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	<title>riesenheim&#187; essay</title>
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		<title>Heidentum: Eine ganz persönliche Darstellung</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Oct 2008 20:23:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Diesen Text habe ich vor etwa zwei Jahren geschrieben &#8211; er bedarf sicher inzwischen einiger Überarbeitungen, Aktualisierungen und Richtigstellungen. Aber ich stelle ihn mal, aus sozusagen dokumentarischen Gründen, hier herein. &#8220;Satan! Satan!&#8221; haben mir schon oft Leute nachgerufen, wenn sie mich mit einem Pentagramm um den Hals gesehen haben. Die (sehr christlich geprägte) Freundin eines [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Diesen Text habe ich vor etwa zwei Jahren geschrieben &#8211; er bedarf sicher inzwischen einiger Überarbeitungen, Aktualisierungen und Richtigstellungen. Aber ich stelle ihn mal, aus sozusagen dokumentarischen Gründen, hier herein.</em></p>

<p>&#8220;Satan! Satan!&#8221; haben mir schon oft Leute nachgerufen, wenn sie mich mit einem Pentagramm um den Hals gesehen haben. Die (sehr christlich geprägte) Freundin eines Freundes machte sich Sorgen, daß ich Geister beschwören könnte, als sie mich eines Tages Karten legen sah. Dabei tragen viele Gothics das Pentagramm gar nicht als religiöses Statement, und die Karten funktionieren ohne jeglichen transzendenten Bezug. Es scheint, als riefen Symbole mit einer auch nur entfernt magischen Aura in unserer ach so aufgeklärten Zeit immer noch &#8211; oder wieder &#8211; ein altes Unbehagen wach, und das um so mehr, als heutige Menschen den Umgang mit dem, was ihr Alltagsbewußtsein nicht erfassen kann, in keiner Form mehr gewöhnt sind.<span id="more-21"></span></p>

<p>Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, das von vielerlei religiösen Einflüssen geprägt war: Vorstellungen der amerikanischen Ureinwohner, Neue Hexen, Transzendentale Meditation, Hinduismus, Buddhismus, Neo-Sannyasins &#8211; das Christentum bekam ich lediglich über den Religionsunterricht mit, den ich als Schülerin an einem Mädchengymnasium in katholischer Trägerschaft besuchen mußte (was ich damals allerdings ganz interessant fand, denn wir hatten eine wirklich liebe Relilehrerin, die interessante Sachen mit uns durchnahm). Vor allem aber faszinierte mich schon damals die griechisch-römische Götterwelt, die ich im Lateinunterricht kennenlernte.
Langer Rede kurzer Sinn: Irgendwie stand für mich nie in Frage, daß es so etwas wie eine &#8220;transzendente Welt&#8221; gibt. Ich mag allerdings den Begriff &#8220;Transzendenz&#8221; nicht sonderlich: er konnotiert für mich etwas von &#8220;Jenseits&#8221;, und gerade das Jenseits, der Himmel, die Erlösung außerhalb der Welt ist eine Vorstellung, die sich mit einer göttlichen Natur (zumindest für mich) nicht gut verträgt. Lieber ist mir daher der Begriff der &#8220;nichtalltäglichen Wirklichkeit&#8221;, der aus dem Neo-Schamanismus kommt. Wobei, was wäre, wenn es selbstverständlicher Bestandteil unserer Realität würde, den Weltenbaum herauf und herunter zu reisen oder unseren Hausgeistern eine Ziggi und einen Kurzen zu spendieren &#8211; wie &#8220;nichtalltäglich&#8221; wäre diese Realität dann noch?</p>

<h3>Heiden &#8211; ein schillernder Begriff</h3>

<p>&#8220;Paganus&#8221;, &#8220;Heide&#8221;, war in der römischen Spätantike die Bezeichnung für einen Nichtchristen, der nicht Jude war. Der Begriff hatte anfangs nur eine Konnotation von Ländlichkeit, später wurde ihm &#8211; teilweise bis heute &#8211; eine abwertende Färbung beigelegt.
Als Heiden bezeichen sich heute auch manchmal AtheistInnen ohne Kirchenzugehörigkeit. Diese Verwendung des Begriffs bezieht sich dann nur auf den Aspekt, keiner etablierten Religionsgemeinschaft anzugehören &#8211; etwas, das sie auf alle Fälle mit vielen religiösen Heiden gemeinsam haben. Moderne Heiden sind aber nicht nur durch das zu beschreiben, woran sie nicht glauben. Obwohl das heidnische Feld ein großes, heterogenes ist, in dem sich zahllose Gruppen, Grüppchen und Einzelpersonen tummeln, läßt sich doch einiges darüber genau sagen.</p>

