<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
		xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd"
	xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/"
>

<channel>
	<title>riesenheim&#187; gesellschaft</title>
	<atom:link href="http://riesenheim.net/tag/gesellschaft/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://riesenheim.net</link>
	<description>ein blog über queer &#38; heidentum</description>
	<lastBuildDate>Mon, 23 Apr 2012 21:03:15 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.2</generator>
	<copyright>Copyright © riesenheim 2011 </copyright>
	<managingEditor>thursa@gmx.de (thursa)</managingEditor>
	<webMaster>thursa@gmx.de (thursa)</webMaster>
	<ttl>1440</ttl>
	<image>
		<url>http://riesenheim.net/wp-content/uploads/riesencast.jpg</url>
		<title>riesenheim</title>
		<link>http://riesenheim.net</link>
		<width>144</width>
		<height>144</height>
	</image>
	<itunes:subtitle></itunes:subtitle>
	<itunes:summary>ein podcast über queer &#38; heidentum</itunes:summary>
	<itunes:keywords></itunes:keywords>
	<itunes:category text="Religion &#38; Spirituality">
		<itunes:category text="Spirituality" />
	</itunes:category>
	<itunes:category text="Society &#38; Culture" />
	<itunes:category text="Arts" />
	<itunes:author>thursa</itunes:author>
	<itunes:owner>
		<itunes:name>thursa</itunes:name>
		<itunes:email>thursa@gmx.de</itunes:email>
	</itunes:owner>
	<itunes:block>no</itunes:block>
	<itunes:explicit>no</itunes:explicit>
	<itunes:image href="http://riesenheim.net/wp-content/uploads/riesencast.jpg" />
		<item>
		<title>Christliche Privilegien</title>
		<link>http://riesenheim.net/2012/04/christliche-privilegien/</link>
		<comments>http://riesenheim.net/2012/04/christliche-privilegien/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 07 Apr 2012 00:19:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[normen]]></category>
		<category><![CDATA[privilegien]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://riesenheim.net/?p=421</guid>
		<description><![CDATA[Weil mich die Debatte um die „stillen Feiertage“ gerade ankekst1, habe ich ein kleines Projekt ausgegraben, das ich schon vor einiger Zeit begonnen habe: ein Projekt, das sich mit christlichen Privilegien auseinandersetzt. Was meine ich damit? Wenn von Religion die Rede ist, denken die meisten Leute hierzulande automatisch an das Christentum in der einen oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Weil mich die Debatte um die „stillen Feiertage“ gerade ankekst<sup class='footnote'><a href='#fn-421-1' id='fnref-421-1'>1</a></sup>, habe ich ein kleines Projekt ausgegraben, das ich schon vor einiger Zeit begonnen habe: ein Projekt, das sich mit christlichen Privilegien auseinandersetzt.</p>

<p>Was meine ich damit?<br />
Wenn von Religion die Rede ist, denken die meisten Leute hierzulande automatisch an das Christentum in der einen oder anderen Ausprägung. Mittlerweile vielleicht an den Islam; nicht-abrahamitische Religionen werden vollkommen übersehen, erst recht nicht-standardisierte, nicht-kodifizierte Formen von Spiritualität. Letztere sind bestenfalls ein Rätsel, das vom Mainstream nur insofern wahrgenommen wird, als es den Großkirchen Konkurrenz macht.</p>

<p>Christentum stellt also, zusammen mit einer unkritischen Areligiosität, den „Normalfall“ dar, der Menschen, über deren Religion $mensch nichts weiß, erst einmal unterstellt wird, ähnlich wie heutzutage die große Mehrheit der Leute annehmen, ein Mensch sei hetero, <acronym title="Gegenteil zu trans*, d.h. z.B. eine Person, deren Körper als weiblich klassifiziert wird und auch als Frau identifiziert">cis</acronym> und monogam, wenn er_sie nicht explizit etwas anderes sagt.</p>

<p>An dieser Stelle kommt ein Dokument ins Spiel, das ich vor einiger Zeit fand: die <a href="http://web.archive.org/web/20071211063858/http://pirate.shu.edu/~schlosle/cpexamples.htm">Christian Privilege Checklist</a>. <span id="more-421"></span>Den_die ursprüngliche_n Autor_in konnte ich nicht ermitteln, dennoch habe ich mich einfach mal daran gemacht, dieses Dokument zu übersetzen.</p>

