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	<title>riesenheim&#187; Essays</title>
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	<description>ein blog über queer &#38; heidentum</description>
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		<title>Orrr muß das sein? Zur Kritik an Daniela Scherler</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Dec 2011 18:30:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mir platzt hier mal der Kragen.

Ich identifiziere mich ja als "science-positive" Person. Ich bin zwar keine Naturwissenschaftlerin, aber in den letzten paar Jahren an technischen und wissenschaftlichen Themen sehr interessiert. Das beißt sich für mich überhaupt nicht damit, gleichzeitig Polytheistin zu sein, deren spirituelles Paradigma animistische und rekonstruktionistische Elemente enthält. Es steht weitestgehend konfliktfrei ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mir platzt hier mal der Kragen.</p>

<p>Ich identifiziere mich ja als &#8220;science-positive&#8221; Person. Ich bin zwar keine Naturwissenschaftlerin, aber in den letzten paar Jahren an technischen und wissenschaftlichen Themen sehr interessiert. Das beißt sich für mich überhaupt nicht damit, gleichzeitig Polytheistin zu sein, deren spirituelles Paradigma animistische und rekonstruktionistische Elemente enthält. Es steht weitestgehend konfliktfrei neben der Tatsache, daß ich gelegentlich schamanistisch praktiziere und Orakel wie das Tarot verwende. (Zum Thema &#8220;Wissenschaft und Heidentum&#8221; schreibe ich irgendwann nochmal was Ausführlicheres.)</p>

<p>Wenn es darum geht, Kreationismus aus dem Biologieunterricht rauszuhalten, Religion als Sache anzusehen, die vom Staat getrennt gehört und Menschenrechte zu verteidigen, verbünde ich mich, ohne mit der Wimper zu zucken, mit den glühendsten Skeptikern. Für die Aspekte der Welt, die wir sehen, anfassen und vermessen können, bieten die Wissenschaften gute Erklärungsmodelle. Ich habe nichts übrig für Verschwörungstheorien.</p>

<p>Nun wird das, was ich (<a href="http://riesenheim.net/2010/09/heidnische-praxis-ii-die-crux-mit-den-begrifflichkeiten/" title="Heidnische Praxis II: Die Crux mit den Begrifflichkeiten">mangels besserer Begriffe</a> nenne ich das so) spirituell so mache, oft als &#8220;esoterisch&#8221; klassifiziert. <span id="more-400"></span>Wenn ich Bücher zu meinen spirituellen Themen kaufen will, dann mache ich das entweder per Versand oder ich gehe in einen esoterischen Buchladen, wo ich sehr viel finde, über das ich den Kopf schüttele. Und wenn&#8217;s um alternative Heilverfahren geht, wird es ziemlich unbequem.<br />
Und jedesmal, wenn mal wieder über eine Person, die etwas vertritt, was im weitesten Sinne als esoterisch klassifiziert wird, in irgendeinem Zusammenhang, der mit Esoterik gar nix zu tun hat, mit dem Argument &#8220;das ist aber ein_e Esoteriker_in!!! LOL wie lächerlich!!!&#8221; hergezogen wird, fühle ich mich getroffen.</p>

<p>Was mir Twitter heute hereinspülte, war mal wieder so ein exemplarischer Fall. Es geht um <a href="http://www.scheloske.net/index.php/2011/12/kein-spass-die-seltsame-esoterik-welt-der-fraktionsgeschaeftsfuehrerin-der-berliner-piraten/">diesen Artikel über Fraktionsgeschäftsführerin der Berliner Piraten</a>, die Heilpraktikerin ist und u.a. Lebenshilfe anbietet und sich dabei offenbar auf ein paar ziemlich problematische Sachen stützt.</p>

<p>Ja, auch ich finde, daß man in Frage stellen kann, ob eine Person, die als Heilpraktikerin gesundheitlich problematische Sachen wie z.B. radikales Fasten vertritt, als Politikerin geeignet ist. Allerdings ist das Argument &#8220;das ist esoterischer Quatsch&#8221; in meinen Augen das falsche.</p>

<p>Wenn jemand sich zu einem Weltbild bekennt, das sich nicht mit &#8220;dem wissenschaftlichen Weltbild &#8482;&#8221; deckt, und damit evtl. auch professionell befaßt ist, heißt das in meinen Augen nicht, daß diese Person keine anständige politische Arbeit leisten kann. Differenzierung ist angezeigt. &#8220;Esoterik!! Iiiih!!!!&#8221; ist kein Argument, wenn es danach ginge, müßte man auf Katholiken genauso mit dem Finger zeigen (mit einem materialistischen Auge betrachtet, ist die Kommunion schließlich genauso &#8220;absurd&#8221; wie eine Visionssuche). Dann wäre ein westlich-naturwissenschaftlich-materialistisches Weltbild das einzige akzeptable.</p>

<p>Viel angebrachter wäre, zu sagen, warum z.B. die oben angeführte Person problematisch ist: Weil sie ein hochproblematisches Verständnis von Krankheit und Gesundheit vertritt, weil sie Gedankengut referiert, das man so auch von <a href="http://www.nornirsaett.de/npd-und-germanische-neue-medizin/">Vertreten brauner Ideologie</a> kennt und weil sie gesundheitsgefährdende Praktiken vertritt. Genauso macht&#8217;s <a href="http://www.korrupt.biz/2504/warum-scherler-als-fraktionsgv-durchaus-eine-piratenpersonalie-ist/">korrupt.biz/</a>. Also: es geht.<br />
Es geht, Kritik an Praktiken und Ideologien vom Lebenshilfemarkt zu üben, ohne gleich alles in einen Topf zu schmeißen und dreimal kräftig umzurühren. Kann unter Umständen ein wenig unbequem sein, Recherche und inhaltliche Auseinandersetzung erfordern. In Bausch und Bogen ablehnen und klotzmaterialistisch rummackern kann jede_r, das ist keine Leistung.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=400&amp;md5=f48f560f2fa5e0fda395c29e0d7941e5" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wider den Geist der Alternativlosigkeit</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Nov 2011 18:07:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich habe da einen Traum, der nicht weggehen will und dessen Gestalt ich doch nicht so recht fassen kann. Zum Teil, weil mich mein Alltagsleben so sehr in Anspruch nimmt; zum anderen, weil er den durch und durch von der Logik von Leistung, Geld und Arbeit geprägten Konsens in Frage stellt und weil ich ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe da einen Traum, der nicht weggehen will und dessen Gestalt ich doch nicht so recht fassen kann. Zum Teil, weil mich mein Alltagsleben so sehr in Anspruch nimmt; zum anderen, weil er den durch und durch von der Logik von Leistung, Geld und Arbeit geprägten Konsens in Frage stellt und weil ich mich zu dicht dran an dem fühle, was da nicht stimmt, als daß ich es in seiner Gesamtheit sehen kann. Ich kann immer nur einzelne Teile davon identifizieren. <span id="more-385"></span></p>

<p>Immerhin: Der <a href="http://eibensang.de">eibensang</a> bringt diese Saite immer wieder zum Schwingen. Die <a href="http://singvoegel.com">Singvøgel</a> mit so einigen ihrer Songs auch. Und dann stolperte ich diesen Frühling über <a href="http://fragileoasis.org/bloggernauts/Astro_Ron/">Ron Garans</a> Blog. Der ungebrochene Glaube, daß wir die Welt besser machen können, der immer wieder aus seinen Vlogs und seinen Posts spricht, hat mich sehr berührt.  Und dann noch die #occupy-Bewegung. Das alles hat mich erinnert, daß da noch <a href="http://www.singvoegel.com/index.php/dm-14-unter-der-asche-feuer/">Feuer unter der Asche</a> ist. Daß es Alternativen geben muß, auch wenn wir sie nicht sehen, nicht sehen wollen, wenn das &#8220;so ist es aber nun mal&#8221; so grell angestrahlt wird, daß die weniger grell beleuchteten Alternativen schwer zu sehen sind.</p>

<p>Denn sonst schwang mir in den letzten Jahren entgegen: Man kann doch am Kapitalismus nicht rütteln. Hat sich doch erwiesen, daß das nicht geht, mit dem Fall der Mauer&#8230; Als wären mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion alle Alternativen zum Kapitalismus diskreditiert.<br />
Als das erste Mal ein milliardenschwerer Konzern mit Staatsknete vor der Pleite gerettet wurde, hatte ich das erste Mal das Gefühl, daß da was massiv nicht stimmt &#8211; da wurde mit &#8220;Arbeitsplätze!!!&#8221; argumentiert, während meine Mutter und meine Großmutter ganz schön knapsen mußten, um in ihrem Kleinbetrieb eine Angestellte und eine Auszubildende zu bezahlen. Arbeit, egal welche, egal wie sinnlos und menschenunwürdig, ist ein Fetisch unserer Gesellschaft geworden (ich meine die deutsche, die ich kenne und bei der ich mir zutraue, sie zu beurteilen), ein Wert in sich selbst. Und der politisch-gesellschaftliche Diskurs scheint mir seit 9/11 hysterisch und &#8220;wer nicht für uns ist, ist gegen uns&#8221; geworden. Wer nimmt sich noch Zeit? Wer differenziert noch?</p>

