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	<title>riesenheim&#187; gesellschaft</title>
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	<description>ein blog über queer &#38; heidentum</description>
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		<title>Wider den Geist der Alternativlosigkeit</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Nov 2011 18:07:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe da einen Traum, der nicht weggehen will und dessen Gestalt ich doch nicht so recht fassen kann. Zum Teil, weil mich mein Alltagsleben so sehr in Anspruch nimmt; zum anderen, weil er den durch und durch von der Logik von Leistung, Geld und Arbeit geprägten Konsens in Frage stellt und weil ich mich zu dicht dran an dem fühle, was da nicht stimmt, als daß ich es in seiner Gesamtheit sehen kann. Ich kann immer nur einzelne Teile davon identifizieren. <span id="more-385"></span></p>

<p>Immerhin: Der <a href="http://eibensang.de">eibensang</a> bringt diese Saite immer wieder zum Schwingen. Die <a href="http://singvoegel.com">Singvøgel</a> mit so einigen ihrer Songs auch. Und dann stolperte ich diesen Frühling über <a href="http://fragileoasis.org/bloggernauts/Astro_Ron/">Ron Garans</a> Blog. Der ungebrochene Glaube, daß wir die Welt besser machen können, der immer wieder aus seinen Vlogs und seinen Posts spricht, hat mich sehr berührt.  Und dann noch die #occupy-Bewegung. Das alles hat mich erinnert, daß da noch <a href="http://www.singvoegel.com/index.php/dm-14-unter-der-asche-feuer/">Feuer unter der Asche</a> ist. Daß es Alternativen geben muß, auch wenn wir sie nicht sehen, nicht sehen wollen, wenn das &#8220;so ist es aber nun mal&#8221; so grell angestrahlt wird, daß die weniger grell beleuchteten Alternativen schwer zu sehen sind.</p>

<p>Denn sonst schwang mir in den letzten Jahren entgegen: Man kann doch am Kapitalismus nicht rütteln. Hat sich doch erwiesen, daß das nicht geht, mit dem Fall der Mauer&#8230; Als wären mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion alle Alternativen zum Kapitalismus diskreditiert.<br />
Als das erste Mal ein milliardenschwerer Konzern mit Staatsknete vor der Pleite gerettet wurde, hatte ich das erste Mal das Gefühl, daß da was massiv nicht stimmt &#8211; da wurde mit &#8220;Arbeitsplätze!!!&#8221; argumentiert, während meine Mutter und meine Großmutter ganz schön knapsen mußten, um in ihrem Kleinbetrieb eine Angestellte und eine Auszubildende zu bezahlen. Arbeit, egal welche, egal wie sinnlos und menschenunwürdig, ist ein Fetisch unserer Gesellschaft geworden (ich meine die deutsche, die ich kenne und bei der ich mir zutraue, sie zu beurteilen), ein Wert in sich selbst. Und der politisch-gesellschaftliche Diskurs scheint mir seit 9/11 hysterisch und &#8220;wer nicht für uns ist, ist gegen uns&#8221; geworden. Wer nimmt sich noch Zeit? Wer differenziert noch?</p>

<p>Kann ich nur gucken, daß ich selber irgendwie durchkomme? Bin ich nicht zu beschäftigt damit, im status quo klarzukommen, als daß ich mir Gedanken drum machen kann, wie es anders gehen sollte? Nein und Ja. Ja, weil oft tatsächlich der Alltag die Kraft auffrißt, etwas zu verändern und ich den Eindruck habe, daß das mit den Jahren schlimmer wird. Und auch, weil ich selbst dieses Gift auch gefressen habe, weil ich Teil dieser Gesellschaft bin und nicht raus aus ihr kann. Nein, weil es mir doch ab und zu mal gelingt, den Blick zu heben und mich nicht mit dem &#8220;So ist es nun mal&#8221; abzufinden. Und da ist eine Wut, ein Ungenügen an dem Leben, das ich derzeit führe: am falschen Ort, in einer Zwickmühle aus Sachzwängen und Fremdbestimmung, befeuert durch eine Geschichte mit bürokratischen Zwängen und durch massive Unzufriedenheit mit der Art, wie ich mein für deutsche Maßstäbe kärgliches Auskommen verdiene. Da ist ein Hunger. Da ist Feuer unter der Asche.</p>

<p>Und darum habe ich schon wieder was vor. Ich mach&#8217;s hier auch öffentlich, damit ich das tatsächlich durchziehe:<br />
Ich will diesen Traum hegen und pflegen. Ich will (demnächst mal) aufschreiben, wie ich persönlich mir ein gutes Leben vorstelle, egal ob das heute realistisch und realisierbar erscheint oder nicht. Und ich beschränke das nicht auf mein eigenes Leben, die gesellschaftliche Utopie braucht nur etwas länger, scheint mir schwerer in konkrete, schreibbare Worte zu sein. Doch es reicht mir nicht, mich auf mein eigenes kleines Leben zurückzuziehen. Es gibt da schließlich etwas, <a href="http://www.nornirsaett.de/was-uns-alle-verbindet/">was uns alle verbindet</a>. Und vielleicht gelingt es ja, sie ansteckend zu machen, diese Utopie, vielleicht ist sie irgendwann nicht mehr meine, sondern eine gemeinsame.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=385&amp;md5=232368736f0a98a96ef6bacdf12452ba" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Christian de la Huerta: Coming Out Spiritually: The Next Step</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Oct 2008 17:27:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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		<description><![CDATA[Jeremy P. Tarcher, 1999, ISBN-10: 0874779669

