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		<title>Heidnische Praxis IV: Gedanken über heilige Tage</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Jan 2011 17:45:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eins der Dinge am Heidentum, über die viel geschrieben wird, ist der Festtagskalender, vor allem die gern zitierten acht Jahreskreisfeste. Und immer wieder die Frage: Was war zuerst da? Kann ein Fest, so wie es heute von Heiden gefeiert wird, als authentisch bezeichnet werden? Bild: sxc.hu Es erscheint mir als nahezu unlösbare Aufgabe, auseinanderzuhalten, was [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eins der Dinge am Heidentum, über die viel geschrieben wird, ist der Festtagskalender, vor allem die gern zitierten acht Jahreskreisfeste. Und immer wieder die Frage: Was war zuerst da? Kann ein Fest, so wie es heute von Heiden gefeiert wird, als authentisch bezeichnet werden?</p>

<div style="text-align:center"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/uploads/2011/01/kerze.png" width="375" height="476" alt="Kerze"><br />
<small>Bild: <a href="http://www.sxc.hu/photo/1281538">sxc.hu</a></small></div>

<p>Es erscheint mir als nahezu unlösbare Aufgabe, auseinanderzuhalten, was am Brauchtum rund um die Jahreszeiten vielleicht heidnische Wurzeln haben mag und was christlich ist, was eventuell aus der regionalen Aneignung des Christentums erwachsen sein mag.
Mir scheint es als die ehrlichste Position, zuzugeben, daß die Feste, wie moderne Heiden sie heute feiern, eine Neuerfindung sind &#8211; und diese Neuerfindungen dann aus dem eigenen Verständnis der Jahreszeiten und der Mythologie neu zu gestalten.</p>

<p>Meine wichtigen Tage unterscheiden sich deutlich vom Wicca-Jahresrad. Zum einen, weil für mich die Sonnenfeste wichtiger sind. Und zum anderen, weil mir auch die Wicca-Mythologie nichts mehr sagt. Mein Jahreskreis hat keinen einheitlichen Mythos, und wenn es etwas gibt, was ich damit würdige, so sind es zuallererst die Lichtverhältnisse.</p>

<p>Nehmen wir die Zeit um die Wintersonnenwende. <span id="more-256"></span>Ich fühle mich um diese Zeit meistens erschöpft, mag mich zurückziehen, nicht aus dem Haus gehen. Wärme und Licht fehlen mir. Die frühe Dunkelheit nimmt mich mit. Wenn kein Wecker mich aus dem Schlaf reißt, schlafe ich auch mal um die zehn Stunden. Gleichzeitig ist mir um diese Zeit sehr wichtig, mit den Menschen zusammen zu sein, die mir am wichtigsten sind.
Jul hat darum für mich zwei Aspekte &#8211; den der (Heils)Gemeinschaft und den den Aspekt des wiederkehrenden Lichtes. Einen konkreten Mythos dagegen inszeniere ich bisher nicht; allein die astronomische Tatsache, daß die Tage wieder länger werden, macht mich schon glücklich.</p>

<p>Als wichtige Daten haben sich für mich in den letzten Jahren herauskristallisiert:</p>

<ul>
<li>Die Sonnenwenden &#8211; Jul, wie oben beschrieben, und die Sommersonnenwende, der Höhepunkt der hellen Zeit</li>
<li>die Tagundnachtgleichen &#8211; der Beginn der hellen und der dunklen Jahreshälfte</li>
<li>das Ætt-Althing Ende Juli/Anfang August, das für mich auch eine wunderbare Zeit ist, um unter freiem Himmel zu sein.</li>
</ul>

<p>Alle diese Bedeutungen sind an die klimatischen Bedingungen Mitteleuropas gebunden. Ich würde ganz andere Tage als bedeutsam wahrnehmen, würde ich etwa am Äquator oder auf der anderen Erdhalbkugel leben.</p>

<p>Für mich ist es durchaus wichtig, in diesen meinen Festen nicht einfach vorhandenes, christlich getöntes Brauchtum zu nehmen und heidnisch anzumalen, sondern nachzudenken: Was ergibt für mich einen Sinn? Welche Symbolik und (wenn ich darauf nicht verzichte) welche mythische Geschichte paßt zu diesem konkreten Fest? Ich mag auch nicht einfach fremde Ritualrezepte übernehmen, &#8220;weil man das so macht&#8221; oder weil irgendeine heidnische Autorität das so schreibt.</p>

<p>Jahreskreisfeste sind, wo ich sie überhaupt gemeinsam mit anderen feiere, im Optimalfall Glanzpunkte in meinem spirituellen Leben. Sie sind für mich nicht sinnvoll, wenn ich <em>nur</em> zu den Festtagen was tue und ansonsten unspirituell vor mich hin dümple. In letzter Zeit haben alltägliche Rituale und Übungen für mich an Bedeutung gewonnen. 
Dazu kommen die Rituale, für die es keinen Anlaß im Jahreskreis gibt: Rituale, die ich, allein oder mit anderen, für persönliche Belange &#8211; meine oder die von Menschen, die mir nahestehen &#8211; mache.  Eine Orakelsitzung, eine schamanische Reise, vielleicht ein Übergangsritus. Denn für diese Anliegen muß in meiner Spiritualität neben dem Feiern der Jahreszeiten Raum sein.</p>
 <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=256&amp;md5=53e6d6f2a4f2c44bc1ae586004da7c2a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Heidnische Praxis III: Distanzierungen vom Christentum</title>
		<link>http://riesenheim.net/2010/09/heidnische-praxis-iii-distanzierungen-vom-christentum/</link>
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		<pubDate>Tue, 28 Sep 2010 08:05:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[christenbashing]]></category>
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		<category><![CDATA[distanzierung]]></category>
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		<description><![CDATA[Die meisten, die sich heidnischer Spiritualität zuwenden, durchlaufen eine Phase der Distanzierung vom Christentum. Manchmal schlägt diese Distanzierung in Christenbashing um. Was verstehe ich darunter? Das englische Verb &#8220;to bash&#8221; bedeutet soviel wie: jemanden hauen, schlechtmachen, aber auch: scharf kritisieren.1 In meinem Sprachgebrauch hat &#8220;etwas bashen&#8221; etwa die Bedeutung &#8220;harte Kritik üben, verbal auf jemanden/etwas [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die meisten, die sich heidnischer Spiritualität zuwenden, durchlaufen eine Phase der Distanzierung vom Christentum. Manchmal schlägt diese Distanzierung in Christenbashing um.
Was verstehe ich darunter? Das englische Verb &#8220;to bash&#8221; bedeutet soviel wie: jemanden hauen, schlechtmachen, aber auch: scharf kritisieren.<sup class='footnote'><a href='#fn-186-1' id='fnref-186-1'>1</a></sup> In meinem Sprachgebrauch hat &#8220;etwas bashen&#8221; etwa die Bedeutung &#8220;harte Kritik üben, verbal auf jemanden/etwas einschlagen, etwas unfair und pauschalisierend aburteilen&#8221;.</p>