<p>Kann ich nur gucken, daß ich selber irgendwie durchkomme? Bin ich nicht zu beschäftigt damit, im status quo klarzukommen, als daß ich mir Gedanken drum machen kann, wie es anders gehen sollte? Nein und Ja. Ja, weil oft tatsächlich der Alltag die Kraft auffrißt, etwas zu verändern und ich den Eindruck habe, daß das mit den Jahren schlimmer wird. Und auch, weil ich selbst dieses Gift auch gefressen habe, weil ich Teil dieser Gesellschaft bin und nicht raus aus ihr kann. Nein, weil es mir doch ab und zu mal gelingt, den Blick zu heben und mich nicht mit dem &#8220;So ist es nun mal&#8221; abzufinden. Und da ist eine Wut, ein Ungenügen an dem Leben, das ich derzeit führe: am falschen Ort, in einer Zwickmühle aus Sachzwängen und Fremdbestimmung, befeuert durch eine Geschichte mit bürokratischen Zwängen und durch massive Unzufriedenheit mit der Art, wie ich mein für deutsche Maßstäbe kärgliches Auskommen verdiene. Da ist ein Hunger. Da ist Feuer unter der Asche.</p>

<p>Und darum habe ich schon wieder was vor. Ich mach&#8217;s hier auch öffentlich, damit ich das tatsächlich durchziehe:<br />
Ich will diesen Traum hegen und pflegen. Ich will (demnächst mal) aufschreiben, wie ich persönlich mir ein gutes Leben vorstelle, egal ob das heute realistisch und realisierbar erscheint oder nicht. Und ich beschränke das nicht auf mein eigenes Leben, die gesellschaftliche Utopie braucht nur etwas länger, scheint mir schwerer in konkrete, schreibbare Worte zu sein. Doch es reicht mir nicht, mich auf mein eigenes kleines Leben zurückzuziehen. Es gibt da schließlich etwas, <a href="http://www.nornirsaett.de/was-uns-alle-verbindet/">was uns alle verbindet</a>. Und vielleicht gelingt es ja, sie ansteckend zu machen, diese Utopie, vielleicht ist sie irgendwann nicht mehr meine, sondern eine gemeinsame.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=385&amp;md5=232368736f0a98a96ef6bacdf12452ba" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Eine Randbemerkung zum Ausschluß von Transfrauen</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Mar 2011 09:11:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Um gender und Sexualität(en), insbesondere transgender, scheint in der amerikanischen Heidenszene gerade eine größere Debatte entbrannt zu sein. Anlaß ist der Ausschluß von Transfrauen von einem Ritual auf der PantheaCon diesen Februar, die sogar im britischen Guardian kommentiert wurde.
In dieser Angelegenheit und speziell im Guardian-Kommentar steckt, auch wenn dessen Titel ("Why won't pagans accept ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Um gender und Sexualität(en), insbesondere transgender, scheint in der amerikanischen Heidenszene gerade eine <a href="http://wildhunt.org/blog/2011/03/update-gender-transgender-religious-rites-and-inclusion.html">größere Debatte</a> entbrannt zu sein. Anlaß ist der Ausschluß von Transfrauen von einem Ritual auf der <a href="http://pantheacon.com/">PantheaCon</a> diesen Februar, die sogar im britischen Guardian <a href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/belief/2011/mar/08/pagans-trans-women-religions">kommentiert</a> wurde.
In dieser Angelegenheit und speziell im Guardian-Kommentar steckt, auch wenn dessen Titel (&#8220;Why won&#8217;t pagans accept trans women&#8221;) in seiner Allgemeinheit sicher nicht korrekt ist, für mich Denkmaterial.
<strong>Erstens:</strong> Dianic Wicca nach Z. Budapest ist nur eine kleine Teilmenge des in sich unglaublich inhomogenen Hexentums und dieses wiederum nur ein Bereich der heidnischen Landschaft. Wenn ich mir die Wogen ansehe, die das im amerikanischen heidnischen Internet schlägt, scheint die Debatte trotzdem überfällig zu sein. <span id="more-293"></span>
<strong>Zweitens:</strong> Ich finde es ein wenig fragwürdig, ein säkulares Gedenken wie den <a href="http://tdor.wordpress.com/">Transgender Day of Rememberance</a> und dianische Rituale direkt zu vergleichen.
Und <strong>drittens:</strong> fremd-definiert und auf eine angeblich eigene Tradition verwiesen zu werden, kann verdammt weh tun. Das Argument &#8220;Ja, ihr habt doch eigene Traditionen&#8221; tut weh, wenn es gegenüber so einer kleinen Menge geäußert wird. Da wird die trans<em>-Person fremd-definiert und ihre Selbstdefinition nicht geachtet. Dann kommt dazu: die Gruppe dianischer Hexen ist vielleicht nicht groß &#8211; garantiert aber größer als die der Transfrauen, die sich als Hexen definieren. Was ist, wenn exakt diese trans</em>person mit anderen aus der ihr zugewiesenen Gruppe &#8220;nicht kann&#8221;, wenn das trans-sein nicht als &#8220;Kleinster gemeinsamer Nenner&#8221; funktioniert? Was ist, wenn sie, vorausgesetzt, sie will das überhaupt, in ihrem Umfeld keine spirituell interessierten Transleute findet, wenn es also keine Leute der ihr zugewiesenen Gruppe in ihrem Umfeld gibt? Und zum Schluß resultiert daraus die Frage: Was wird da als relevantes Identitätsmerkmal konstruiert? Warum, wie, geht das nicht auch anders und für alle Beteiligten netter? Fragen über Fragen.
Für mich wäre es wünschenswert, daß auch in der deutschsprachigen heidnischen Landschaft über gender und queer, über Privilegien und Normen geredet wird und mehr Wege entstehen, die auch für die gangbar sind, die an genügend anderen Orten nicht dazugehören dürfen. Und das ist beileibe nicht nur die Aufgabe von uns queers.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=293&amp;md5=9358fb715135c7b139e2ed9c4f4e8b47" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Heidnische Praxis IV: Gedanken über heilige Tage</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Jan 2011 17:45:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eins der Dinge am Heidentum, über die viel geschrieben wird, ist der Festtagskalender, vor allem die gern zitierten acht Jahreskreisfeste. Und immer wieder die Frage: Was war zuerst da? Kann ein Fest, so wie es heute von Heiden gefeiert wird, als authentisch bezeichnet werden?

Bild: sxc.hu
Es erscheint mir als nahezu unlösbare Aufgabe, auseinanderzuhalten, was am ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eins der Dinge am Heidentum, über die viel geschrieben wird, ist der Festtagskalender, vor allem die gern zitierten acht Jahreskreisfeste. Und immer wieder die Frage: Was war zuerst da? Kann ein Fest, so wie es heute von Heiden gefeiert wird, als authentisch bezeichnet werden?</p>

<div style="text-align:center"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/uploads/2011/01/kerze.png" width="375" height="476" alt="Kerze"><br />
<small>Bild: <a href="http://www.sxc.hu/photo/1281538">sxc.hu</a></small></div>

<p>Es erscheint mir als nahezu unlösbare Aufgabe, auseinanderzuhalten, was am Brauchtum rund um die Jahreszeiten vielleicht heidnische Wurzeln haben mag und was christlich ist, was eventuell aus der regionalen Aneignung des Christentums erwachsen sein mag.
Mir scheint es als die ehrlichste Position, zuzugeben, daß die Feste, wie moderne Heiden sie heute feiern, eine Neuerfindung sind &#8211; und diese Neuerfindungen dann aus dem eigenen Verständnis der Jahreszeiten und der Mythologie neu zu gestalten.</p>

<p>Meine wichtigen Tage unterscheiden sich deutlich vom Wicca-Jahresrad. Zum einen, weil für mich die Sonnenfeste wichtiger sind. Und zum anderen, weil mir auch die Wicca-Mythologie nichts mehr sagt. Mein Jahreskreis hat keinen einheitlichen Mythos, und wenn es etwas gibt, was ich damit würdige, so sind es zuallererst die Lichtverhältnisse.</p>