<p>Diese Checkliste hat im [oben verlinkten] Original eine gewisse US-amerikanische Perspektive, und diese habe ich jetzt noch nicht „rausgerechnet“, z.B. wird in Deutschland offensives christliches Missionieren von Privatpersonen eher als peinlich empfunden.</p>

<p>In Deutschland gibt es m.W. auch massive regionale und konfessionelle Unterschiede, bereits Christ_in der jeweils nicht dominanten Konfession zu sein, kann in Bundesländern, in denen die andere Konfession dominiert, Effekte zeitigen. Die sind natürlich erheblich viel schwächer als die, denen Leute mit <em>nonstandard beliefs</em>, Muslime, Hindus, &#8230; oder teilweise auch Atheist_innen ausgesetzt sind. Und in Berlin Atheist_in oder Moslem/Muslima zu sein, ist etwas ganz anderes als in Oberbayern.</p>

<h2>Checkliste: Christliche Privilegien</h2>

<ul><li>Es ist wahrscheinlich, daß meine religiösen Feiertage mit staatlichen Feiertagen zusammenfallen und dadurch wenig bis keine Auswirkungen auf meine Berufstätigkeit und/oder meine Ausbildung haben.</li>
<li>Ich kann offen über meine religiösen Praktiken sprechen, ohne Sorge, wie das von anderen aufgenommen wird.</li>
<li>Ich kann sichergehen, Musik im Radio zu hören oder Sondersendungen im Fernsehen zu sehen, die die Feiertage meiner Religion zelebrieren.</li>
<li>Wenn über die Geschichte der (westlichen, A.d.Ü) Zivilisation gesprochen wird, kann ich sicher sein, daß mir gezeigt wird, daß Leute meiner Religion sie zu dem gemacht werden, was sie ist.</li>
<li>Ich kann mir über religiöse Privilegien Gedanken machen, ohne als „an mir selbst interessiert“ oder „selbstsüchtig“ angesehen zu werden.</li>
<li>Ich kann einen „Jesus ist der Herr“-Aufkleber oder einen Icthus (den christlichen Fisch) an meinem Auto haben, ohne daß ich mir Sorgen machen muß, daß es jemand deswegen demoliert.</li>
<li>Ich kann Feiertagsgrüße machen, ohne daß ich mir vollkommen bewußt bin, welche Auswirkungen das auf diejenigen hat, die nicht dieselben Tage feiern. Ich kann auch sicher sein, daß die Leute die Feiertage meiner Religion kennen und mich mit den angemessenen Grüßen grüßen (Frohe Weihnachten, Frohe Ostern usw.).</li>
<li>Ich kann wahrscheinlich annehmen, daß es eine Universalität religiöser Erfahrung gibt.</li>
<li>Ich kann christliche Privilegien leugnen, indem ich behaupte, alle Religionen seien im wesentlichen dasselbe.</li>
<li>Ich muß wahrscheinlich nicht die religiösen oder spirituellen Gebräuche Anderer lernen, und ich werde wahrscheinlilch nicht bestraft, wenn ich sie nicht kenne.</li>
<li>Ich bin wahrscheinlich nicht belastet dadurch, daß ich erklären muß, warum ich Dinge, die mit meinen religiösen Normen zu tun habe, auf einer täglichen Basis tue oder nicht tue.</li>
<li>Ich werde wahrscheinlich nicht nach den unangemessenen Handlungen von anderen in meiner religiösen Gruppe beurteilt.</li>
<li>Wenn ich will, kann ich gewöhnlich ausschließlich unter Menschen von meiner eigenen religiösen Gruppe sein (bei der Arbeit, in der Schule, zu Hause).</li>
<li>Ich kann davon ausgehen, daß meine Sicherheit, oder die Sicherheit meiner Familie, nicht in Gefahr gebracht wird, wenn ich meine Religion anderen bei der Arbeit oder in der Schule offenbare.</li>
<li>Es ist wahrscheinlich, daß die Massenmedien meine Religion in einem großen Umfang und positiv repräsentieren.</li>
<li>Es ist wahrscheinlich, daß ich relativ leicht Gegenstände zum Kaufen finden kann, die meine religiösen Normen und meine Feiertage repräsentieren (z.B. Essen, Dekoration, Grußkarten usw.).</li>