<p>Nicht jede Kritik am Christentum, nicht jede Distanzierung ist gleich Christenbashing. Ich halte die Distanzierung vom Christentum für unausweichlich, wenn jemand, der sich einmal daran gebunden gefühlt hat, sich davon löst. Ich finde es auch legitim, wenn da Wut, Entrüstung, Empörung aufkommen &#8211; aber aus diesen Gefühlen heraus zu handeln und sich davon den Blick verstellen zu lassen, finde ich fragwürdig. Mehr noch: unreflektiert alte Stereotypen nachzubeten und zu pauschalisieren, finde ich daneben. <span id="more-186"></span></p>

<p><strong>Meine persönliche Geschichte</strong>
Meine eigene Beziehung zum Christentum ist eine recht ungewöhnliche. Ich frotzele manchmal, wenn es da diese Institutionen nicht gäbe und den Dogmatismus und den alten Mann in Rom, wäre ich wahrscheinlich aus kulturellen Gründen katholisch. Denn die sakrale Kunst des Christentums finde ich (in großen Teilen) wunderschön und Kirchenmusik habe ich natürlich als klassische Musikerin auch vielfach aufgeführt. Einige Jahre lang konnte ich das <em>ordinarium missae</em> auswendig, weil ich so viele Vertonungen davon gesungen hatte. Andererseits ist mein Latein eben auch zu gut, um nicht zu verstehen, was ich da singe, und Inhalte wie das katholische Credo mag ich heute einfach nicht mehr singen.
Die Gottesdienste, die ich in diesem Kontext miterlebt habe, ökumenische wie katholische wie die wenigen evangelischen, dienen mir heute als Folie, wie Rituale nicht ablaufen sollten.</p>

<p>Ich habe einiges vom Christentum über die Musik mitbekommen: im Chor, im Musikunterricht in der Schule, als Musikhistorikerin, die um die prägende Rolle der Kirchen in großen Teilen der abendländischen Musikgeschichte einfach nicht herumkam. Ansonsten war meine spirituelle &#8216;Erziehung&#8217; jedoch eher alternativ: Meine Eltern sympathisierten schon in den 80ern mit Osho (damals noch Bhagwan Shree Rajneesh), meine Mutter unterstützte mein kindliches Interesse an den Indianern Nordamerikas, und Religionsunterricht hatte ich nur in der Grundschule und drei Jahre am Gymnasium (ich mußte an der Mädchenschule in katholischer Trägerschaft auch als Schülerin &#8220;o.B.&#8221;, ohne Bekenntnis, Religionsunterricht nehmen). Als Christin bin ich nie angesehen worden und habe mich selbst nie so verstanden. Ich hatte nie eine Bindung daran. Vielleicht mußte ich mich daher, als ich &#8220;out of the broom closet&#8221; kam, auch nicht davon distanzieren.</p>

<p><strong>&#8220;Sittenchristentum&#8221; und &#8220;Christo-Normativität&#8221;</strong>
Allerdings kann ich nicht leugnen: Unsere Kultur ist vom Christentum zutiefst geprägt. Die Bahnen, in denen wir denken, das, was wir für anständig oder unanständig halten, unsere Neigung zum Entweder-Oder, das ständige Denken in Kategorien der Sündhaftigkeit oder Reinheit (das heute u.U., seiner religiösen Gestalt vollkommen entkleidet, unser Verhältnis zur Arbeit, zum Essen, zu Gesundheit, Körperlichkeit und Fitness mitprägt): all dies hätten wir nicht in dieser Gestalt ohne die christliche Geschichte Westeuropas. <strong>Es liegt mir fern, deswegen vom &#8220;christlichen Abendland&#8221; zu reden:</strong> Diese Formel verleugnet in meinen Augen, daß uns die Wurzeln, aus denen unsere Kultur gewachsen ist, uns nicht auf ewig binden, daß wir frei sind, trotz dieser Ursprünge die Bahnen unseres Denkens und Handelns zu verändern; sie verleugnet außerdem, daß das Christentum, das unsere Kultur mitgeprägt hat, ein spezifisch europäisches ist; und sie leugnet außerdem, daß dieses Christentum nicht die einzige Wurzel ist, sondern eben auch die vorchristliche Antike sowie die Aufklärung ihre Spuren hinterlassen haben.</p>

<p>Ich weiß nicht, wer den Begriff des &#8220;Sittenchristlichen&#8221; aufgebracht hat, aber dieser Absatz von Duke beschreibt das Phänomen in meinen Augen sehr gut:</p>

<blockquote>Gegenwartsorientiert, wie wir uns aber benehmen, vergisst man [...] allzu leicht, möcht´ ich nur sagen, dass über eineinhalb Jahrtausende christlicher Kirchendiktatur unsere Gefühle und unser aller Denke vorgeprägt haben. Auch uns Heiden. Und ich behaupte: gerade uns. Dies: tiefgreifender, als man gern zugestehen möchte. Mögen wir uns von den Werten des Christentums und seinen bekannten Strafmythologien (Sünde, Hölle, Schuld usw.) jeweils persönlich noch so weit entfernt und emanzipiert haben, fühlen oder auch nur dünken: Der allgemeine Begriffskanon rangiert immer noch über christliche Gleise – die ich hier und ab jetzt “sittenchristlich” nenne, da eben keineswegs nur Fans vom armen Lattengustl betreffend. Nahezu jeder kulturreligiöse (oder auch ganz “arschnormale”, aber in religiösem Kontext mit auftauchende) Begriff ist gemeint – und sittenchristlich “vorbesetzt”: Religion. Ritual. Natur! Materie. Gott. Geist. Spirituell. Priester. Predigen. Sakral. Geistlich. Segen. Unschuld. Weltlich. Jungfrau. Liebe. Heilig. Bekenntnis. Glauben. Noch unzählige andere – hier nur ein paar der gebräuchlichsten.<sup class='footnote'><a href='#fn-186-2' id='fnref-186-2'>2</a></sup></blockquote>

