nur entfernt magischen Aura in unserer ach so aufgekl&#228;rten Zeit immer noch &#8211; oder wieder &#8211; ein altes Unbehagen wach, und das um so mehr, als heutige Menschen den Umgang mit dem, was ihr Alltagsbewu&#223;tsein nicht erfassen kann, in keiner Form mehr gew&#246;hnt sind.<span id="more-21"></span></p>
<p>Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, das von vielerlei religi&#246;sen Einfl&#252;ssen gepr&#228;gt war: Vorstellungen der amerikanischen Ureinwohner, Neue Hexen, Transzendentale Meditation, Hinduismus, Buddhismus, Neo-Sannyasins &#8211; das Christentum bekam ich lediglich &#252;ber den Religionsunterricht mit, den ich als Sch&#252;lerin an einem M&#228;dchengymnasium in katholischer Tr&#228;gerschaft besuchen mu&#223;te (was ich damals allerdings ganz interessant fand, denn wir hatten eine wirklich liebe Relilehrerin, die interessante Sachen mit uns durchnahm). Vor allem aber faszinierte mich schon damals die griechisch-r&#246;mische G&#246;tterwelt, die ich im Lateinunterricht kennenlernte.<br />
Langer Rede kurzer Sinn: Irgendwie stand f&#252;r mich nie in Frage, da&#223; es so etwas wie eine &#8220;transzendente Welt&#8221; gibt. Ich mag allerdings den Begriff &#8220;Transzendenz&#8221; nicht sonderlich: er konnotiert f&#252;r mich etwas von &#8220;Jenseits&#8221;, und gerade das Jenseits, der Himmel, die Erl&#246;sung au&#223;erhalb der Welt ist eine Vorstellung, die sich mit einer g&#246;ttlichen Natur (zumindest f&#252;r mich) nicht gut vertr&#228;gt. Lieber ist mir daher der Begriff der &#8220;nichtallt&#228;glichen Wirklichkeit&#8221;, der aus dem Neo-Schamanismus kommt. Wobei, was w&#228;re, wenn es selbstverst&#228;ndlicher Bestandteil unserer Realit&#228;t w&#252;rde, den Weltenbaum herauf und herunter zu reisen oder unseren Hausgeistern eine Ziggi und einen Kurzen zu spendieren &#8211; wie &#8220;nichtallt&#228;glich&#8221; w&#228;re diese Realit&#228;t dann noch?</p>
<h3>Heiden &#8211; ein schillernder Begriff</h3>
<p>&#8220;Paganus&#8221;, &#8220;Heide&#8221;, war in der r&#246;mischen Sp&#228;tantike die Bezeichnung f&#252;r einen Nichtchristen, der nicht Jude war. Der Begriff hatte anfangs nur eine Konnotation von L&#228;ndlichkeit, sp&#228;ter wurde ihm &#8211; teilweise bis heute &#8211; eine abwertende F&#228;rbung beigelegt.<br />
Als Heiden bezeichen sich heute auch manchmal AtheistInnen ohne Kirchenzugeh&#246;rigkeit. Diese Verwendung des Begriffs bezieht sich dann nur auf den Aspekt, keiner etablierten Religionsgemeinschaft anzugeh&#246;ren &#8211; etwas, das sie auf alle F&#228;lle mit vielen religi&#246;sen Heiden gemeinsam haben. Moderne Heiden sind aber nicht nur durch das zu beschreiben, woran sie nicht glauben. Obwohl das heidnische Feld ein gro&#223;es, heterogenes ist, in dem sich zahllose Gruppen, Gr&#252;ppchen und Einzelpersonen tummeln, l&#228;&#223;t sich doch einiges dar&#252;ber genau sagen.</p>
<h3>Naturreligion</h3>
<p>Modernes Heidentum ist eine Naturreligion: Die Natur ist das G&#246;ttliche, das G&#246;ttliche ist in der Natur zu finden. Das G&#246;ttliche ist in dieser Welt. Es gibt keinen Gegensatz zwischen G&#246;ttern und der Welt; das Heil ist nicht jenseits dieser Welt zu finden, sondern genau in ihr. Darum wird das moderne Heidentum von manchen Religionswissenschaftlern als &#8220;Diesseitsreligion&#8221; beschrieben. Ein Begriff, der f&#252;r meine Ohren einen etwas pejorativen Beiklang hat: Da klingt das abwertende Diktum von der &#8220;Spa&#223;gesellschaft&#8221; mit, da assoziiere ich Materialismus und Egotrips. Und tats&#228;chlich: der K&#246;rper, Sinnlichkeit, Lebensfreude und Lust (ob am Sex, am Essen, an Musik oder auch mal an einem Gewitterregen) sind Heiden heilig. Den meisten (von den braunen Odinskatholiken mal zu schweigen, keine Ahnung, wie&#8217;s bei denen aussieht. Ich will&#8217;s gar nicht wissen). Das mag f&#252;r strenge Christen ein Schlag