<p>Nehmen wir die Zeit um die Wintersonnenwende. <span id="more-256"></span>Ich fühle mich um diese Zeit meistens erschöpft, mag mich zurückziehen, nicht aus dem Haus gehen. Wärme und Licht fehlen mir. Die frühe Dunkelheit nimmt mich mit. Wenn kein Wecker mich aus dem Schlaf reißt, schlafe ich auch mal um die zehn Stunden. Gleichzeitig ist mir um diese Zeit sehr wichtig, mit den Menschen zusammen zu sein, die mir am wichtigsten sind.
Jul hat darum für mich zwei Aspekte &#8211; den der (Heils)Gemeinschaft und den den Aspekt des wiederkehrenden Lichtes. Einen konkreten Mythos dagegen inszeniere ich bisher nicht; allein die astronomische Tatsache, daß die Tage wieder länger werden, macht mich schon glücklich.</p>

<p>Als wichtige Daten haben sich für mich in den letzten Jahren herauskristallisiert:</p>

<ul>
<li>Die Sonnenwenden &#8211; Jul, wie oben beschrieben, und die Sommersonnenwende, der Höhepunkt der hellen Zeit</li>
<li>die Tagundnachtgleichen &#8211; der Beginn der hellen und der dunklen Jahreshälfte</li>
<li>das Ætt-Althing Ende Juli/Anfang August, das für mich auch eine wunderbare Zeit ist, um unter freiem Himmel zu sein.</li>
</ul>

<p>Alle diese Bedeutungen sind an die klimatischen Bedingungen Mitteleuropas gebunden. Ich würde ganz andere Tage als bedeutsam wahrnehmen, würde ich etwa am Äquator oder auf der anderen Erdhalbkugel leben.</p>

<p>Für mich ist es durchaus wichtig, in diesen meinen Festen nicht einfach vorhandenes, christlich getöntes Brauchtum zu nehmen und heidnisch anzumalen, sondern nachzudenken: Was ergibt für mich einen Sinn? Welche Symbolik und (wenn ich darauf nicht verzichte) welche mythische Geschichte paßt zu diesem konkreten Fest? Ich mag auch nicht einfach fremde Ritualrezepte übernehmen, &#8220;weil man das so macht&#8221; oder weil irgendeine heidnische Autorität das so schreibt.</p>

<p>Jahreskreisfeste sind, wo ich sie überhaupt gemeinsam mit anderen feiere, im Optimalfall Glanzpunkte in meinem spirituellen Leben. Sie sind für mich nicht sinnvoll, wenn ich <em>nur</em> zu den Festtagen was tue und ansonsten unspirituell vor mich hin dümple. In letzter Zeit haben alltägliche Rituale und Übungen für mich an Bedeutung gewonnen. 
Dazu kommen die Rituale, für die es keinen Anlaß im Jahreskreis gibt: Rituale, die ich, allein oder mit anderen, für persönliche Belange &#8211; meine oder die von Menschen, die mir nahestehen &#8211; mache.  Eine Orakelsitzung, eine schamanische Reise, vielleicht ein Übergangsritus. Denn für diese Anliegen muß in meiner Spiritualität neben dem Feiern der Jahreszeiten Raum sein.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=256&amp;md5=53e6d6f2a4f2c44bc1ae586004da7c2a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Senf zur Leitkulturdebatte</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Nov 2010 21:14:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Darf ich hier, auf einem dezidierten Sachtexteblog, auch mal ranten? Natürlich darf ich. Habe ich ja auch schon getan. Und darum hier eine Äußerung, die schon eine Weile gegoren hat, über ein Thema, dessen Widerkäuen in den Medien mich ankotzt.

Nämlich: Die unsägliche Debatte über "den Islam", die "Leitkultur", die Rede vom christlichen Abendland.
Mir will ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Darf ich hier, auf einem dezidierten Sachtexteblog, auch mal ranten? Natürlich darf ich. Habe ich ja auch schon getan. Und darum hier eine Äußerung, die schon eine Weile gegoren hat, über ein Thema, dessen Widerkäuen in den Medien mich ankotzt.</p>

<p>Nämlich: Die unsägliche Debatte über &#8220;den Islam&#8221;, die &#8220;Leitkultur&#8221;, die Rede vom christlichen Abendland.
Mir will scheinen, ein großer Teil der Akteure dieser Debatte leidet unter akuter <em>Muslim Panic.</em> Das gebrauche ich jetzt mal analog zum Phänomen <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Homosexual_panic">Gay Panic</a>. Seit 9/11 verdrängt die Angst vor Fundamentalismus jede vernünftige Debatte über Religion. Kultur wird munter mit Religion in einen Topf geworfen und in unsäglicher Weise pauschalisiert. &#8220;Der (fortschrittliche) Westen&#8221; wird gegen &#8220;den (archaischen) Orient&#8221; in Stellung gebracht und die Rhetorik Frau Merkels bringt deutlich zum Ausdruck: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. <span id="more-211"></span>
Es gibt inzwischen mehr als genug gute Stellungnahmen dazu. Angefangen von einer bissigen Notiz von <a href="http://timemaster.tumblr.com/post/1327455065/hier-fehl-am-platze">Timemaster Tim</a> (Eldaring) über einen lesenswerten <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=7119">Aufsatz auf den Nachdenkseiten</a> bis zu einem <a href="http://www.nytimes.com/2010/10/29/opinion/29Habermas.html?pagewanted=1&#038;_r=2">Artikel von Jürgen Habermas in der New York Times</a> &#8211; um nur einmal drei herauszugreifen.</p>

<p>Ich fühle mich zwischen den Fronten. Ich lege Wert auf Menschenrechte (alle davon!), weil ich sie brauche. Ich bin in einiger Hinsicht sehr privilegiert (ich bin weiße Europäerin, ich habe eine gute Bildung, ich bin angestellte Erwerbstätige, die von ihrer Arbeit leben kann, ich bin nicht behindert, &#8230;), in anderer Hinsicht spüre ich die Marginalisierung (namentlich: ich bin queer, ich bin Frau und ich fühle mich einigen Subkulturen nahestehend, die im kulturellen Mainstream auf Vorbehalte und sogar Ängste stoßen, ich halte für mich z.B. auch Entwürfe von Liebesbeziehungen für lebbar, die der Mainstream entrüstet von sich weist, ich bin ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nerd">Nerd</a>). Meine Freiheit ist eine, die allzu oft gegen als christlich deklarierte Positionen erkämpft wurde und noch wird; darum kann ich mich nicht mit &#8220;dem Christentum&#8221; verbrüdern. (Mit realen, emanzipativ handelnden christlichen Individuen unter Umständen schon: aber auf einer Ebene der Allianz, nicht der Identifikation.) Und schon gar nicht gegen eine pauschalisierte und aufgebauschte islamische Bedrohnung.</p>

<p>Meine kulturellen Bezugspunkte sind vielfältig. Die Geisteshaltungen des <em>bushido</em> gehören genauso dazu wie die französische Aufklärung; was ich vom Denken amerikanischer Ureinwohner über das Verhältnis von Mensch und Umwelt weiß, hat mich genauso tief inspiriert wie das, was ich aus verschiedensten Quellen über Buddhismus gelernt habe (da waren Interpretationen des Herz-Sutras genauso dabei wie Zen-Denken). Die Pragmatik des Havamal gehört genauso dazu wie Diskursanalyse, Semiotik und Gender Studies. Das Christentum dagegen habe ich zwar kennengelernt (aus einer recht formalen Perspektive &#8211; als Musikwissenschaftlerin kam ich nicht umhin), doch geprägt hat mich vor allem die Erfahrung, daß es nicht meine Religion ist.</p>

<p>Ich hätte meine Kultur gern ohne Leit-, aber dafür anständig finanziert. Und für das tägliche Zusammenleben haben wir eine Rechtsordung, Menschenrechte und das Grundgesetz. Warum sollen die eigentlich unzureichend sein?</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=211&amp;md5=20fdbbb2206943b3486a978794d8afb9" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Heidnische Praxis III: Distanzierungen vom Christentum</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Sep 2010 08:05:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die meisten, die sich heidnischer Spiritualität zuwenden, durchlaufen eine Phase der Distanzierung vom Christentum. Manchmal schlägt diese Distanzierung in Christenbashing um.
Was verstehe ich darunter? Das englische Verb "to bash" bedeutet soviel wie: jemanden hauen, schlechtmachen, aber auch: scharf kritisieren. In meinem Sprachgebrauch hat "etwas bashen" etwa die Bedeutung "harte Kritik ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die meisten, die sich heidnischer Spiritualität zuwenden, durchlaufen eine Phase der Distanzierung vom Christentum. Manchmal schlägt diese Distanzierung in Christenbashing um.
Was verstehe ich darunter? Das englische Verb &#8220;to bash&#8221; bedeutet soviel wie: jemanden hauen, schlechtmachen, aber auch: scharf kritisieren.<sup class='footnote'><a href='#fn-186-1' id='fnref-186-1'>1</a></sup> In meinem Sprachgebrauch hat &#8220;etwas bashen&#8221; etwa die Bedeutung &#8220;harte Kritik üben, verbal auf jemanden/etwas einschlagen, etwas unfair und pauschalisierend aburteilen&#8221;.</p>