<p>Und ich komme auch nicht umhin, eine gewisse &#8220;Christo-Normativität&#8221; zu bemerken. Die mag in Deutschland durch die DDR, wo Religion aus dem öffentlichen Leben zurückgedrängt wurde, ein wenig aufgeweicht sein, doch weite Teile der Öffentlichkeit denken bei &#8220;Religion&#8221; (und, damit gerne verwechselt, &#8220;Spiritualität&#8221;) immer noch an kirchlich gebundenes Christentum (oder mittlerweile vielleicht auch an den Islam, besonders bei Leuten, denen ein &#8220;orientalischer&#8221; Kulturhintergrund unterstellt wird) und setzen voraus, $mensch sei entweder christlich (vielleicht noch muslimisch) oder aber Atheist_in. Peter Sweasey bringt es auf den folgenden Punkt:</p>

<blockquote>One similarity between sexuality and spirituality is that both are, for the conversative mainstream, taboo subjects (although religion without spirituality, and heterosexuality which keeps quiet about sex, are the backbone of the Establishment).<sup class='footnote'><a href='#fn-186-3' id='fnref-186-3'>3</a></sup></blockquote>

<p>Nun schreibt Sweasey aus einer englischen Perspektive, aus einer Gesellschaft, die wesentlich multireligiöser ist als die deutsche, und sein Buch erschien vor dem massiven Aufflammen antiislamischer Ressentiments, das ich nach 9/11 bemerkte. Die deutschen Verhältnisse waren und sind meiner Wahrnehmung nach deutlich &#8220;christozentrischer&#8221;.
Um ein wenig auszubreiten, wohin das führen kann, ein Geschehnis aus meiner musikalischen Aktivität:
Da probte mein Chor in einem brandenburgischen Dörfchen und der Pfarrer lud uns im Vorfeld ein, in seinem Gottesdienst zu singen. Einer aus dem Chor bat uns darum, dieser Gemeinde, die uns als Lesben und Schwule willkommen geheißen hätte, Dankbarkeit zu zeigen &#8211; schließlich bräuchten Lesben und Schwule Verbündete und diese individuelle Gemeinde sei doch nicht gleichzusetzen mit der mißlichen Behandlung von Schwulen und Lesben durch offizielle christliche Stellen. Ich antwortete auf diese Mail, daß eine aktive Teilnahme an einem christlichen Gottesdienst für mich undenkbar ist &#8211; nicht aus Gründen der Sexualität, sondern aus religiösen Gründen. Die heftige Diskussion, die ich befürchtet hatte, blieb jedoch aus.
Kirchlich gebundenes Christentum, antireligiöser Atheismus und spirituelle Indifferenz bilden in Deutschland immer noch den Mainstream, die &#8220;Defaultzustände&#8221; der Variable Religion. Wer sich außerhalb davon positioniert und das auch nach außen hin zeigt, macht es sich unter Umständen etwas unbequemer. Das ist jedoch noch lange kein Grund, auf irgendwen verbal einzuschlagen, sich als Opfer hinzustellen oder sich verfolgt zu fühlen.</p>

<p>Ich persönlich möchte mich mit emanzipativ denkenden und aktiven Christen verbünden &#8211; gegen die Ewiggestrigen und Fundamentalisten, ohne meine spezifisch (neu-)heidnische Denkweise und Praxis zur Disposition zu stellen. Gleichzeitig empfinde ich auch religionskritische Humanisten als Verbündete, wo sie Religion an sich bestehen lassen und nicht als aggressive &#8220;Kampfatheisten&#8221; auftreten. Denn schließlich ist es ein Menschenrecht, zu wählen, ob und welche religiösen und spirituellen Praktiken und Überzeugungen $mensch pflegen will.</p>

<div class='footnotes'><div class='footnotedivider'></div><ol><li id='fn-186-1'>nach dem Onlinewörterbuch <a href="http://www.dict.cc/?s=bash">dict.cc</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-186-1'>&#8617;</a></span></li><li id='fn-186-2'><a href="http://www.nornirsaett.de/mussen-wir-dran-glauben/">Müssen wir dran glauben?</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-186-2'>&#8617;</a></span></li><li id='fn-186-3'><strong>Sweasey, Peter:</strong> <em>From Queer to Eternity:</em> Spirituality in the Lives of Lesbian, Gay and Bisexual People. London and Washington : Cassell 1997, S. 23 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-186-3'>&#8617;</a></span></li></ol></div>
 <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=186&amp;md5=ccc531a4a270f5413ca681ff6fcab1fc" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<pubDate>Wed, 22 Sep 2010 19:46:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gibt da eine Sache, die ich die ganze Zeit vor mir hergeschoben habe. Erst wollte ich abwarten, ob das Projekt über kurzlebigen Enthusiasmus hinauskommt, und dann schob ich vor, daß ich ja immer noch ein Redesign vorhabe. Ersteres hat Marco, der Initiator, inzwischen demonstriert. Und zweiteres kann noch ein wenig dauern. Die Rede ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt da eine Sache, die ich die ganze Zeit vor mir hergeschoben habe. Erst wollte ich abwarten, ob das Projekt über kurzlebigen Enthusiasmus hinauskommt, und dann schob ich vor, daß ich ja immer noch ein Redesign vorhabe. Ersteres hat Marco, der Initiator, inzwischen demonstriert. Und zweiteres kann noch ein wenig dauern.</p>

<p>Die Rede ist von der Initiative <a href="http://heidentum-ist-kein-faschismus.jimdo.com">Heidentum ist kein Faschismus</a>. Ich empfinde dieses Anliegen als sehr wichtig &#8211; es ist ja auch meinem Thema verwandt: Menschen, die jenseits des heteronormativen Schemas leben, sind eine der Gruppen, die von rechter Gewalt betroffen sind.
Ich wünsche Marco viel Ausdauer, Mut und Erfolg, und darum habe ich das Banner von &#8220;Heidentum ist kein Faschismus&#8221; nun auf meiner Seite. Ausdrücklich die Version mit den Runen, denn die sind ein Symbolkomplex, den ich mir zurückholen will &#8211; was ist, neben inhaltlicher Auseinandersetzung, dazu machtvoller als ein &#8220;<strong>Nazis raus</strong>&#8221; in der Schrift des Älteren Futhark?</p>
 <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=204&amp;md5=beb4c051839dda869d4bf9a4f58b63ca" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Heidnische Praxis II: Die Crux mit den Begrifflichkeiten</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Sep 2010 01:11:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich habe ja ein Weilchen überlegt: Soll ich diese Serie umbenennen, angesichts der ganzen auch eher theoretischen Dinge, die mir dazu einfallen? Soll ich mich auf das Praktische konzentrieren? Dann entschied ich: Ich mache unter dem gewählten Titel weiter und fasse das Thema einfach relativ offen. Zum einen, weil Praxis für mich mehr ist als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe ja ein Weilchen überlegt: Soll ich diese Serie umbenennen, angesichts der ganzen auch eher theoretischen Dinge, die mir dazu einfallen? Soll ich mich auf das Praktische konzentrieren? Dann entschied ich: Ich mache unter dem gewählten Titel weiter und fasse das Thema einfach relativ offen. Zum einen, weil Praxis für mich mehr ist als Ritualrezepte und Übungsanleitungen. Zum anderen, weil eben der Titel schon da ist und zum dritten, weil theoretische Erörterungen doch gelegentlich praktische Auswirkungen haben.
Darum fasse ich den Titel dieses Teils in eine ganz praktische Frage: <strong>In welchen Begriffen kann ich über das, was ich mache, reden</strong>?</p>