ins Gesicht sein, ist doch vieles, was Heiden heilig ist, ihnen eine S&#252;nde. Heiden sind aber mitnichten Satanisten, die das, was im Christentum aus dem Ritual und aus dem Bereich des Heiligen verdammt wurde, nur deswegen zelebrieren, weil es eben Christen als S&#252;nde gilt. Nat&#252;rlich gibt es eine Menge Heiden, die christlich erzogen worden sind und sich davon erst einmal freimachen m&#252;ssen. Und Heiden verehren nicht nur die &#8220;lichten&#8221; Aspekte der vielf&#228;ltigen g&#246;ttlichen Wesen. Was aber gut und was b&#246;se ist &#8211; wer bestimmt das letztendlich? Und wonach? Auch destruktive M&#228;chte haben in der heidnischen Weltsicht ihre Notwendigkeit, ihren Platz und sogar ihre guten Seiten.<br />
Viele Heiden gehen auch davon aus, da&#223; es Wesen gibt, die sich unserer allt&#228;gliche Wahrnehmung meistens entziehen, wie Geister oder Feen, und da&#223; Menschen mit diesen Wesen zusammenleben, ja sogar kooperieren k&#246;nnen &#8211; eine Auffassung, die quer zu modernem Rationalismus steht und doch irgendwie sein verdr&#228;ngtes Anderes zu sein scheint.</p>
<h3>Von G&#246;ttern und Menschen</h3>
<p>Es gibt soviele Spielarten der heidnischen Religion, wie es Heiden gibt, k&#246;nnte ich jetzt sagen. Heiden k&#246;nnen pan(en)theististisch sein (es gibt eine universale g&#246;ttliche Kraft, die in allem wirkt) oder polytheistisch (es gibt viele G&#246;tter) oder auch viele Schattierungen dazwischen einnehmen. Sie k&#246;nnen G&#246;tter als Symbole begreifen oder als tats&#228;chlich vorhandene Wesen. Zum weitgespannten heidnischen Feld geh&#246;ren aber auch Leute, die sich mehr an schamanischen und animistischen Vorstellungen orientieren und f&#252;r die G&#246;ttinnen und G&#246;tter weniger bedeuten. Heiden k&#246;nnen sich auf die Mythologie einer bestimmten Kultur beschr&#228;nken oder eklektisch arbeiten, das hei&#223;t, Wesenheiten aus verschiedensten Kulturen in ihre Praxis einbeziehen. Sie k&#246;nnen vorgeben, traditionell zu arbeiten (was meines Erachtens problematisch ist, da wir nur in den Ausnahmef&#228;llen, in denen eine polytheistische oder animistische Tradition bis heute &#252;berlebt hat &#8211; was meist den einigen Zeitgenossen unangenehmen Nebeneffekt hat, da&#223; man sie sich nicht einfach beliebig aneignen kann &#8211; wirklich Gesichertes &#252;ber solche Traditionen wissen), oder sich ganz klar bewu&#223;t sein, da&#223; ihre Religion eine Neusch&#246;pfung ist.</p>
<p>Soviel als erste, wirre Gedanken zu dem Thema. To be continued&#8230;</p>
<h2>Links zum Thema</h2>
<p><a href="http://www.rabenclan.de/" target="_blank">Der Rabenclan</a></p>
<p><a href="http://www.nornirsaett.de/" target="_blank">Nornirs Aett</a> &#8211; &#8220;Asatrú zum Selberdenken&#8221;</p>
<p><a href="http://www.derhain.de/" target="_blank">Der Hain</a> &#8211; ein kleines, nicht allzu oft upgedatetes Projekt, das aber interessante, kritische Texte zum Thema Heidentum bietet</p>
<p><a href="http://www.eibensang.de/" target="_blank"> eibensang.de</a> &#8211; die HP von Duke Meyer, einem Menschen, der wunderbar poetische Interpretationen der germanischen G&#246;tter schreibt und herrlich bissige Texte &#252;ber braune Zeitgenossen und andere Danebenheiten</p>
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		<title>Manifest f&#252;r ein Netzwerk queerer Heiden und Hexen</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Oct 2008 20:14:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[manifest]]></category>
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		<category><![CDATA[regenbogenhain]]></category>
		<category><![CDATA[vernetzung]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Text entstand im Herbst 2007 als erkl&#228;render Text f&#252;r das Regenbogenhain-Wiki. Ich hoffe, Ihr verzeiht mir meinen akademischen Ton, aber anders wollte das damals nicht auf den Datentr&#228;ger flie&#223;en.