<li>Ich kann relativ leicht und ohne viel Furcht vor Vergeltung über meine Religion sprechen oder schreiben, und sogar andere Religionen kritisieren, und meinen Perspektiven wird zugehört bzw. sie werden veröffentlicht.</li>
<li>Ich könnte einen Artikel über christliche Privilegien schreiben, ohne meine eigene Religion auf den Prüfstand zu stellen.</li>
<li>Ich kann reisen, ohne daß andere annehmen, daß ich sie wegen meiner Religion einem Risiko aussetze; und meine Religion wird mich nicht Risiken von anderen aussetzen, wenn ich reise.</li>
<li>Ich kann finanziell erfolgreich sein, ohne daß andere annehmen, daß dieser Erfolg mit meiner Religion verbunden ist.</li>
<li>Ich kann mich selbst (und meine Kinder) vor Leuten schützen, die mich (oder sie) aufgrund meiner Religion vielleicht nicht mögen.</li>
<li>Gesetzesvollstreckungsbehörden werden wahrscheinlich annehmen, daß ich eine nicht-bedrohliche Person bin, wenn meine Religion ihnen offenbart wird. In der Tat kann eine Offenlegung ihnen sogar dazu verhelfen, mich als „im Recht“ oder „unvoreingenommen/unparteiisch“ wahrzunehmen.</li>
<li>Ich kann mit Sicherheit annehmen, daß jede Autoritätsfigur generell jemand von meiner Religion ist.</li>
<li>Ich kann über meine Religion sprechen, sogar missionieren, und als „sharing the word“ charakterisiert werden, anstatt als jemand, die_der anderen ihre_seine Ideen aufdrängt.</li>
<li>Ich kann sanft und bejahend zu Leuten sein, ohne daß ich als Ausnahme für meine Religion beschrieben werde.</li>
<li>Ich werde nie gebeten, für alle Christ_innen zu sprechen.</li>
<li>Meine Staatsbürgerschaft und mein Aufenthaltsstatus werden wahrscheinlich nicht in Frage gestellt und mein Hintergrund nicht überprüft wegen meiner Religion.</li>
<li>Mein Kultplatz wird wahrscheinlich nicht wegen Ressentiments gegen meine Religion zur Zielscheibe von Gewalt.</li>
<li>Ich kann sicher sein, daß meine Religion nicht gegen mich arbeiten wird, wenn ich medizinische oder rechtliche Hilfe suche.</li>
<li>Meine Religion wird nicht dazu führen, daß Lehrer_innen mich  wegen der angenommenen Fähigkeiten meiner religiösen Gruppe in eine bestimmte berufliche Schublade stecken.</li>
<li>Meine Kinder werden mir nicht weggenommen, wenn Regierungsbehörden meine religiöse Zugehörigkeit kennen.</li>
<li>Wenn ich meine Religion gegenüber einer für Adoptionen zuständigen Stelle offenlege, wird das wahrscheinlich nicht verhindern, daß ich Kinder adoptieren darf.</li>
<li>Wenn ich meinen Kindern eine religiöse Bildung in einer Gemeinde geben will, habe ich wahrscheinlich eine Auswahl von Optionen in der Nähe.</li>
<li>Ich kann sicher sein, daß meine Kinder Lehrmaterial bekommen, das die Existenz und Bedeutung meiner Religion bezeugt.</li>
<li>Ich kann sicher sein, daß, wenn jemand in den Medien sich auf Gott bezieht, mein (der christliche) Gott gemeint ist.</li>
<li>Ich kann leicht akademische Kurse und Institutionen finden, die sich nur auf Leute meiner Religion konzentrieren.</li>
<li>Meine religiösen Feiertage sind so vollkommen „normal“, daß sie in vielerlei Hinsicht überhaupt keine religiöse Bedeutung mehr zu haben scheinen.</li>
<li>Die gewählten und nicht gewählten Vertreter_innen meiner Regierung sind wahrscheinlich Mitglieder meiner religiösen Gruppe.</li>
<li>Wenn ich einen Eid leiste, lege ich ihn wahrscheinlich ab, indem ich meine Hand auf die Schrift meiner Religion lege.</li>
<li>Ich kann ohne Angst vor Ablehnung, Gewalt und/oder Vandalismus ein Symbol/Symbole meiner Religion offen an mir oder meinem Eigentum zeigen.</li></ul>