<p>Ein Beispiel: Wenn ich mit jemandem, der nicht in der heidnischen Landschaft bewandert ist, über Religion spreche, bezeichne ich mich als &#8220;Heidin&#8221;. Das führt manchmal zu Mißverständnissen, aber &#8220;Asatrú&#8221; versteht eben kaum jemand. Um ganz exakt zu sein, müßte ich sagen: &#8220;Ich bin eine Polytheistin, die sich vorrangig auf die nordische Mythologie, aber auch auf neo-schamanistische und animistische Konzepte stützt.&#8221; Eine ziemlich umständliche Erklärung, mal davon abgesehen &#8220;Neoschamanismus&#8221; und &#8220;Animismus&#8221; für viele eben zwar nach irgendwas Primitivem und Exotischem klingen, aber eben kaum jemand damit tatsächlich Inhalte verbinden kann.</p>

<p>Nehmen wir zum Beispiel <strong>&#8220;Heide/Heidin&#8221;</strong> und <strong>&#8220;Heidentum&#8221;</strong>. <span id="more-178"></span>Ursprünglich war das eine abwertende Bezeichnung für einen Menschen, der nicht Christ und auch nicht Jude ist, im Mittelalter wurden auch Muslime als &#8220;Heiden&#8221; bezeichnet; als &#8220;Heiden&#8221; bezeichnen sich manchmal auch Leute, die sich schlicht von etablierten Religionen distanzieren. Manche, die im Spektrum des Neuen Heidentums unterwegs sind, lehnen den Begriff des Heidentums eben wegen seiner pejorativen Bedeutung ab. Für mich hingegen ist er ein &#8220;Geusenwort&#8221; geworden, so ähnlich wie der Begriff &#8220;schwul&#8221; &#8211; eine ehemalige Beschimpfung hat sich zur stolzen und provokativen Selbstbezeichnung gewandelt. In diesem Sinne finde ich &#8220;heidnisch&#8221; sogar kraftvoller als &#8220;naturreligiös&#8221;.</p>

<p>Nehmen wir den Komplex <strong>Spiritualität/Religion</strong>:
Wie problematisch es ist, Asatrú als Religion zu verstehen, hat Martin in seinem Artikel &#8220;<a href="http://martinm.twoday.net/stories/4166612/">Die alten Germanen hatten keine Religion</a>&#8221; bereits beschrieben.
Religion, das konnotiert für mich auch: ein kodifizierter Satz von Glaubensinhalten, Verhaltensregeln und Institutionen. Und genau das gibt es für mich im Asatrú nicht.</p>

<p>Spiritualität wird im &#8220;Lexikon neureligiöser Gruppen, Szenen und Weltanschauungen&#8221; wie folgt beschrieben: Im christlichen Verständnis sei S. eigentlich eine lebenspraktische Haltung, etwa &#8220;eine akthafte und zuständliche (habituelle) Durchstimmtheit seines Lebens von seinen objektiven Letzteinsichten und Letztentscheidungen her&#8221;.<sup class='footnote'><a href='#fn-178-1' id='fnref-178-1'>1</a></sup> Im Sinne der &#8220;neuen Religiosität&#8221; sei S. ein inflationär verwendeter, unscharfer Begriff, der die &#8220;Suche nach Sinn und Ziel eines Daseins, das sich nicht in somatischen und physischen Abläufen erschöpft&#8221; sowie Selbstverwirklichung (und Sinnschöpfung?, d.Verf.) über das Materielle hinaus bedeute.<sup class='footnote'><a href='#fn-178-2' id='fnref-178-2'>2</a></sup>
Elisabeth Gräb-Schmidt beschreibt in der renommierten RGG Spiritualität folgendermaßen:</p>

<blockquote>Spiritualität insistiere &#8220;auf der lebensspendenden Kraft der Innerlichkeit, die sich in der Fähigkeit zeigt, nach Ursprung, Identität, Ziel und Bestimmung des Lebens zu fragen.&#8221; Spiritualität als &#8220;Ort in der Mitte des Lebens&#8221;, als &#8220;hermeneutisches Organisationszentrum des gesamten menschlichen Lebensdeutungsprozesses&#8221; und &#8220;innere Kraft zur Ganzerfassung des Lebens&#8221;. <sup class='footnote'><a href='#fn-178-3' id='fnref-178-3'>3</a></sup></blockquote>

<p>Bei <a href="http://martinm.twoday.net/">Martin</a> fand ich eine für mich recht brauchbare Definition von Spiritualität:</p>

<blockquote>Spiritualität sei die Fähigkeit zu Transzendenzerfahrungen, biologisch unterschiedlich stark veranlagt und kulturell ausprägbar. Unter Transzendenzerfahrung sind hierbei Erweiterungserfahrungen zu verstehen: Die Betreffenden erfahren sich als Teil eines &#8220;größeren Ganzen&#8221;, in dem &#8220;keine Grenzen mehr sind&#8221;, ja, &#8220;alles als Eines&#8221; erkannt werde. Etwas weniger anspruchsvoll: Spiritualität beschreibt das Verhalten zu &#8220;außeralltäglichen&#8221; Erfahrungen, wie Entgrenzungs- und Alleinheitserfahrungen, Visionen etc&#8230; <sup class='footnote'><a href='#fn-178-4' id='fnref-178-4'>4</a></sup></blockquote>