<p>Nicht jede Kritik am Christentum, nicht jede Distanzierung ist gleich Christenbashing. Ich halte die Distanzierung vom Christentum für unausweichlich, wenn jemand, der sich einmal daran gebunden gefühlt hat, sich davon löst. Ich finde es auch legitim, wenn da Wut, Entrüstung, Empörung aufkommen &#8211; aber aus diesen Gefühlen heraus zu handeln und sich davon den Blick verstellen zu lassen, finde ich fragwürdig. Mehr noch: unreflektiert alte Stereotypen nachzubeten und zu pauschalisieren, finde ich daneben. <span id="more-186"></span></p>

<p><strong>Meine persönliche Geschichte</strong>
Meine eigene Beziehung zum Christentum ist eine recht ungewöhnliche. Ich frotzele manchmal, wenn es da diese Institutionen nicht gäbe und den Dogmatismus und den alten Mann in Rom, wäre ich wahrscheinlich aus kulturellen Gründen katholisch. Denn die sakrale Kunst des Christentums finde ich (in großen Teilen) wunderschön und Kirchenmusik habe ich natürlich als klassische Musikerin auch vielfach aufgeführt. Einige Jahre lang konnte ich das <em>ordinarium missae</em> auswendig, weil ich so viele Vertonungen davon gesungen hatte. Andererseits ist mein Latein eben auch zu gut, um nicht zu verstehen, was ich da singe, und Inhalte wie das katholische Credo mag ich heute einfach nicht mehr singen.
Die Gottesdienste, die ich in diesem Kontext miterlebt habe, ökumenische wie katholische wie die wenigen evangelischen, dienen mir heute als Folie, wie Rituale nicht ablaufen sollten.</p>

<p>Ich habe einiges vom Christentum über die Musik mitbekommen: im Chor, im Musikunterricht in der Schule, als Musikhistorikerin, die um die prägende Rolle der Kirchen in großen Teilen der abendländischen Musikgeschichte einfach nicht herumkam. Ansonsten war meine spirituelle &#8216;Erziehung&#8217; jedoch eher alternativ: Meine Eltern sympathisierten schon in den 80ern mit Osho (damals noch Bhagwan Shree Rajneesh), meine Mutter unterstützte mein kindliches Interesse an den Indianern Nordamerikas, und Religionsunterricht hatte ich nur in der Grundschule und drei Jahre am Gymnasium (ich mußte an der Mädchenschule in katholischer Trägerschaft auch als Schülerin &#8220;o.B.&#8221;, ohne Bekenntnis, Religionsunterricht nehmen). Als Christin bin ich nie angesehen worden und habe mich selbst nie so verstanden. Ich hatte nie eine Bindung daran. Vielleicht mußte ich mich daher, als ich &#8220;out of the broom closet&#8221; kam, auch nicht davon distanzieren.</p>

<p><strong>&#8220;Sittenchristentum&#8221; und &#8220;Christo-Normativität&#8221;</strong>
Allerdings kann ich nicht leugnen: Unsere Kultur ist vom Christentum zutiefst geprägt. Die Bahnen, in denen wir denken, das, was wir für anständig oder unanständig halten, unsere Neigung zum Entweder-Oder, das ständige Denken in Kategorien der Sündhaftigkeit oder Reinheit (das heute u.U., seiner religiösen Gestalt vollkommen entkleidet, unser Verhältnis zur Arbeit, zum Essen, zu Gesundheit, Körperlichkeit und Fitness mitprägt): all dies hätten wir nicht in dieser Gestalt ohne die christliche Geschichte Westeuropas. <strong>Es liegt mir fern, deswegen vom &#8220;christlichen Abendland&#8221; zu reden:</strong> Diese Formel verleugnet in meinen Augen, daß uns die Wurzeln, aus denen unsere Kultur gewachsen ist, uns nicht auf ewig binden, daß wir frei sind, trotz dieser Ursprünge die Bahnen unseres Denkens und Handelns zu verändern; sie verleugnet außerdem, daß das Christentum, das unsere Kultur mitgeprägt hat, ein spezifisch europäisches ist; und sie leugnet außerdem, daß dieses Christentum nicht die einzige Wurzel ist, sondern eben auch die vorchristliche Antike sowie die Aufklärung ihre Spuren hinterlassen haben.</p>

<p>Ich weiß nicht, wer den Begriff des &#8220;Sittenchristlichen&#8221; aufgebracht hat, aber dieser Absatz von Duke beschreibt das Phänomen in meinen Augen sehr gut:</p>

<blockquote>Gegenwartsorientiert, wie wir uns aber benehmen, vergisst man [...] allzu leicht, möcht´ ich nur sagen, dass über eineinhalb Jahrtausende christlicher Kirchendiktatur unsere Gefühle und unser aller Denke vorgeprägt haben. Auch uns Heiden. Und ich behaupte: gerade uns. Dies: tiefgreifender, als man gern zugestehen möchte. Mögen wir uns von den Werten des Christentums und seinen bekannten Strafmythologien (Sünde, Hölle, Schuld usw.) jeweils persönlich noch so weit entfernt und emanzipiert haben, fühlen oder auch nur dünken: Der allgemeine Begriffskanon rangiert immer noch über christliche Gleise – die ich hier und ab jetzt “sittenchristlich” nenne, da eben keineswegs nur Fans vom armen Lattengustl betreffend. Nahezu jeder kulturreligiöse (oder auch ganz “arschnormale”, aber in religiösem Kontext mit auftauchende) Begriff ist gemeint – und sittenchristlich “vorbesetzt”: Religion. Ritual. Natur! Materie. Gott. Geist. Spirituell. Priester. Predigen. Sakral. Geistlich. Segen. Unschuld. Weltlich. Jungfrau. Liebe. Heilig. Bekenntnis. Glauben. Noch unzählige andere – hier nur ein paar der gebräuchlichsten.<sup class='footnote'><a href='#fn-186-2' id='fnref-186-2'>2</a></sup></blockquote>

<p>Und ich komme auch nicht umhin, eine gewisse &#8220;Christo-Normativität&#8221; zu bemerken. Die mag in Deutschland durch die DDR, wo Religion aus dem öffentlichen Leben zurückgedrängt wurde, ein wenig aufgeweicht sein, doch weite Teile der Öffentlichkeit denken bei &#8220;Religion&#8221; (und, damit gerne verwechselt, &#8220;Spiritualität&#8221;) immer noch an kirchlich gebundenes Christentum (oder mittlerweile vielleicht auch an den Islam, besonders bei Leuten, denen ein &#8220;orientalischer&#8221; Kulturhintergrund unterstellt wird) und setzen voraus, $mensch sei entweder christlich (vielleicht noch muslimisch) oder aber Atheist_in. Peter Sweasey bringt es auf den folgenden Punkt:</p>

<blockquote>One similarity between sexuality and spirituality is that both are, for the conversative mainstream, taboo subjects (although religion without spirituality, and heterosexuality which keeps quiet about sex, are the backbone of the Establishment).<sup class='footnote'><a href='#fn-186-3' id='fnref-186-3'>3</a></sup></blockquote>

<p>Nun schreibt Sweasey aus einer englischen Perspektive, aus einer Gesellschaft, die wesentlich multireligiöser ist als die deutsche, und sein Buch erschien vor dem massiven Aufflammen antiislamischer Ressentiments, das ich nach 9/11 bemerkte. Die deutschen Verhältnisse waren und sind meiner Wahrnehmung nach deutlich &#8220;christozentrischer&#8221;.
Um ein wenig auszubreiten, wohin das führen kann, ein Geschehnis aus meiner musikalischen Aktivität:
Da probte mein Chor in einem brandenburgischen Dörfchen und der Pfarrer lud uns im Vorfeld ein, in seinem Gottesdienst zu singen. Einer aus dem Chor bat uns darum, dieser Gemeinde, die uns als Lesben und Schwule willkommen geheißen hätte, Dankbarkeit zu zeigen &#8211; schließlich bräuchten Lesben und Schwule Verbündete und diese individuelle Gemeinde sei doch nicht gleichzusetzen mit der mißlichen Behandlung von Schwulen und Lesben durch offizielle christliche Stellen. Ich antwortete auf diese Mail, daß eine aktive Teilnahme an einem christlichen Gottesdienst für mich undenkbar ist &#8211; nicht aus Gründen der Sexualität, sondern aus religiösen Gründen. Die heftige Diskussion, die ich befürchtet hatte, blieb jedoch aus.
Kirchlich gebundenes Christentum, antireligiöser Atheismus und spirituelle Indifferenz bilden in Deutschland immer noch den Mainstream, die &#8220;Defaultzustände&#8221; der Variable Religion. Wer sich außerhalb davon positioniert und das auch nach außen hin zeigt, macht es sich unter Umständen etwas unbequemer. Das ist jedoch noch lange kein Grund, auf irgendwen verbal einzuschlagen, sich als Opfer hinzustellen oder sich verfolgt zu fühlen.</p>