<h3>Naturreligion</h3>

<p>Modernes Heidentum ist eine Naturreligion: Die Natur ist das Göttliche, das Göttliche ist in der Natur zu finden. Das Göttliche ist in dieser Welt. Es gibt keinen Gegensatz zwischen Göttern und der Welt; das Heil ist nicht jenseits dieser Welt zu finden, sondern genau in ihr. Darum wird das moderne Heidentum von manchen Religionswissenschaftlern als &#8220;Diesseitsreligion&#8221; beschrieben. Ein Begriff, der für meine Ohren einen etwas pejorativen Beiklang hat: Da klingt das abwertende Diktum von der &#8220;Spaßgesellschaft&#8221; mit, da assoziiere ich Materialismus und Egotrips. Und tatsächlich: der Körper, Sinnlichkeit, Lebensfreude und Lust (ob am Sex, am Essen, an Musik oder auch mal an einem Gewitterregen) sind Heiden heilig. Den meisten (von den braunen Odinskatholiken mal zu schweigen, keine Ahnung, wie&#8217;s bei denen aussieht. Ich will&#8217;s gar nicht wissen). Das mag für strenge Christen ein Schlag ins Gesicht sein, ist doch vieles, was Heiden heilig ist, ihnen eine Sünde. Heiden sind aber mitnichten Satanisten, die das, was im Christentum aus dem Ritual und aus dem Bereich des Heiligen verdammt wurde, nur deswegen zelebrieren, weil es eben Christen als Sünde gilt. Natürlich gibt es eine Menge Heiden, die christlich erzogen worden sind und sich davon erst einmal freimachen müssen. Und Heiden verehren nicht nur die &#8220;lichten&#8221; Aspekte der vielfältigen göttlichen Wesen. Was aber gut und was böse ist &#8211; wer bestimmt das letztendlich? Und wonach? Auch destruktive Mächte haben in der heidnischen Weltsicht ihre Notwendigkeit, ihren Platz und sogar ihre guten Seiten.
Viele Heiden gehen auch davon aus, daß es Wesen gibt, die sich unserer alltägliche Wahrnehmung meistens entziehen, wie Geister oder Feen, und daß Menschen mit diesen Wesen zusammenleben, ja sogar kooperieren können &#8211; eine Auffassung, die quer zu modernem Rationalismus steht und doch irgendwie sein verdrängtes Anderes zu sein scheint.</p>

<h3>Von Göttern und Menschen</h3>

<p>Es gibt soviele Spielarten der heidnischen Religion, wie es Heiden gibt, könnte ich jetzt sagen. Heiden können pan(en)theististisch sein (es gibt eine universale göttliche Kraft, die in allem wirkt) oder polytheistisch (es gibt viele Götter) oder auch viele Schattierungen dazwischen einnehmen. Sie können Götter als Symbole begreifen oder als tatsächlich vorhandene Wesen. Zum weitgespannten heidnischen Feld gehören aber auch Leute, die sich mehr an schamanischen und animistischen Vorstellungen orientieren und für die Göttinnen und Götter weniger bedeuten. Heiden können sich auf die Mythologie einer bestimmten Kultur beschränken oder eklektisch arbeiten, das heißt, Wesenheiten aus verschiedensten Kulturen in ihre Praxis einbeziehen. Sie können vorgeben, traditionell zu arbeiten (was meines Erachtens problematisch ist, da wir nur in den Ausnahmefällen, in denen eine polytheistische oder animistische Tradition bis heute überlebt hat &#8211; was meist den einigen Zeitgenossen unangenehmen Nebeneffekt hat, daß man sie sich nicht einfach beliebig aneignen kann &#8211; wirklich Gesichertes über solche Traditionen wissen), oder sich ganz klar bewußt sein, daß ihre Religion eine Neuschöpfung ist.</p>

<p>Soviel als erste, wirre Gedanken zu dem Thema. To be continued&#8230;</p>

<h2>Links zum Thema</h2>

<p><a href="http://www.rabenclan.de/" target="_blank">Der Rabenclan</a></p>

<p><a href="http://www.nornirsaett.de/" target="_blank">Nornirs Aett</a> &#8211; &#8220;Asatrú zum Selberdenken&#8221;</p>

<p><a href="http://www.derhain.de/" target="_blank">Der Hain</a> &#8211; ein kleines, nicht allzu oft upgedatetes Projekt, das aber interessante, kritische Texte zum Thema Heidentum bietet</p>

<p><a href="http://www.eibensang.de/" target="_blank"> eibensang.de</a> &#8211; die HP von Duke Meyer, einem Menschen, der wunderbar poetische Interpretationen der germanischen Götter schreibt und herrlich bissige Texte über braune Zeitgenossen und andere Danebenheiten</p>
 <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=21&amp;md5=6eb77eca6f741f8d91d2c33218c6e965" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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