<p>Ich persönlich kann mit diesem Begriff von Spiritualität durchaus etwas anfangen. Und doch ist er mir <strong>in seiner allgemein üblichen Verwendung</strong> eigentlich zu luftig und allgemein, benennt das, was durchaus formalisiert ist, was sozial ist an meinem Bund mit Gött_innen und Geistern, nicht; &#8220;Spiritualität&#8221; klingt in meinen Ohren nach etwas sehr individuellem, eher nicht nach etwas Sozialem und Verbindlichem. Mein Asatrú ist nämlich durchaus ein Gruppending, eine Sache, die ich nicht so gut ganz alleine praktizieren kann.
Nach der Definition von Vaas/Blume wäre ich zugleich in einem gewissen Maße religiös, da ja &#8220;übernatürliche&#8221; Akteure in Gestalt von Geistern und Göttern eine recht zentrale Rolle für mich spielen. Aber religiös im Sinne von &#8220;ich benutze ein als gottgegeben angesehenes Regelwerk als Orientierungshilfe für mein Leben&#8221; bin ich nicht.</p>

<p>Oder nehmen wir &#8220;glauben&#8221;. Ich vermeide dieses Wort. Das mit meinen Hohen fing bei mir an zu funktionieren, als ich es als &#8220;Arbeitshypothese&#8221; anfing zu begreifen, die sich flugs als tragfähig erwies &#8211; eine Arbeitshypothese, ein &#8220;ich setze jetzt mal voraus, daß das so und so ist, und schaue mal, was ich daran nach ein paar Experimenten modifizieren muß oder ob ich es ganz über den Haufen schmeißen muß&#8221;, ist kaum etwas, das mit Glauben im landläufigen Sinn zusammenpaßt. 
Ganz davon abgesehen: &#8220;Glauben&#8221; klingt in meinen Ohren nach Überzeugung im Kopf, nach etwas, das ich als Faktum für wahr halten will. Reichlich intellektuell. Spiritualität ist jedoch für mich bei allem, was mein Kopf dabei auch zu tun hat, Herzens- und Bauchsache. Drama, Sinnlichkeit, Emotion: das darf nicht nur dabei sein, das sollte dabei sein. So viel ich außenrum denke und reflektiere und gestalte, im Ritual selbst dürfen andere Kapazitäten als meine <em>ratio</em> dominant sein.</p>

<p>Noch mehr Begriffe: die bereits angesprochene &#8220;Naturreligion&#8221; und &#8220;Naturspiritualität&#8221;. Der Begriff &#8220;Natur&#8221; wäre Stoff für ein erkenntniskritisches Essay; nur soviel: ich empfinde Asatrú nur beschränkt als &#8220;Naturreligion&#8221;. Zur &#8220;Natur&#8221; &#8211; verstanden als nicht-menschliche oder mehr-als-menschliche Umwelt &#8211; habe ich durchaus ein positives Verhältnis. Es rückt mich wieder gerade und füllt mein inneres Bildarchiv auf, wenn ich in Bergen und Wäldern unterwegs sein kann, ich mache gerne morgens auf dem Weg zur Arbeit einen winzigen Umweg, um ein, zwei Minuten unter meiner Lieblingseibe stehen zu bleiben. Doch ich sehe mein Asatrú nicht als &#8220;Naturreligion&#8221; im Sinne einer ursprünglichen, schon immer dem Menschen &#8220;von Natur aus&#8221; gegebenen Religiosität: ich beziehe mich da ja auf Mythologie, Überlieferung, ich stütze mich auch auf Wissenschaft (z.B., wenn es um die Runen geht). Und ich versuche, Kultur und Natur nicht als antagonistische Begriffe zu verstehen. Ich setze mich mit dem historischen Gewordensein auseinander. Selbst schamanistische Praktiken haben für mich, auch wenn Michael Harner ihnen nicht so unplausibel Universalität unterstellt, zumindest ein kulturelles Moment. Was mir auf meinen Reisen begegnet, kann ich durch Bedeutungsstrukturen, die immer schon kulturell sind, erst wahrnehmen &#8211; vom Deuten und Verstehen ganz zu schweigen.
Was in diesem Punkt möglicherweise die sog. &#8220;Naturreligionen&#8221; von den etablierten Religionen &#8211; zumindest den abrahamitischen &#8211; unterscheidet, ist ihr Naturbild: Natur erscheint modernen Heiden eben nicht mehr als etwas, das unterworfen werden muß, der Mensch ist nicht mehr die Krone der Schöpfung, sondern ist gleichberechtigt mit Bäumen, Tieren, Felsen, Seen und Wesen wie Elfen, Zwergen, Riesen und Landgeistern.</p>

<p>Ich habe vorerst keine Lösung für meine Begriffs-Schwierigkeiten: Was die meisten Leute verstehen, trifft meine Praxis nicht, und was sie genau beschreiben würde, ist unverständlich. Das ist nicht nur ein semiotisches Phänomen, sind doch die Konzepte selbst, um die es geht, vielen noch fremder als die Begrifflichkeiten. Darum werde ich weiter, in Ermangelung besserer Begriffe, von &#8220;heidnischer Spiritualität&#8221; sprechen &#8211; und mir hier und da, wenn ich denn jemanden vor mir habe, der die Erörterung auch hören will, die Zeit nehmen, eine Erläuterung abzugeben.</p>

<div class='footnotes'><div class='footnotedivider'></div><ol><li id='fn-178-1'>Josef Weismayer, in: Josef Weismayer, Ferdinand Rauch, Artikel &#8220;Spiritualität&#8221;, in: Lexikon neureligiöser Gruppen, Szenen und Weltanschauungen : Orientierungen im religiösen Pluralismus / hrsg. von Harald Baer &#8230; &#8211; Freiburg im Breisgau (u.a.) : Herder, 2005, Sp. 1231-33 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-178-1'>&#8617;</a></span></li><li id='fn-178-2'>Ferdinand Rauch, in: Josef Weismayer, Ferdinand Rauch, Artikel &#8220;Spiritualität&#8221;, in: Lexikon neureligiöser Gruppen, Szenen und Weltanschauungen : Orientierungen im religiösen Pluralismus / hrsg. von Harald Baer &#8230; &#8211; Freiburg im Breisgau (u.a.): Herder, 2005, Sp. 1231-33 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-178-2'>&#8617;</a></span></li><li id='fn-178-3'>Elisabeth Gräb-Schmidt, Artikel &#8220;Spiritualität&#8221;, in: Religion in Geschichte und Gegenwart : Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft. &#8211; 7. R-S / hrsg. von Hans Dieter Betz &#8230;. &#8211; 4., völlig neu bearb. Aufl., Tübingen 2004, Sp. 1593-4 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-178-3'>&#8617;</a></span></li><li id='fn-178-4'>Rüdiger Vaas, Michael Blume: Gott, Gene und Gehirn. Warum Glaube nützt. Die Evolution der Religiosität, Hirzel 2008, zitiert nach: MMs Senf, <a href="http://martinm.twoday.net/stories/6497382">Spiritualität (und Religiosität)</a>, Artikel vom 5.9.2010 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-178-4'>&#8617;</a></span></li></ol></div>
 <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=178&amp;md5=4615c87cac989076f9e103e8c1ef847d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Heidnische Praxis I: Priesterschaft? Ein paar Gedanken.</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Jul 2010 16:15:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Angeregt einerseits durch Wurzelfraus Artikel über spirituelle Basisdemokratie, andererseits durch eine Unterhaltung mit einer katholischen Bekannten, die über Widersprüche in puncto Priesteramt für Frauen stolperte, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie das denn so mit der Priesterschaft im Heidentum aussieht. Denn irgendwie scheint dieser Titel oder seine Äquivalente &#8211; &#8220;Gode&#8221;, &#8220;Druide&#8221; etc. &#8211; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Angeregt einerseits durch Wurzelfraus Artikel über <a href="http://www.wurzelfrau.de/spirituelle-basisdemokratie/">spirituelle Basisdemokratie</a>, andererseits durch eine Unterhaltung mit einer katholischen Bekannten, die über Widersprüche in puncto Priesteramt für Frauen stolperte, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie das denn so mit der Priesterschaft im Heidentum aussieht.</p>