<p>Ich persönlich möchte mich mit emanzipativ denkenden und aktiven Christen verbünden &#8211; gegen die Ewiggestrigen und Fundamentalisten, ohne meine spezifisch (neu-)heidnische Denkweise und Praxis zur Disposition zu stellen. Gleichzeitig empfinde ich auch religionskritische Humanisten als Verbündete, wo sie Religion an sich bestehen lassen und nicht als aggressive &#8220;Kampfatheisten&#8221; auftreten. Denn schließlich ist es ein Menschenrecht, zu wählen, ob und welche religiösen und spirituellen Praktiken und Überzeugungen $mensch pflegen will.</p>

<div class='footnotes'><div class='footnotedivider'></div><ol><li id='fn-186-1'>nach dem Onlinewörterbuch <a href="http://www.dict.cc/?s=bash">dict.cc</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-186-1'>&#8617;</a></span></li><li id='fn-186-2'><a href="http://www.nornirsaett.de/mussen-wir-dran-glauben/">Müssen wir dran glauben?</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-186-2'>&#8617;</a></span></li><li id='fn-186-3'><strong>Sweasey, Peter:</strong> <em>From Queer to Eternity:</em> Spirituality in the Lives of Lesbian, Gay and Bisexual People. London and Washington : Cassell 1997, S. 23 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-186-3'>&#8617;</a></span></li></ol></div>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=186&amp;md5=ccc531a4a270f5413ca681ff6fcab1fc" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Heidnische Praxis II: Die Crux mit den Begrifflichkeiten</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Sep 2010 01:11:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich habe ja ein Weilchen überlegt: Soll ich diese Serie umbenennen, angesichts der ganzen auch eher theoretischen Dinge, die mir dazu einfallen? Soll ich mich auf das Praktische konzentrieren? Dann entschied ich: Ich mache unter dem gewählten Titel weiter und fasse das Thema einfach relativ offen. Zum einen, weil Praxis für mich mehr ist ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe ja ein Weilchen überlegt: Soll ich diese Serie umbenennen, angesichts der ganzen auch eher theoretischen Dinge, die mir dazu einfallen? Soll ich mich auf das Praktische konzentrieren? Dann entschied ich: Ich mache unter dem gewählten Titel weiter und fasse das Thema einfach relativ offen. Zum einen, weil Praxis für mich mehr ist als Ritualrezepte und Übungsanleitungen. Zum anderen, weil eben der Titel schon da ist und zum dritten, weil theoretische Erörterungen doch gelegentlich praktische Auswirkungen haben.
Darum fasse ich den Titel dieses Teils in eine ganz praktische Frage: <strong>In welchen Begriffen kann ich über das, was ich mache, reden</strong>?</p>

<p>Ein Beispiel: Wenn ich mit jemandem, der nicht in der heidnischen Landschaft bewandert ist, über Religion spreche, bezeichne ich mich als &#8220;Heidin&#8221;. Das führt manchmal zu Mißverständnissen, aber &#8220;Asatrú&#8221; versteht eben kaum jemand. Um ganz exakt zu sein, müßte ich sagen: &#8220;Ich bin eine Polytheistin, die sich vorrangig auf die nordische Mythologie, aber auch auf neo-schamanistische und animistische Konzepte stützt.&#8221; Eine ziemlich umständliche Erklärung, mal davon abgesehen &#8220;Neoschamanismus&#8221; und &#8220;Animismus&#8221; für viele eben zwar nach irgendwas Primitivem und Exotischem klingen, aber eben kaum jemand damit tatsächlich Inhalte verbinden kann.</p>

<p>Nehmen wir zum Beispiel <strong>&#8220;Heide/Heidin&#8221;</strong> und <strong>&#8220;Heidentum&#8221;</strong>. <span id="more-178"></span>Ursprünglich war das eine abwertende Bezeichnung für einen Menschen, der nicht Christ und auch nicht Jude ist, im Mittelalter wurden auch Muslime als &#8220;Heiden&#8221; bezeichnet; als &#8220;Heiden&#8221; bezeichnen sich manchmal auch Leute, die sich schlicht von etablierten Religionen distanzieren. Manche, die im Spektrum des Neuen Heidentums unterwegs sind, lehnen den Begriff des Heidentums eben wegen seiner pejorativen Bedeutung ab. Für mich hingegen ist er ein &#8220;Geusenwort&#8221; geworden, so ähnlich wie der Begriff &#8220;schwul&#8221; &#8211; eine ehemalige Beschimpfung hat sich zur stolzen und provokativen Selbstbezeichnung gewandelt. In diesem Sinne finde ich &#8220;heidnisch&#8221; sogar kraftvoller als &#8220;naturreligiös&#8221;.</p>

<p>Nehmen wir den Komplex <strong>Spiritualität/Religion</strong>:
Wie problematisch es ist, Asatrú als Religion zu verstehen, hat Martin in seinem Artikel &#8220;<a href="http://martinm.twoday.net/stories/4166612/">Die alten Germanen hatten keine Religion</a>&#8221; bereits beschrieben.
Religion, das konnotiert für mich auch: ein kodifizierter Satz von Glaubensinhalten, Verhaltensregeln und Institutionen. Und genau das gibt es für mich im Asatrú nicht.</p>

<p>Spiritualität wird im &#8220;Lexikon neureligiöser Gruppen, Szenen und Weltanschauungen&#8221; wie folgt beschrieben: Im christlichen Verständnis sei S. eigentlich eine lebenspraktische Haltung, etwa &#8220;eine akthafte und zuständliche (habituelle) Durchstimmtheit seines Lebens von seinen objektiven Letzteinsichten und Letztentscheidungen her&#8221;.<sup class='footnote'><a href='#fn-178-1' id='fnref-178-1'>1</a></sup> Im Sinne der &#8220;neuen Religiosität&#8221; sei S. ein inflationär verwendeter, unscharfer Begriff, der die &#8220;Suche nach Sinn und Ziel eines Daseins, das sich nicht in somatischen und physischen Abläufen erschöpft&#8221; sowie Selbstverwirklichung (und Sinnschöpfung?, d.Verf.) über das Materielle hinaus bedeute.<sup class='footnote'><a href='#fn-178-2' id='fnref-178-2'>2</a></sup>
Elisabeth Gräb-Schmidt beschreibt in der renommierten RGG Spiritualität folgendermaßen:</p>

<blockquote>Spiritualität insistiere &#8220;auf der lebensspendenden Kraft der Innerlichkeit, die sich in der Fähigkeit zeigt, nach Ursprung, Identität, Ziel und Bestimmung des Lebens zu fragen.&#8221; Spiritualität als &#8220;Ort in der Mitte des Lebens&#8221;, als &#8220;hermeneutisches Organisationszentrum des gesamten menschlichen Lebensdeutungsprozesses&#8221; und &#8220;innere Kraft zur Ganzerfassung des Lebens&#8221;. <sup class='footnote'><a href='#fn-178-3' id='fnref-178-3'>3</a></sup></blockquote>

<p>Bei <a href="http://martinm.twoday.net/">Martin</a> fand ich eine für mich recht brauchbare Definition von Spiritualität:</p>

<blockquote>Spiritualität sei die Fähigkeit zu Transzendenzerfahrungen, biologisch unterschiedlich stark veranlagt und kulturell ausprägbar. Unter Transzendenzerfahrung sind hierbei Erweiterungserfahrungen zu verstehen: Die Betreffenden erfahren sich als Teil eines &#8220;größeren Ganzen&#8221;, in dem &#8220;keine Grenzen mehr sind&#8221;, ja, &#8220;alles als Eines&#8221; erkannt werde. Etwas weniger anspruchsvoll: Spiritualität beschreibt das Verhalten zu &#8220;außeralltäglichen&#8221; Erfahrungen, wie Entgrenzungs- und Alleinheitserfahrungen, Visionen etc&#8230; <sup class='footnote'><a href='#fn-178-4' id='fnref-178-4'>4</a></sup></blockquote>