<p><strong>Meine Zusätze</strong></p>

<ul><li>Ich kann davon ausgehen, daß meine Kultstätten als solche bekannt sind und respektiert werden. Wenn ich dort meinen Glauben praktizieren will, kann ich das tun, ohne Sorge zu haben, mich lächerlich zu machen oder angefeindet zu werden. Jede_r wird wissen, was ich da mache.</li>
<li>Meine Religion hat die Begriffe von „Glauben“, &#8220;„Gott“, „Religion“ (u.a.) so tief geprägt und setzt sie derart absolut, daß es zu Mißverständnissen kommt, wenn diese Begriffe auf andere Religionen angewendet werden.</li>
</ul>

<p>Wenn Euch noch weitere Dinge einfallen, die auf diese Liste gehören und/oder weitere deutsche Besonderheiten fehlen, freue ich mich auf Eure Ergänzungen in den Kommentaren.</p>

<div class='footnotes'><div class='footnotedivider'></div><ol><li id='fn-421-1'>ich meine, daß in einem weltanschaulich neutralen Staat ein Feiertag einer Religionsgemeinschaft, wie groß die auch immer sein mag, kein Grund sein darf, Menschen ihr Vergnügen zu verbieten <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-421-1'>&#8617;</a></span></li></ol></div>
 <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=421&amp;md5=3334f17212c6af52db8be35ec51a89bf" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://riesenheim.net/2012/04/christliche-privilegien/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		<atom:link rel="payment" href="https://flattr.com/submit/auto?user_id=ryuu&amp;popout=1&amp;url=http%3A%2F%2Friesenheim.net%2F2012%2F04%2Fchristliche-privilegien%2F&amp;language=de_DE&amp;category=text&amp;title=Christliche+Privilegien&amp;description=Weil+mich+die+Debatte+um+die+%E2%80%9Estillen+Feiertage%E2%80%9C+gerade+ankekst1%2C+habe+ich+ein+kleines+Projekt+ausgegraben%2C+das+ich+schon+vor+einiger+Zeit+begonnen+habe%3A+ein+Projekt%2C+das+sich+mit+christlichen...&amp;tags=gesellschaft%2Cnormen%2Cprivilegien%2Cblog" type="text/html" />
	</item>
		<item>
		<title>Wider den Geist der Alternativlosigkeit</title>
		<link>http://riesenheim.net/2011/11/wider-den-geist-der-alternativlosigkeit/</link>
		<comments>http://riesenheim.net/2011/11/wider-den-geist-der-alternativlosigkeit/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 25 Nov 2011 18:07:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[leben]]></category>
		<category><![CDATA[politik]]></category>
		<category><![CDATA[utopie]]></category>
		<category><![CDATA[vision]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://riesenheim.net/?p=385</guid>
		<description><![CDATA[Ich habe da einen Traum, der nicht weggehen will und dessen Gestalt ich doch nicht so recht fassen kann. Zum Teil, weil mich mein Alltagsleben so sehr in Anspruch nimmt; zum anderen, weil er den durch und durch von der Logik von Leistung, Geld und Arbeit geprägten Konsens in Frage stellt und weil ich mich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe da einen Traum, der nicht weggehen will und dessen Gestalt ich doch nicht so recht fassen kann. Zum Teil, weil mich mein Alltagsleben so sehr in Anspruch nimmt; zum anderen, weil er den durch und durch von der Logik von Leistung, Geld und Arbeit geprägten Konsens in Frage stellt und weil ich mich zu dicht dran an dem fühle, was da nicht stimmt, als daß ich es in seiner Gesamtheit sehen kann. Ich kann immer nur einzelne Teile davon identifizieren. <span id="more-385"></span></p>