<p>Denn irgendwie scheint dieser Titel oder seine Äquivalente &#8211; &#8220;Gode&#8221;, &#8220;Druide&#8221; etc. &#8211; auf Heiden immer noch eine gewisse Anziehungskraft auszuüben. 
Nun kam ich aus einer Ecke, die Hierarchien jeder Art ablehnt (meine erste Begegnung mit dem Thema Hexen waren die Bücher von Luisa Francia). In keiner Gruppe, in der ich je unterwegs war, gab es &#8220;Leiter&#8221; oder &#8220;Hohepriester&#8221;.  Ich meinte sogar manchmal das Gegenteil wahrzunehmen: Bloß keine Hierarchie, keine Struktur, und damit ging manchmal eine Tendenz zur Desorganisation einher, die dann an den Nerven zehrt, wenn eine tatsächlich etwas auf die Beine stellen, etwas tun möchte. (Spielregeln und Strukturen haben ihren Sinn. Wenn man nicht von selbst in eingefahrene Gleise, die allzu oft Machtstrukturen der etablierten Gesellschaft wiederspiegeln, verfallen will, dann muß man diese Regeln und Strukturen bewußt erarbeiten und regelmäßig bis laufend revidieren. Das nur als Seitengedanke.)
Demgegenüber gibt es außerhalb der feministischen Hexenkreise auch sehr formalisierte Hierarchien, etwa im Wicca, wo Initiationen und Grade vergeben werden und die Befugnisse (z.B. Rituale leiten, Leute ausbilden, eigene Coven gründen) regulieren.</p>

<p><strong>Priesterschaft in der griechischen Antike</strong>
Demgegenüber war die Funktion der Priesterin, des Priesters oder was damit auch gleichgesetzt wird, in der vorchristlichen Welt wahrscheinlich oft unspektakulärer. <span id="more-145"></span>Zum Beispiel im antiken Griechenland:</p>

<blockquote>In der griechischen Antike war das Priesteramt genau das: ein Amt. Keine Berufung, keine Ausbildung, keine Weihe. Man kam zu diesem Amt auf verschiedene Weise, je nachdem, um welche religiöse Einrichtung es sich handelte. Aber im Prinzip konnte jeder jede religiöse Handlung durchführen &#8211; auch Frauen und Sklaven. Das war durchaus nicht üblich, in anderen Ländern wie zB Persien konnten nur die &#8220;magi&#8221; religiöse Handlungen durchführen.

Das griechische Priesteramt entstand ganz simpel aus der Rolle des Familienoberhauptes im Rahmen der privaten, familiären Verehrung der Götter. Und da die Gemeinde die nächste größere soziale Einheit ist, war der Gemeindevorsteher dann auch in religiösen Belangen für seine Leute zuständig, wurde also zum &#8220;Priester&#8221;. Dies wurde dann in den großen Städten mit demokratischer Regierungsform etwas schwierig, somit wurde immer einer der Magistraten zum Vorsteher für eine bestimmte Festlichkeit ernannt. Praktischer Weise musste er für diese Ehre die Feier aus eigener Tasche bezahlen. In Athen gab es nach der Erfindung der Demokratie trotzdem einen &#8220;König&#8221; (basileus), der für die &#8220;traditionellen Opfer&#8221; zuständig war (also sozusagen einen Sakralkönig). Natürlich gab es im Bereich der Tempel und sonstigen Kultstätten fixes Personal, also &#8220;Priester&#8221; (hiereis, hiereiai), die für die Einhaltung der richtigen Vorgehensweise beim Opfern zuständig waren oder auch bei Orakelstätten für die richtige Deutung des Orakels. Oft wurde das Priesteramt im Tempel innerhalb der Familie weiter vererbt. <sup class='footnote'><a href='#fn-145-1' id='fnref-145-1'>1</a></sup></blockquote>

<p><strong>Spirituelle &#8220;Experten&#8221;</strong>
Im wesentlichen stimmt die Behauptung: ich bin meine eigene Priesterin. Oder eher, ich brauche keinen Titel und keine Legitimation für das, was ich spirituell so mache, für das Weltenwandern und die Kommunikation mit denen in den anderen Welten. 
Es gibt jedoch Situationen, wo ich Leute frage, bei denen ich darauf vertraue, daß sie mir mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten helfen können, und sei es nur, daß sie nicht selbst in dem Schlamassel stecken, aus dem ich mich nicht an meinen eigenen Haaren ziehen kann.
Wenn ich vor einem Problem stehe, wo ich &#8220;blinde Flecken&#8221; habe, ist es durchaus sinnvoll, daß ich mir z.B. die Karten von jemand anderem legen lasse. Wenn ich etwa eine Visionssuche nach indianischem Vorbild machen möchte, dann wende ich mich an jemanden, der darin möglichst Erfahrung hat und auf eine Ausbildung zurückgreifen kann. Oder wenn es um eine Zeremonie für mich ginge, in der etwas mich betreffendes gefeiert wird (ein wohl vielen einsichtiges Beispiel: wenn ich etwa eine Hochzeitszeremonie wollte): das will ich einfach nicht als One-Woman-Show machen. Ich wähle da, wenn möglich, jemanden, den etwa Freunde empfehlen oder den ich persönlich kenne.</p>