<p>Ich persönlich kann mit diesem Begriff von Spiritualität durchaus etwas anfangen. Und doch ist er mir <strong>in seiner allgemein üblichen Verwendung</strong> eigentlich zu luftig und allgemein, benennt das, was durchaus formalisiert ist, was sozial ist an meinem Bund mit Gött_innen und Geistern, nicht; &#8220;Spiritualität&#8221; klingt in meinen Ohren nach etwas sehr individuellem, eher nicht nach etwas Sozialem und Verbindlichem. Mein Asatrú ist nämlich durchaus ein Gruppending, eine Sache, die ich nicht so gut ganz alleine praktizieren kann.
Nach der Definition von Vaas/Blume wäre ich zugleich in einem gewissen Maße religiös, da ja &#8220;übernatürliche&#8221; Akteure in Gestalt von Geistern und Göttern eine recht zentrale Rolle für mich spielen. Aber religiös im Sinne von &#8220;ich benutze ein als gottgegeben angesehenes Regelwerk als Orientierungshilfe für mein Leben&#8221; bin ich nicht.</p>

<p>Oder nehmen wir &#8220;glauben&#8221;. Ich vermeide dieses Wort. Das mit meinen Hohen fing bei mir an zu funktionieren, als ich es als &#8220;Arbeitshypothese&#8221; anfing zu begreifen, die sich flugs als tragfähig erwies &#8211; eine Arbeitshypothese, ein &#8220;ich setze jetzt mal voraus, daß das so und so ist, und schaue mal, was ich daran nach ein paar Experimenten modifizieren muß oder ob ich es ganz über den Haufen schmeißen muß&#8221;, ist kaum etwas, das mit Glauben im landläufigen Sinn zusammenpaßt. 
Ganz davon abgesehen: &#8220;Glauben&#8221; klingt in meinen Ohren nach Überzeugung im Kopf, nach etwas, das ich als Faktum für wahr halten will. Reichlich intellektuell. Spiritualität ist jedoch für mich bei allem, was mein Kopf dabei auch zu tun hat, Herzens- und Bauchsache. Drama, Sinnlichkeit, Emotion: das darf nicht nur dabei sein, das sollte dabei sein. So viel ich außenrum denke und reflektiere und gestalte, im Ritual selbst dürfen andere Kapazitäten als meine <em>ratio</em> dominant sein.</p>

<p>Noch mehr Begriffe: die bereits angesprochene &#8220;Naturreligion&#8221; und &#8220;Naturspiritualität&#8221;. Der Begriff &#8220;Natur&#8221; wäre Stoff für ein erkenntniskritisches Essay; nur soviel: ich empfinde Asatrú nur beschränkt als &#8220;Naturreligion&#8221;. Zur &#8220;Natur&#8221; &#8211; verstanden als nicht-menschliche oder mehr-als-menschliche Umwelt &#8211; habe ich durchaus ein positives Verhältnis. Es rückt mich wieder gerade und füllt mein inneres Bildarchiv auf, wenn ich in Bergen und Wäldern unterwegs sein kann, ich mache gerne morgens auf dem Weg zur Arbeit einen winzigen Umweg, um ein, zwei Minuten unter meiner Lieblingseibe stehen zu bleiben. Doch ich sehe mein Asatrú nicht als &#8220;Naturreligion&#8221; im Sinne einer ursprünglichen, schon immer dem Menschen &#8220;von Natur aus&#8221; gegebenen Religiosität: ich beziehe mich da ja auf Mythologie, Überlieferung, ich stütze mich auch auf Wissenschaft (z.B., wenn es um die Runen geht). Und ich versuche, Kultur und Natur nicht als antagonistische Begriffe zu verstehen. Ich setze mich mit dem historischen Gewordensein auseinander. Selbst schamanistische Praktiken haben für mich, auch wenn Michael Harner ihnen nicht so unplausibel Universalität unterstellt, zumindest ein kulturelles Moment. Was mir auf meinen Reisen begegnet, kann ich durch Bedeutungsstrukturen, die immer schon kulturell sind, erst wahrnehmen &#8211; vom Deuten und Verstehen ganz zu schweigen.
Was in diesem Punkt möglicherweise die sog. &#8220;Naturreligionen&#8221; von den etablierten Religionen &#8211; zumindest den abrahamitischen &#8211; unterscheidet, ist ihr Naturbild: Natur erscheint modernen Heiden eben nicht mehr als etwas, das unterworfen werden muß, der Mensch ist nicht mehr die Krone der Schöpfung, sondern ist gleichberechtigt mit Bäumen, Tieren, Felsen, Seen und Wesen wie Elfen, Zwergen, Riesen und Landgeistern.</p>

<p>Ich habe vorerst keine Lösung für meine Begriffs-Schwierigkeiten: Was die meisten Leute verstehen, trifft meine Praxis nicht, und was sie genau beschreiben würde, ist unverständlich. Das ist nicht nur ein semiotisches Phänomen, sind doch die Konzepte selbst, um die es geht, vielen noch fremder als die Begrifflichkeiten. Darum werde ich weiter, in Ermangelung besserer Begriffe, von &#8220;heidnischer Spiritualität&#8221; sprechen &#8211; und mir hier und da, wenn ich denn jemanden vor mir habe, der die Erörterung auch hören will, die Zeit nehmen, eine Erläuterung abzugeben.</p>

<div class='footnotes'><div class='footnotedivider'></div><ol><li id='fn-178-1'>Josef Weismayer, in: Josef Weismayer, Ferdinand Rauch, Artikel &#8220;Spiritualität&#8221;, in: Lexikon neureligiöser Gruppen, Szenen und Weltanschauungen : Orientierungen im religiösen Pluralismus / hrsg. von Harald Baer &#8230; &#8211; Freiburg im Breisgau (u.a.) : Herder, 2005, Sp. 1231-33 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-178-1'>&#8617;</a></span></li><li id='fn-178-2'>Ferdinand Rauch, in: Josef Weismayer, Ferdinand Rauch, Artikel &#8220;Spiritualität&#8221;, in: Lexikon neureligiöser Gruppen, Szenen und Weltanschauungen : Orientierungen im religiösen Pluralismus / hrsg. von Harald Baer &#8230; &#8211; Freiburg im Breisgau (u.a.): Herder, 2005, Sp. 1231-33 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-178-2'>&#8617;</a></span></li><li id='fn-178-3'>Elisabeth Gräb-Schmidt, Artikel &#8220;Spiritualität&#8221;, in: Religion in Geschichte und Gegenwart : Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft. &#8211; 7. R-S / hrsg. von Hans Dieter Betz &#8230;. &#8211; 4., völlig neu bearb. Aufl., Tübingen 2004, Sp. 1593-4 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-178-3'>&#8617;</a></span></li><li id='fn-178-4'>Rüdiger Vaas, Michael Blume: Gott, Gene und Gehirn. Warum Glaube nützt. Die Evolution der Religiosität, Hirzel 2008, zitiert nach: MMs Senf, <a href="http://martinm.twoday.net/stories/6497382">Spiritualität (und Religiosität)</a>, Artikel vom 5.9.2010 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-178-4'>&#8617;</a></span></li></ol></div>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=178&amp;md5=4615c87cac989076f9e103e8c1ef847d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Nachtrag zum letzten Artikel</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 14:48:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zu meinem letzten Artikel fiel mir noch etwas ein. Nämlich: Was könnte denn von der Seite der "Spirileutchen" getan werden?
Was in Distels zitiertem Artikel schon anklingt, erscheint mir auch wünschenswert: überhaupt erst mal den Anschluß an aktuelle Debatten suchen. Das setzt natürlich voraus, daß $mensch anerkennt, daß Spiritualität nicht im luftleeren Raum und abgeschnitten ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu <a href="2010/08/homosexualitaet-vs-religion-vs-spiritualitaet-ein-rant/">meinem letzten Artikel</a> fiel mir noch etwas ein. Nämlich: <strong>Was könnte denn von der Seite der &#8220;Spirileutchen&#8221; getan werden?</strong>
Was in Distels zitiertem Artikel schon anklingt, erscheint mir auch wünschenswert: überhaupt erst mal den Anschluß an aktuelle Debatten suchen. Das setzt natürlich voraus, daß $mensch anerkennt, daß Spiritualität nicht im luftleeren Raum und abgeschnitten von gesellschaftlichen Diskursen stattfindet. Die unhinterfragte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heteronormativit%C3%A4t">Heteronormativität</a>, die sich auch in vielen heidnischen Weltbildern breitmacht, ist ein für mich sehr präsentes Beispiel.</p>