Religion scheint oft ein Hort von konservativen, queer-feindlichen Anschauungen zu sein, wenn man das &#246;ffentliche Bild betrachtet. Auch in der Szene der alternativen Spiritualit&#228;t ist die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Dieser Text entstand im Herbst 2007 als erkl&#228;render Text f&#252;r das <a href="http://regenbogenhain.midgardr.net/Hauptseite" target="_blank">Regenbogenhain-Wiki.</a> Ich hoffe, Ihr verzeiht mir meinen akademischen Ton, aber anders wollte das damals nicht auf den Datentr&#228;ger flie&#223;en.</em></p>
<p><em></em>Religion scheint oft ein Hort von konservativen, queer-feindlichen Anschauungen zu sein, wenn man das &#246;ffentliche Bild betrachtet. Auch in der Szene der alternativen Spiritualit&#228;t ist die Heteronorm &#8211; wenn auch scheinbar subtiler &#8211; omnipr&#228;sent, es herrschen oft vollkommen unreflektierte essentialistische Anschauungen &#252;ber Geschlechter und Sexualit&#228;ten. D.h. es wird oft davon ausgegangen, da&#223; es nur zwei vollkommen klar abgegrenzte Geschlechter gibt, da&#223; M&#228;nner und Frauen von Natur aus verschieden und in einer Weise komplement&#228;r sind, die eine gleichgeschlechtliche Beziehung als etwas Defizit&#228;res, ja Krankhaftes erscheinen l&#228;&#223;t.<span id="more-19"></span> LGBTQs/queeres Leben werden nicht in der Praxis gespiegelt; auch wenn sie willkommengehei&#223;en werden, bleibt es oft beim &#8220;ja, ist ok&#8221;, aber es wird nichts getan, um queers auch in der spirituellen Praxis sichtbar zu machen und ihre Lebensweisen in den Bereich des Heiligen aufzunehmen. Wir stellen einen einen ganz eklatanten Mangel an spirituellem Angebot f&#252;r Schwule und Lesben au&#223;erhalb der gro&#223;en Religionen fest, und transgenders kommen im Denken der meisten Autoren &#252;berhaupt nicht vor.</p>
<h2>Unser Vorhaben: Sichtbarkeit und Integration!</h2>
<p>Diese generelle Abwesenheit von Angeboten (Internetseiten, B&#252;cher, Gruppen&#8230;) f&#252;r queere Heiden und Hexen vermittelt den Eindruck, da&#223; ein eigener Raum f&#252;r queere Spiritualit&#228;t auch im Heidnischen dringend n&#246;tig ist. Auch wenn es unser Traum ist, da&#223; queeres Leben so selbstverst&#228;ndlich wird, da&#223; man es gar nicht mehr extra benennen, geschweige denn extra R&#228;ume daf&#252;r haben mu&#223;: der Weg dahin ist noch lang und auf dem Weg dahin w&#252;nschen wir uns Vernetzung, die es m&#246;glich macht, unsere anderen Lebensweisen erstmal sichtbar zu machen. Sichtbarkeit ist n&#246;tig: Wir denken, da&#223; ein Sprung von Unterdr&#252;ckung, Ausgrenzung und Totschweigen von Queerem und Weiblichem zum &#8220;Geschlecht und sexuelle Orientierung sind total irrelevant&#8221; unm&#246;glich ist. Denn wenn man auf dem jetzigen Stand des Diskurses Geschlecht, sexuelle Orientierung,&#8230; f&#252;r irrelevant erkl&#228;rt, l&#228;uft man Gefahr, das vorher Unterdr&#252;ckte ebenfalls wieder unter den Tisch fallen zu lassen. Deshalb halte ich es f&#252;r so wichtig, das, was jenseits der wei&#223;en, m&#228;nnlichen Heteronorm liegt, sichtbar, f&#252;hlbar, lebbar zu machen und es ganz bewu&#223;t zu integrieren.</p>
<p>Queere ChristInnen, J&#252;dInnen, Muslime/Muslimas und BuddhistInnen gr&#252;nden ganz selbstverst&#228;ndlich ihre eigenen Netzwerke, weil sie im religi&#246;sen Mainstream auf Intoleranz sto&#223;en. Wir HeidInnen sind in der gl&#252;cklichen Lage, da&#223; der heidnische Mainstream offener f&#252;r Queeres ist. Das macht unseres Erachtens eine Vernetzung nicht unn&#246;tig. Austausch und Wissenssammlung erm&#246;glichen uns, so hoffen wir, uns selbstbewu&#223;t in den heidnischen Mainstream einzubringen, selbstbewu&#223;t Fragen an ihn zu stellen und gemeinsam darauf hinzuarbeiten, da&#223; Queeres ganz selbstverst&#228;ndlich Teil heidnischer Riten, hexischer Magie und alternativer Spiritualit&#228;t wird, da&#223; schlie&#223;lich Sonderr&#228;ume f&#252;r queers nicht mehr notwendig sind.</p>
<h2>Was tun &#8211; ganz praktisch?</h2>
<p>Wir wollen ein Netzwerk spinnen. Ein Netzwerk von LGBTQs und &#8220;queer-freundlichen&#8221; Heteros, von Individuen und Organisationen. Wir wollen Links und Buchempfehlungen sammeln, aber auch Ans&#228;tze entwickeln, wie wir Queeres in heidnische Rituale einbringen k&#246;nnen, wie queere Rituale aussehen k&#246;nnten. Wir wollen einen uns ad&#228;quaten Ausdruck finden f&#252;r die Vielfalt des G&#246;ttlichen oder seine Einheit, die alle Gegens&#228;tze aufhebt.</p>
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