<p>Immerhin: Der <a href="http://eibensang.de">eibensang</a> bringt diese Saite immer wieder zum Schwingen. Die <a href="http://singvoegel.com">Singvøgel</a> mit so einigen ihrer Songs auch. Und dann stolperte ich diesen Frühling über <a href="http://fragileoasis.org/bloggernauts/Astro_Ron/">Ron Garans</a> Blog. Der ungebrochene Glaube, daß wir die Welt besser machen können, der immer wieder aus seinen Vlogs und seinen Posts spricht, hat mich sehr berührt.  Und dann noch die #occupy-Bewegung. Das alles hat mich erinnert, daß da noch <a href="http://www.singvoegel.com/index.php/dm-14-unter-der-asche-feuer/">Feuer unter der Asche</a> ist. Daß es Alternativen geben muß, auch wenn wir sie nicht sehen, nicht sehen wollen, wenn das &#8220;so ist es aber nun mal&#8221; so grell angestrahlt wird, daß die weniger grell beleuchteten Alternativen schwer zu sehen sind.</p>

<p>Denn sonst schwang mir in den letzten Jahren entgegen: Man kann doch am Kapitalismus nicht rütteln. Hat sich doch erwiesen, daß das nicht geht, mit dem Fall der Mauer&#8230; Als wären mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion alle Alternativen zum Kapitalismus diskreditiert.<br />
Als das erste Mal ein milliardenschwerer Konzern mit Staatsknete vor der Pleite gerettet wurde, hatte ich das erste Mal das Gefühl, daß da was massiv nicht stimmt &#8211; da wurde mit &#8220;Arbeitsplätze!!!&#8221; argumentiert, während meine Mutter und meine Großmutter ganz schön knapsen mußten, um in ihrem Kleinbetrieb eine Angestellte und eine Auszubildende zu bezahlen. Arbeit, egal welche, egal wie sinnlos und menschenunwürdig, ist ein Fetisch unserer Gesellschaft geworden (ich meine die deutsche, die ich kenne und bei der ich mir zutraue, sie zu beurteilen), ein Wert in sich selbst. Und der politisch-gesellschaftliche Diskurs scheint mir seit 9/11 hysterisch und &#8220;wer nicht für uns ist, ist gegen uns&#8221; geworden. Wer nimmt sich noch Zeit? Wer differenziert noch?</p>

<p>Kann ich nur gucken, daß ich selber irgendwie durchkomme? Bin ich nicht zu beschäftigt damit, im status quo klarzukommen, als daß ich mir Gedanken drum machen kann, wie es anders gehen sollte? Nein und Ja. Ja, weil oft tatsächlich der Alltag die Kraft auffrißt, etwas zu verändern und ich den Eindruck habe, daß das mit den Jahren schlimmer wird. Und auch, weil ich selbst dieses Gift auch gefressen habe, weil ich Teil dieser Gesellschaft bin und nicht raus aus ihr kann. Nein, weil es mir doch ab und zu mal gelingt, den Blick zu heben und mich nicht mit dem &#8220;So ist es nun mal&#8221; abzufinden. Und da ist eine Wut, ein Ungenügen an dem Leben, das ich derzeit führe: am falschen Ort, in einer Zwickmühle aus Sachzwängen und Fremdbestimmung, befeuert durch eine Geschichte mit bürokratischen Zwängen und durch massive Unzufriedenheit mit der Art, wie ich mein für deutsche Maßstäbe kärgliches Auskommen verdiene. Da ist ein Hunger. Da ist Feuer unter der Asche.</p>