<p><strong>Würde ich gyðia sein wollen?</strong>
Die Rolle einer spirituellen Expertin zu übernehmen, würde für mich vor allem eine Verpflichtung bedeuten. Es würde bedeuten, daß ich, wenn jemand aus meiner Heilsgemeinschaft Bedarf hat, bereit bin, mein Wissen und meine Übung für ihn/sie einzusetzen &#8211; und das kann dann darin bestehen, daß ich für diese Person die Runen werfe, einen Gegenstand gestalte, einen Zauber wirke. Es kann heißen, daß ich für diese Person ein Lied, ein Gedicht, einen Text verfasse. Es kann bedeuten, daß ich Faktenwissen vermittle. Es kann auch heißen, daß ich ein Ritual entwerfe, gestalte, durchführe, das nur zwei Personen beinhalten kann oder auch zwanzig, dreißig, fünfzig. Es wäre für mich ein Dienst an der Person, die mich darum bittet, und an der Gemeinschaft, aber keine Position irgendwelcher Autorität oder Macht.</p>

<p>Oder, wie es <a href="http://eibensang.de">Duke</a> in bezug auf die Nornirs Aett formuliert:</p>

<blockquote>Wir “Ættlinge” haben keine “Priester” – wir haben einstimmig gewählt sein müssende Vertrauensleute, die kein Jota mehr Recht oder Befugnisse haben als andere Nasenträger, sondern nur zusätzliche Pflichten der Gruppe gegenüber… jeder und jedem Einzelnen von uns. Wir, die Gruppe, gewähren unseren entsprechend Ambitionierten ggf. die gnadenvolle Anerkennung, für die andern einige Dreckarbeit machen zu müssen und nonstop Wache stehen zu dürfen für das Wohl unserer kleinen “Allgemeinheit”. Und wehe, diese so Beauftragten zicken. DAS sind unsere Goden, Weiber wie Kerls… Und benötigten wir die Kleiderordnung des Bürgerstaates in unserem darin befindlichen Privathaufen, dann trügen unsere Goden eher die leuchtorangenen Westen städtischer Reinigungsbeauftragter als den hehren Schwarzkittel irgendwelcher Kirchenpfaffen. Spirituelle Deutungsbefugnis haben unsere Goden schon gar nicht! <sup class='footnote'><a href='#fn-145-2' id='fnref-145-2'>2</a></sup></blockquote>

<p>Ich persönlich fühle mich im Moment zu dieser Rolle nicht berufen und fühle mich auch nicht in der Lage, diese Rolle angemessen auszufüllen. Es reicht mir, erst einmal mein eigenes Leben in dieser Hinsicht wie in anderer in den Griff zu bekommen.</p>

<p><strong>Die eigene Erfahrung ist unersetzlich</strong>
Der lebendige Kontakt mit den Göttern, das ist eine Sache, die nur ich allein erleben kann, eine Erfahrung, die niemand für mich machen kann. Und sogar die begrifflichen Grundlagen, die ich meinen Gebeten, Ritualen, meinen schamanischen Reisen zugrundelege, sind solider, wo ich etwas durchdacht, gedreht, gewendet, von allen Seiten betrachtet, will sagen: mit meinem eigenen Kopf dran gearbeitet habe. Ohnehin gibt&#8217;s mein Heidentum ja nicht als fertiges Produkt, es ähnelt eher einem Mosaik in fortwährender Arbeit und in ständiger Bewegung. Warum sollte ich also den Anspruch erheben, jemandem diese Erfahrungen und diese Arbeit abzunehmen?</p>

<div class='footnotes'><div class='footnotedivider'></div><ol><li id='fn-145-1'>Hellenismos:now!, <a href="http://hellenismos.spireku.at/wiki/doku.php/artikel:priestertum">Artikel &#8220;Priestertum&#8221;</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-145-1'>&#8617;</a></span></li><li id='fn-145-2'>aus dem Aufsatz <a href="http://www.nornirsaett.de/mussen-wir-dran-glauben-teil-ii/">&#8220;Müssen wir dran glauben?&#8221;, Teil II</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-145-2'>&#8617;</a></span></li></ol></div>
 <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=145&amp;md5=7dde3d2c8cb62098cd67b74d574b4cdf" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Bibliographie aktualisiert</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Jun 2009 13:20:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mir sind da noch ein paar Bücher genannt worden, die auf die Bibliographie zum Thema queer &#38; Heidentum gehören &#8211; ich habe sie etwas ergänzt. (Und einige gehören vielleicht runtergeschmissen, aber das tu ich ein andermal.)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mir sind da noch ein paar Bücher genannt worden, die auf die <a href="http://riesenheim.net/rbh/qpaganbib.html">Bibliographie</a> zum Thema queer &amp; Heidentum gehören &#8211; ich habe sie etwas ergänzt. (Und einige gehören vielleicht runtergeschmissen, aber das tu ich ein andermal.)</p>
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		<title>Vorläufige Bibliographie</title>
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		<pubDate>Sun, 31 May 2009 13:43:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe mir mal die Mühe gemacht, eine vorläufige, unsortierte und noch keineswegs vollständige <a href="http://riesenheim.net/rbh/qpaganbib.html">Bibliographie</a> zum Thema queer und Spiritualität zu machen. Sie ist nicht ausschließlich heidnisch, hat aber einen heidnischen Fokus, einige Bücher stehen auch noch auf meiner Leseliste. Aus Platz &#8211; und technischen Nervgründen steht sie auf einer eigenen Seite.</p>

<p>Bei Interesse stelle ich sie gerne auch als BibTeX/RIS-File zur Verfügung, bitte einfach per Mail (oder auf sonstigen bekannten Kontaktwegen) bescheidsagen.</p>

<p>Wer mir zu dem einen oder anderen noch nicht gelesenen Buch was sagen möchte oder einen heißen Tip hat, der noch nicht auf dieser Liste steht, kann hier gerne einen Kommentar hinterlassen.</p>
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		<title>Heidentum: Eine ganz persönliche Darstellung</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Oct 2008 20:23:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
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		<category><![CDATA[religion]]></category>

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		<description><![CDATA[Diesen Text habe ich vor etwa zwei Jahren geschrieben &#8211; er bedarf sicher inzwischen einiger Überarbeitungen, Aktualisierungen und Richtigstellungen. Aber ich stelle ihn mal, aus sozusagen dokumentarischen Gründen, hier herein. &#8220;Satan! Satan!&#8221; haben mir schon oft Leute nachgerufen, wenn sie mich mit einem Pentagramm um den Hals gesehen haben. Die (sehr christlich geprägte) Freundin eines [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Diesen Text habe ich vor etwa zwei Jahren geschrieben &#8211; er bedarf sicher inzwischen einiger Überarbeitungen, Aktualisierungen und Richtigstellungen. Aber ich stelle ihn mal, aus sozusagen dokumentarischen Gründen, hier herein.</em></p>