<p>Ich denke auch, das larmoyante Sich-als-Opfer-Hinstellen, sobald man mit jemandem in einen Topf geworfen wird, der einem nicht paßt, hilft nichts. Wer sich antiintellektuell verhält, muß sich nicht wundern, wenn er mit den üblichen Eso-Verdächtigen in einem Topf landet und als Spinner abgestempelt wird. Wer mit belastetem Material herummacht ohne entsprechende Schutzvorkehrungen, muß sich nicht wundern, wenn ihm die Chose um die Ohren fliegt.
Was ich als mögliche Lösung ansehe, ist das geistige Äquivalent von Mehrsprachigkeit. Wenn ich meine anderen geistigen und seelischen Vermögen kultiviere, heißt das nicht, daß ich meinen Intellekt vernachlässige.
Soviel als Nachgedanken&#8230;</p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		<title>Homosexualität vs. Religion vs. Spiritualität. Ein Rant</title>
		<link>http://riesenheim.net/2010/08/homosexualitaet-vs-religion-vs-spiritualitaet-ein-rant/</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Aug 2010 14:10:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[gemecker]]></category>
		<category><![CDATA[rant]]></category>
		<category><![CDATA[religion]]></category>
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		<description><![CDATA["Wehe denen, die Frauen weihen wollen", titelte vor einiger Zeit die maedchenmannschaft. Für die, die nicht selbst dem Link folgen wollen: In dem Artikel ging es darum, daß der Vatikan nun den Versuch, Frauen zu katholischen Priesterinnen zu ordinieren, auf dieselbe Stufe wie sexualisierte Kindesmißhandlung stellt [1. von "Mißbrauch" zu reden, klingt für mich, ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;<a href="http://maedchenmannschaft.net/wehe-denen-die-frauen-weihen-wollen/">Wehe denen, die Frauen weihen wollen</a>&#8220;, titelte vor einiger Zeit die <a href="http://maedchenmannschaft.net">maedchenmannschaft</a>. Für die, die nicht selbst dem Link folgen wollen: In dem Artikel ging es darum, daß der Vatikan nun den Versuch, Frauen zu katholischen Priesterinnen zu ordinieren, auf dieselbe Stufe wie sexualisierte Kindesmißhandlung stellt <sup class='footnote'><a href='#fn-161-1' id='fnref-161-1'>1</a></sup>, sowie um den Protest katholischer Frauen in England, die gerne auch Priesterinnen hätten.</p>

<p>Was hat das mit mir und mit dieser Seite zu schaffen? Primär nichts, aber es macht mich einmal mehr auf einige populäre Verwechslungen aufmerksam, die sehr viel mit meinem Thema zu tun haben.
Denn: wenn mal wieder Nachrichten durchs Netz schwirren, die entweder mit Frauen und Religion oder mit Homosexualität und Religion zu tun haben, dann steht die Religion meistens als Gegner da, dann sind es die Horte extrem konservativer Vorstellungen, die Religion gepachtet zu haben scheinen. Entsprechend dachte ich mir bei dieser Nachricht auch: &#8220;Schon wieder nur miese Nachrichten über Religion!&#8221;<span id="more-161"></span>In guter marxistischer Tradition, scheint mir, wird in den meisten linken, damit auch feministischen und queeren Zusammenhängen Religion, Spiritualität und überhaupt alles, was &#8220;transzendent&#8221; riecht, als antiemanzipatorisch, als Mittel zur Ruhigstellung von Menschen, die ansonsten vielleicht gegen das unerträgliche Diesseits aufbegehren würden, als Hort konservativer Vorstellungen abgelehnt. Und auch Schwule und Lesben scheinen ja zum großen Teil Religion als etwas, was ihnen nur &#8220;Schuld und Ausgrenzung beschert&#8221;<sup class='footnote'><a href='#fn-161-2' id='fnref-161-2'>2</a></sup>, für sich abzulehnen. Dabei wird jedoch gleichgesetzt: Spiritualität = Religion = Kirche. Drei total verschiedene Paar Schuhe!</p>

<p>Ein Teil der Misere ist von spiritueller Seite, was die Hexenszene angeht, wahrscheinlich auch hausgemacht. Ich teile in dieser Hinsicht Distels folgenden Eindruck:</p>

<blockquote>Mein Eindruck ist es, dass die moderne Hexenszene und die naturspirituelle Szene und die Frauenspiri-Szene insofern rückständig sind (und vielleicht auch schon vor Jahren den Anschluss an aktuelle feministische Diskussionen verloren haben), dass kaum irgendwo erkennbar ist, dass sich eine Gruppe mit dieser Frage [die Rede ist von uneindeutigen Geschlechtsidentitäten, Transidentität und <em>queer</em>] auseinandergesetzt hat. Es ist auch kaum zu verzeichnen, jedenfalls dort wo ich so mich umtue, dass in der Spiri-Frauen-Szene eine ähnliche Bereicherung durch vielfältigste Entwürfe und Politiken von Queer-Seite stattfand wie in der feministischen Ecke.

Vielleicht haben die dekonstruktiven Feministinnen, Queers und TransFrauen die spirituelle Frauenbewegung auch vor vielen Jahren schon als hoffnungslos antiquiert abgeschrieben und sind abgezogen zu neuen Orten, bzw. dort geblieben wo Allianzen möglich waren – und wir schmoren so unbemerkt im eigenen Saft, lesen die ollen Schinken von Heide Göttner-Abendroth und hängen uns wie in den 70er Jahren Göttinnenanhänger an den Hals und fühlen uns avantgardistisch. Während fortschrittlichere Kräfte ganz woanders sind.<sup class='footnote'><a href='#fn-161-3' id='fnref-161-3'>3</a></sup></blockquote>

<p>Was ich mir eigentlich wünsche, wäre:</p>

<ul>
<li>daß auch emanzipative Medien über positive Beispiele aus diesem Bereich mal berichten</li>
<li>daß autonom gelebte, selbst gestaltete Spiritualität überhaupt als Option wahrgenommen wird</li>
<li>daß Religion und Spiritualität nicht den Fundis und Vatikanen dieser Welt überlassen werden, aber auch nicht den kommerziellen Esoanbietern.</li>
</ul>

<p>Nur: Was tun? Außer beharrlich den Spagat zu wagen zwischen autonomer Spiritualität, dem Beharren auf einer Weltsicht, die mehr als das Klotzmaterialistische zuläßt, und dem kritischen Hinterfragen und einem freundschaftlichen Verhältnis zur Wissenschaft fällt mir wenig ein.</p>

<p>So, genug gemeckert.</p>

<div class='footnotes'><div class='footnotedivider'></div><ol><li id='fn-161-1'>von &#8220;Mißbrauch&#8221; zu reden, klingt für mich, als gäbe es einen korrekten <em>Ge</em>brauch von Kindern <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-161-1'>&#8617;</a></span></li><li id='fn-161-2'>“Ich glaube schon”, Siegessäule 12/2006, S. 13-21 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-161-2'>&#8617;</a></span></li><li id='fn-161-3'><a href="http://www.wurzelwerk.at/thema/weibercraft37.php">Doppelherz – oder: Zweier Herrinnen Dienerin</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-161-3'>&#8617;</a></span></li></ol></div>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Heidnische Praxis I: Priesterschaft? Ein paar Gedanken.</title>
		<link>http://riesenheim.net/2010/07/heidnische-praxis-i-priesterschaft-ein-paar-gedanken/</link>
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		<pubDate>Sat, 17 Jul 2010 16:15:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[heidentum]]></category>
		<category><![CDATA[hierarchie]]></category>
		<category><![CDATA[organisation]]></category>
		<category><![CDATA[praxis]]></category>
		<category><![CDATA[priester]]></category>

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		<description><![CDATA[Angeregt einerseits durch Wurzelfraus Artikel über spirituelle Basisdemokratie, andererseits durch eine Unterhaltung mit einer katholischen Bekannten, die über Widersprüche in puncto Priesteramt für Frauen stolperte, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie das denn so mit der Priesterschaft im Heidentum aussieht.