<p>Und darum habe ich schon wieder was vor. Ich mach&#8217;s hier auch öffentlich, damit ich das tatsächlich durchziehe:<br />
Ich will diesen Traum hegen und pflegen. Ich will (demnächst mal) aufschreiben, wie ich persönlich mir ein gutes Leben vorstelle, egal ob das heute realistisch und realisierbar erscheint oder nicht. Und ich beschränke das nicht auf mein eigenes Leben, die gesellschaftliche Utopie braucht nur etwas länger, scheint mir schwerer in konkrete, schreibbare Worte zu sein. Doch es reicht mir nicht, mich auf mein eigenes kleines Leben zurückzuziehen. Es gibt da schließlich etwas, <a href="http://www.nornirsaett.de/was-uns-alle-verbindet/">was uns alle verbindet</a>. Und vielleicht gelingt es ja, sie ansteckend zu machen, diese Utopie, vielleicht ist sie irgendwann nicht mehr meine, sondern eine gemeinsame.</p>
 <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=385&amp;md5=232368736f0a98a96ef6bacdf12452ba" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://riesenheim.net/2011/11/wider-den-geist-der-alternativlosigkeit/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		<atom:link rel="payment" href="https://flattr.com/submit/auto?user_id=ryuu&amp;popout=1&amp;url=http%3A%2F%2Friesenheim.net%2F2011%2F11%2Fwider-den-geist-der-alternativlosigkeit%2F&amp;language=de_DE&amp;category=text&amp;title=Wider+den+Geist+der+Alternativlosigkeit&amp;description=Ich+habe+da+einen+Traum%2C+der+nicht+weggehen+will+und+dessen+Gestalt+ich+doch+nicht+so+recht+fassen+kann.+Zum+Teil%2C+weil+mich+mein+Alltagsleben+so+sehr+in+Anspruch+nimmt%3B...&amp;tags=gesellschaft%2Cleben%2Cpolitik%2Cutopie%2Cvision%2Cblog" type="text/html" />
	</item>
		<item>
		<title>Christian de la Huerta: Coming Out Spiritually: The Next Step</title>
		<link>http://riesenheim.net/2008/10/christian-de-la-huerta-coming-out-spiritually-the-next-step/</link>
		<comments>http://riesenheim.net/2008/10/christian-de-la-huerta-coming-out-spiritually-the-next-step/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 06 Oct 2008 17:27:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[buch]]></category>
		<category><![CDATA[gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[lesbisch]]></category>
		<category><![CDATA[queer]]></category>
		<category><![CDATA[religion]]></category>
		<category><![CDATA[rezension]]></category>
		<category><![CDATA[rollen]]></category>
		<category><![CDATA[schwul]]></category>
		<category><![CDATA[spiritualität]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://riesenheim.net/?p=32</guid>
		<description><![CDATA[Jeremy P. Tarcher, 1999, ISBN-10: 0874779669 Schwule, Lesben und Spiritualität? Lange war es undenkbar, das in einem Atemzug zu nennen. &#8220;Oh Gott, Religion! Teufelszeug, das uns Schwulen und Lesben immer Schuld und Ausgrenzung beschert.&#8221;, zitiert die Siegessäule noch im Dezember 2006 &#8211; allerdings nicht unwidersprochen &#8211; die gängige Meinung (&#8220;Ich glaube schon&#8221;, Siegessäule 12/2006, S. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jeremy P. Tarcher, 1999, ISBN-10: 0874779669</p>

<p>Schwule, Lesben und Spiritualität? Lange war es undenkbar, das in einem Atemzug zu nennen. &#8220;Oh Gott, Religion! Teufelszeug, das uns Schwulen und Lesben immer Schuld und Ausgrenzung beschert.&#8221;, zitiert die Siegessäule noch im Dezember 2006 &#8211; allerdings nicht unwidersprochen &#8211; die gängige Meinung (&#8220;Ich glaube schon&#8221;, Siegessäule 12/2006, S. 13-21).</p>

<p>Christian de la Huerta befaßt sich unerschrocken trotzdem mit dem Thema. Er nimmt in der queer community einen Mangel wahr: “What is lacking in the queer community [...] is a real sense of self.” Dieser Mangel liegt für ihn im Verlust der Spiritualität begründet.</p>

<p>Angesichts der Verfolgung und Diskriminierung, die Schwule und Lesben durch etablierte Religionen erfahren haben und immer noch erfahren, sei Religion ein &#8220;turnoff&#8221; für viele.<span id="more-32"></span> Jedoch werde dabei oft das Kind mit dem Taufwasser ausgeschüttet, viele brechen nicht nur ihre Bindungen an religiöse Institutionen, sondern versuchen auch, ihre Spiritualität loszuwerden.</p>

<p>Spiritualität definiert er als &#8220;persönliche Verbindung zu etwas, das größer ist als wir selbst&#8221; (S. 6), die unabhängig von institutionalisierter Religion ist.</p>