Schwule, Lesben und Spiritualität? Lange war es undenkbar, das in einem Atemzug zu nennen. "Oh Gott, Religion! Teufelszeug, das uns Schwulen und Lesben immer Schuld und Ausgrenzung beschert.", zitiert die Siegessäule noch im Dezember 2006 - allerdings nicht unwidersprochen - die gängige Meinung ("Ich glaube schon", Siegessäule 12/2006, S. ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jeremy P. Tarcher, 1999, ISBN-10: 0874779669</p>

<p>Schwule, Lesben und Spiritualität? Lange war es undenkbar, das in einem Atemzug zu nennen. &#8220;Oh Gott, Religion! Teufelszeug, das uns Schwulen und Lesben immer Schuld und Ausgrenzung beschert.&#8221;, zitiert die Siegessäule noch im Dezember 2006 &#8211; allerdings nicht unwidersprochen &#8211; die gängige Meinung (&#8220;Ich glaube schon&#8221;, Siegessäule 12/2006, S. 13-21).</p>

<p>Christian de la Huerta befaßt sich unerschrocken trotzdem mit dem Thema. Er nimmt in der queer community einen Mangel wahr: “What is lacking in the queer community [...] is a real sense of self.” Dieser Mangel liegt für ihn im Verlust der Spiritualität begründet.</p>

<p>Angesichts der Verfolgung und Diskriminierung, die Schwule und Lesben durch etablierte Religionen erfahren haben und immer noch erfahren, sei Religion ein &#8220;turnoff&#8221; für viele.<span id="more-32"></span> Jedoch werde dabei oft das Kind mit dem Taufwasser ausgeschüttet, viele brechen nicht nur ihre Bindungen an religiöse Institutionen, sondern versuchen auch, ihre Spiritualität loszuwerden.</p>

<p>Spiritualität definiert er als &#8220;persönliche Verbindung zu etwas, das größer ist als wir selbst&#8221; (S. 6), die unabhängig von institutionalisierter Religion ist.</p>

<p>Im Gegensatz zu der Verteufelung, die etablierte Religionsgemeinschaften Schwulen und Lesben entgegenbringen, demonstriert de la Huerta an einer Fülle von Beispielen, welche speziellen spirituellen Funktionen „gay people“ („gay“ hier im übergreifenden Sinn von „homosexuell“) in vielen Kulturen der Welt übernommen haben und noch übernehmen: vom revolutionären „catalytic transformer“ über „consciousness scouts“ und „shamans and priests“ bis zu „gatekeepers“, die die Tore zu anderen Welten geöffnet halten. Insgesamt zehn archetypische Rollen von Schwulen und Lesben diskutiert er im ersten Kapitel, das den Titel „Walking between Worlds“ trägt.</p>

<p>Das zweite Kapitel, “Coming In”, dreht sich dagegen erst einmal um das zutiefst Persönliche, um die Frage, wie man, ganz unabhängig von Institutionen und gesellschaftlichen Rollen, für sich selbst den richtigen spirituellen Weg findet. De la Huerta stellt hier verschiedene Wege der Meditation vor, aber auch Bewegungspraktiken wie Yoga, T’ai Chi, Qi Gong, Tanz oder Labyrinthgehen. Auch Atemarbeit, Körperarbeit und Entheogene werden gewürdigt.</p>

<p>Sexualität ist das Zentrum des dritten Kapitels (“The Faces of Passion”); hier geht es um die Frage, wie man zu einer gesünderen Sexualität finden kann. Hier macht sich die schwule Perspektive am deutlichsten bemerkbar, lesbische und bisexuelle Erfahrungen finden leider wenig Raum.</p>

<p>Das vierte Kapitel, „Coming Out“ ist thematisch recht disparat. Coming Out, sowohl das schwule/lesbische als auch Coming Out im Sinne von „sich innerhalb der schwullesbischen Community als spiritueller Mensch zeigen“, steht neben der Frage, wie man Spiritualität in sein Leben integrieren kann und neben Ansätzen für eine gelebte Spiritualität. Letztere rangieren von Dankbarkeit als Haltung über Lektüre und Wildniserfahrung bis zum Engagement als spirituellem Weg.</p>

<p>Äußerst interessant ist auch der erste Anhang: Hier hat de la Huerta detailliert aufgeschrieben, was verschiedene Religionen zum Thema Homosexualität zu sagen haben. Er berücksichtigt dabei nicht nur die großen Weltreligionen, sondern auch Taoismus, Native Americans, Voodoo und Santería, neopagane Anschauungen und Wicca; man erfährt aber auch von den Bestrebungen von Schwulen und Lesben innerhalb der großen Religionen. Ein weiterer Anhang mit Adressen von Organisationen und Anbietern, von denen allerdings die meisten in den USA ansässig sind, rundet das Buch ab.</p>

<p>Die Stärke dieses Buches ist seine allumfassende Perspektive ohne Werturteile. Eine Vielfalt an Erfahrungen wird ausgebreitet, Menschen aus sehr verschiedenen spirituellen Richtungen kommen zu Wort. Ein überaus lesenswertes Buch, besonders für Menschen, die noch auf der Suche nach einer ihnen angemessenen Art der Spiritualität sind.</p>
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