Denn irgendwie scheint dieser Titel oder seine Äquivalente - "Gode", "Druide" etc. - ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Angeregt einerseits durch Wurzelfraus Artikel über <a href="http://www.wurzelfrau.de/spirituelle-basisdemokratie/">spirituelle Basisdemokratie</a>, andererseits durch eine Unterhaltung mit einer katholischen Bekannten, die über Widersprüche in puncto Priesteramt für Frauen stolperte, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie das denn so mit der Priesterschaft im Heidentum aussieht.</p>

<p>Denn irgendwie scheint dieser Titel oder seine Äquivalente &#8211; &#8220;Gode&#8221;, &#8220;Druide&#8221; etc. &#8211; auf Heiden immer noch eine gewisse Anziehungskraft auszuüben. 
Nun kam ich aus einer Ecke, die Hierarchien jeder Art ablehnt (meine erste Begegnung mit dem Thema Hexen waren die Bücher von Luisa Francia). In keiner Gruppe, in der ich je unterwegs war, gab es &#8220;Leiter&#8221; oder &#8220;Hohepriester&#8221;.  Ich meinte sogar manchmal das Gegenteil wahrzunehmen: Bloß keine Hierarchie, keine Struktur, und damit ging manchmal eine Tendenz zur Desorganisation einher, die dann an den Nerven zehrt, wenn eine tatsächlich etwas auf die Beine stellen, etwas tun möchte. (Spielregeln und Strukturen haben ihren Sinn. Wenn man nicht von selbst in eingefahrene Gleise, die allzu oft Machtstrukturen der etablierten Gesellschaft wiederspiegeln, verfallen will, dann muß man diese Regeln und Strukturen bewußt erarbeiten und regelmäßig bis laufend revidieren. Das nur als Seitengedanke.)
Demgegenüber gibt es außerhalb der feministischen Hexenkreise auch sehr formalisierte Hierarchien, etwa im Wicca, wo Initiationen und Grade vergeben werden und die Befugnisse (z.B. Rituale leiten, Leute ausbilden, eigene Coven gründen) regulieren.</p>

<p><strong>Priesterschaft in der griechischen Antike</strong>
Demgegenüber war die Funktion der Priesterin, des Priesters oder was damit auch gleichgesetzt wird, in der vorchristlichen Welt wahrscheinlich oft unspektakulärer. <span id="more-145"></span>Zum Beispiel im antiken Griechenland:</p>

<blockquote>In der griechischen Antike war das Priesteramt genau das: ein Amt. Keine Berufung, keine Ausbildung, keine Weihe. Man kam zu diesem Amt auf verschiedene Weise, je nachdem, um welche religiöse Einrichtung es sich handelte. Aber im Prinzip konnte jeder jede religiöse Handlung durchführen &#8211; auch Frauen und Sklaven. Das war durchaus nicht üblich, in anderen Ländern wie zB Persien konnten nur die &#8220;magi&#8221; religiöse Handlungen durchführen.

Das griechische Priesteramt entstand ganz simpel aus der Rolle des Familienoberhauptes im Rahmen der privaten, familiären Verehrung der Götter. Und da die Gemeinde die nächste größere soziale Einheit ist, war der Gemeindevorsteher dann auch in religiösen Belangen für seine Leute zuständig, wurde also zum &#8220;Priester&#8221;. Dies wurde dann in den großen Städten mit demokratischer Regierungsform etwas schwierig, somit wurde immer einer der Magistraten zum Vorsteher für eine bestimmte Festlichkeit ernannt. Praktischer Weise musste er für diese Ehre die Feier aus eigener Tasche bezahlen. In Athen gab es nach der Erfindung der Demokratie trotzdem einen &#8220;König&#8221; (basileus), der für die &#8220;traditionellen Opfer&#8221; zuständig war (also sozusagen einen Sakralkönig). Natürlich gab es im Bereich der Tempel und sonstigen Kultstätten fixes Personal, also &#8220;Priester&#8221; (hiereis, hiereiai), die für die Einhaltung der richtigen Vorgehensweise beim Opfern zuständig waren oder auch bei Orakelstätten für die richtige Deutung des Orakels. Oft wurde das Priesteramt im Tempel innerhalb der Familie weiter vererbt. <sup class='footnote'><a href='#fn-145-1' id='fnref-145-1'>1</a></sup></blockquote>

<p><strong>Spirituelle &#8220;Experten&#8221;</strong>
Im wesentlichen stimmt die Behauptung: ich bin meine eigene Priesterin. Oder eher, ich brauche keinen Titel und keine Legitimation für das, was ich spirituell so mache, für das Weltenwandern und die Kommunikation mit denen in den anderen Welten. 
Es gibt jedoch Situationen, wo ich Leute frage, bei denen ich darauf vertraue, daß sie mir mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten helfen können, und sei es nur, daß sie nicht selbst in dem Schlamassel stecken, aus dem ich mich nicht an meinen eigenen Haaren ziehen kann.
Wenn ich vor einem Problem stehe, wo ich &#8220;blinde Flecken&#8221; habe, ist es durchaus sinnvoll, daß ich mir z.B. die Karten von jemand anderem legen lasse. Wenn ich etwa eine Visionssuche nach indianischem Vorbild machen möchte, dann wende ich mich an jemanden, der darin möglichst Erfahrung hat und auf eine Ausbildung zurückgreifen kann. Oder wenn es um eine Zeremonie für mich ginge, in der etwas mich betreffendes gefeiert wird (ein wohl vielen einsichtiges Beispiel: wenn ich etwa eine Hochzeitszeremonie wollte): das will ich einfach nicht als One-Woman-Show machen. Ich wähle da, wenn möglich, jemanden, den etwa Freunde empfehlen oder den ich persönlich kenne.</p>

<p><strong>Würde ich gyðia sein wollen?</strong>
Die Rolle einer spirituellen Expertin zu übernehmen, würde für mich vor allem eine Verpflichtung bedeuten. Es würde bedeuten, daß ich, wenn jemand aus meiner Heilsgemeinschaft Bedarf hat, bereit bin, mein Wissen und meine Übung für ihn/sie einzusetzen &#8211; und das kann dann darin bestehen, daß ich für diese Person die Runen werfe, einen Gegenstand gestalte, einen Zauber wirke. Es kann heißen, daß ich für diese Person ein Lied, ein Gedicht, einen Text verfasse. Es kann bedeuten, daß ich Faktenwissen vermittle. Es kann auch heißen, daß ich ein Ritual entwerfe, gestalte, durchführe, das nur zwei Personen beinhalten kann oder auch zwanzig, dreißig, fünfzig. Es wäre für mich ein Dienst an der Person, die mich darum bittet, und an der Gemeinschaft, aber keine Position irgendwelcher Autorität oder Macht.</p>

<p>Oder, wie es <a href="http://eibensang.de">Duke</a> in bezug auf die Nornirs Aett formuliert:</p>

<blockquote>Wir “Ættlinge” haben keine “Priester” – wir haben einstimmig gewählt sein müssende Vertrauensleute, die kein Jota mehr Recht oder Befugnisse haben als andere Nasenträger, sondern nur zusätzliche Pflichten der Gruppe gegenüber… jeder und jedem Einzelnen von uns. Wir, die Gruppe, gewähren unseren entsprechend Ambitionierten ggf. die gnadenvolle Anerkennung, für die andern einige Dreckarbeit machen zu müssen und nonstop Wache stehen zu dürfen für das Wohl unserer kleinen “Allgemeinheit”. Und wehe, diese so Beauftragten zicken. DAS sind unsere Goden, Weiber wie Kerls… Und benötigten wir die Kleiderordnung des Bürgerstaates in unserem darin befindlichen Privathaufen, dann trügen unsere Goden eher die leuchtorangenen Westen städtischer Reinigungsbeauftragter als den hehren Schwarzkittel irgendwelcher Kirchenpfaffen. Spirituelle Deutungsbefugnis haben unsere Goden schon gar nicht! <sup class='footnote'><a href='#fn-145-2' id='fnref-145-2'>2</a></sup></blockquote>

<p>Ich persönlich fühle mich im Moment zu dieser Rolle nicht berufen und fühle mich auch nicht in der Lage, diese Rolle angemessen auszufüllen. Es reicht mir, erst einmal mein eigenes Leben in dieser Hinsicht wie in anderer in den Griff zu bekommen.</p>

<p><strong>Die eigene Erfahrung ist unersetzlich</strong>
Der lebendige Kontakt mit den Göttern, das ist eine Sache, die nur ich allein erleben kann, eine Erfahrung, die niemand für mich machen kann. Und sogar die begrifflichen Grundlagen, die ich meinen Gebeten, Ritualen, meinen schamanischen Reisen zugrundelege, sind solider, wo ich etwas durchdacht, gedreht, gewendet, von allen Seiten betrachtet, will sagen: mit meinem eigenen Kopf dran gearbeitet habe. Ohnehin gibt&#8217;s mein Heidentum ja nicht als fertiges Produkt, es ähnelt eher einem Mosaik in fortwährender Arbeit und in ständiger Bewegung. Warum sollte ich also den Anspruch erheben, jemandem diese Erfahrungen und diese Arbeit abzunehmen?</p>

<div class='footnotes'><div class='footnotedivider'></div><ol><li id='fn-145-1'>Hellenismos:now!, <a href="http://hellenismos.spireku.at/wiki/doku.php/artikel:priestertum">Artikel &#8220;Priestertum&#8221;</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-145-1'>&#8617;</a></span></li><li id='fn-145-2'>aus dem Aufsatz <a href="http://www.nornirsaett.de/mussen-wir-dran-glauben-teil-ii/">&#8220;Müssen wir dran glauben?&#8221;, Teil II</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-145-2'>&#8617;</a></span></li></ol></div>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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