<p>Im Gegensatz zu der Verteufelung, die etablierte Religionsgemeinschaften Schwulen und Lesben entgegenbringen, demonstriert de la Huerta an einer Fülle von Beispielen, welche speziellen spirituellen Funktionen „gay people“ („gay“ hier im übergreifenden Sinn von „homosexuell“) in vielen Kulturen der Welt übernommen haben und noch übernehmen: vom revolutionären „catalytic transformer“ über „consciousness scouts“ und „shamans and priests“ bis zu „gatekeepers“, die die Tore zu anderen Welten geöffnet halten. Insgesamt zehn archetypische Rollen von Schwulen und Lesben diskutiert er im ersten Kapitel, das den Titel „Walking between Worlds“ trägt.</p>

<p>Das zweite Kapitel, “Coming In”, dreht sich dagegen erst einmal um das zutiefst Persönliche, um die Frage, wie man, ganz unabhängig von Institutionen und gesellschaftlichen Rollen, für sich selbst den richtigen spirituellen Weg findet. De la Huerta stellt hier verschiedene Wege der Meditation vor, aber auch Bewegungspraktiken wie Yoga, T’ai Chi, Qi Gong, Tanz oder Labyrinthgehen. Auch Atemarbeit, Körperarbeit und Entheogene werden gewürdigt.</p>

<p>Sexualität ist das Zentrum des dritten Kapitels (“The Faces of Passion”); hier geht es um die Frage, wie man zu einer gesünderen Sexualität finden kann. Hier macht sich die schwule Perspektive am deutlichsten bemerkbar, lesbische und bisexuelle Erfahrungen finden leider wenig Raum.</p>

<p>Das vierte Kapitel, „Coming Out“ ist thematisch recht disparat. Coming Out, sowohl das schwule/lesbische als auch Coming Out im Sinne von „sich innerhalb der schwullesbischen Community als spiritueller Mensch zeigen“, steht neben der Frage, wie man Spiritualität in sein Leben integrieren kann und neben Ansätzen für eine gelebte Spiritualität. Letztere rangieren von Dankbarkeit als Haltung über Lektüre und Wildniserfahrung bis zum Engagement als spirituellem Weg.</p>

<p>Äußerst interessant ist auch der erste Anhang: Hier hat de la Huerta detailliert aufgeschrieben, was verschiedene Religionen zum Thema Homosexualität zu sagen haben. Er berücksichtigt dabei nicht nur die großen Weltreligionen, sondern auch Taoismus, Native Americans, Voodoo und Santería, neopagane Anschauungen und Wicca; man erfährt aber auch von den Bestrebungen von Schwulen und Lesben innerhalb der großen Religionen. Ein weiterer Anhang mit Adressen von Organisationen und Anbietern, von denen allerdings die meisten in den USA ansässig sind, rundet das Buch ab.</p>

<p>Die Stärke dieses Buches ist seine allumfassende Perspektive ohne Werturteile. Eine Vielfalt an Erfahrungen wird ausgebreitet, Menschen aus sehr verschiedenen spirituellen Richtungen kommen zu Wort. Ein überaus lesenswertes Buch, besonders für Menschen, die noch auf der Suche nach einer ihnen angemessenen Art der Spiritualität sind.</p>
 <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=32&amp;md5=96c1ad01436fe2cbf8035886f500f374" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://riesenheim.net/2008/10/christian-de-la-huerta-coming-out-spiritually-the-next-step/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		<atom:link rel="payment" href="https://flattr.com/submit/auto?user_id=ryuu&amp;popout=1&amp;url=http%3A%2F%2Friesenheim.net%2F2008%2F10%2Fchristian-de-la-huerta-coming-out-spiritually-the-next-step%2F&amp;language=de_DE&amp;category=text&amp;title=Christian+de+la+Huerta%3A+Coming+Out+Spiritually%3A+The+Next+Step&amp;description=Jeremy+P.+Tarcher%2C+1999%2C+ISBN-10%3A+0874779669+Schwule%2C+Lesben+und+Spiritualit%C3%A4t%3F+Lange+war+es+undenkbar%2C+das+in+einem+Atemzug+zu+nennen.+%26%238220%3BOh+Gott%2C+Religion%21+Teufelszeug%2C+das+uns+Schwulen+und+Lesben+immer...&amp;tags=buch%2Cgesellschaft%2Clesbisch%2Cqueer%2Creligion%2Crezension%2Crollen%2Cschwul%2Cspiritualit%C3%A4t%2Cblog" type="text/html" />
	</item>
	</channel>
</rss>