<p>&#8220;Satan! Satan!&#8221; haben mir schon oft Leute nachgerufen, wenn sie mich mit einem Pentagramm um den Hals gesehen haben. Die (sehr christlich geprägte) Freundin eines Freundes machte sich Sorgen, daß ich Geister beschwören könnte, als sie mich eines Tages Karten legen sah. Dabei tragen viele Gothics das Pentagramm gar nicht als religiöses Statement, und die Karten funktionieren ohne jeglichen transzendenten Bezug. Es scheint, als riefen Symbole mit einer auch nur entfernt magischen Aura in unserer ach so aufgeklärten Zeit immer noch &#8211; oder wieder &#8211; ein altes Unbehagen wach, und das um so mehr, als heutige Menschen den Umgang mit dem, was ihr Alltagsbewußtsein nicht erfassen kann, in keiner Form mehr gewöhnt sind.<span id="more-21"></span></p>

<p>Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, das von vielerlei religiösen Einflüssen geprägt war: Vorstellungen der amerikanischen Ureinwohner, Neue Hexen, Transzendentale Meditation, Hinduismus, Buddhismus, Neo-Sannyasins &#8211; das Christentum bekam ich lediglich über den Religionsunterricht mit, den ich als Schülerin an einem Mädchengymnasium in katholischer Trägerschaft besuchen mußte (was ich damals allerdings ganz interessant fand, denn wir hatten eine wirklich liebe Relilehrerin, die interessante Sachen mit uns durchnahm). Vor allem aber faszinierte mich schon damals die griechisch-römische Götterwelt, die ich im Lateinunterricht kennenlernte.
Langer Rede kurzer Sinn: Irgendwie stand für mich nie in Frage, daß es so etwas wie eine &#8220;transzendente Welt&#8221; gibt. Ich mag allerdings den Begriff &#8220;Transzendenz&#8221; nicht sonderlich: er konnotiert für mich etwas von &#8220;Jenseits&#8221;, und gerade das Jenseits, der Himmel, die Erlösung außerhalb der Welt ist eine Vorstellung, die sich mit einer göttlichen Natur (zumindest für mich) nicht gut verträgt. Lieber ist mir daher der Begriff der &#8220;nichtalltäglichen Wirklichkeit&#8221;, der aus dem Neo-Schamanismus kommt. Wobei, was wäre, wenn es selbstverständlicher Bestandteil unserer Realität würde, den Weltenbaum herauf und herunter zu reisen oder unseren Hausgeistern eine Ziggi und einen Kurzen zu spendieren &#8211; wie &#8220;nichtalltäglich&#8221; wäre diese Realität dann noch?</p>

<h3>Heiden &#8211; ein schillernder Begriff</h3>

<p>&#8220;Paganus&#8221;, &#8220;Heide&#8221;, war in der römischen Spätantike die Bezeichnung für einen Nichtchristen, der nicht Jude war. Der Begriff hatte anfangs nur eine Konnotation von Ländlichkeit, später wurde ihm &#8211; teilweise bis heute &#8211; eine abwertende Färbung beigelegt.
Als Heiden bezeichen sich heute auch manchmal AtheistInnen ohne Kirchenzugehörigkeit. Diese Verwendung des Begriffs bezieht sich dann nur auf den Aspekt, keiner etablierten Religionsgemeinschaft anzugehören &#8211; etwas, das sie auf alle Fälle mit vielen religiösen Heiden gemeinsam haben. Moderne Heiden sind aber nicht nur durch das zu beschreiben, woran sie nicht glauben. Obwohl das heidnische Feld ein großes, heterogenes ist, in dem sich zahllose Gruppen, Grüppchen und Einzelpersonen tummeln, läßt sich doch einiges darüber genau sagen.</p>

<h3>Naturreligion</h3>

<p>Modernes Heidentum ist eine Naturreligion: Die Natur ist das Göttliche, das Göttliche ist in der Natur zu finden. Das Göttliche ist in dieser Welt. Es gibt keinen Gegensatz zwischen Göttern und der Welt; das Heil ist nicht jenseits dieser Welt zu finden, sondern genau in ihr. Darum wird das moderne Heidentum von manchen Religionswissenschaftlern als &#8220;Diesseitsreligion&#8221; beschrieben. Ein Begriff, der für meine Ohren einen etwas pejorativen Beiklang hat: Da klingt das abwertende Diktum von der &#8220;Spaßgesellschaft&#8221; mit, da assoziiere ich Materialismus und Egotrips. Und tatsächlich: der Körper, Sinnlichkeit, Lebensfreude und Lust (ob am Sex, am Essen, an Musik oder auch mal an einem Gewitterregen) sind Heiden heilig. Den meisten (von den braunen Odinskatholiken mal zu schweigen, keine Ahnung, wie&#8217;s bei denen aussieht. Ich will&#8217;s gar nicht wissen). Das mag für strenge Christen ein Schlag ins Gesicht sein, ist doch vieles, was Heiden heilig ist, ihnen eine Sünde. Heiden sind aber mitnichten Satanisten, die das, was im Christentum aus dem Ritual und aus dem Bereich des Heiligen verdammt wurde, nur deswegen zelebrieren, weil es eben Christen als Sünde gilt. Natürlich gibt es eine Menge Heiden, die christlich erzogen worden sind und sich davon erst einmal freimachen müssen. Und Heiden verehren nicht nur die &#8220;lichten&#8221; Aspekte der vielfältigen göttlichen Wesen. Was aber gut und was böse ist &#8211; wer bestimmt das letztendlich? Und wonach? Auch destruktive Mächte haben in der heidnischen Weltsicht ihre Notwendigkeit, ihren Platz und sogar ihre guten Seiten.
Viele Heiden gehen auch davon aus, daß es Wesen gibt, die sich unserer alltägliche Wahrnehmung meistens entziehen, wie Geister oder Feen, und daß Menschen mit diesen Wesen zusammenleben, ja sogar kooperieren können &#8211; eine Auffassung, die quer zu modernem Rationalismus steht und doch irgendwie sein verdrängtes Anderes zu sein scheint.</p>

<h3>Von Göttern und Menschen</h3>

<p>Es gibt soviele Spielarten der heidnischen Religion, wie es Heiden gibt, könnte ich jetzt sagen. Heiden können pan(en)theististisch sein (es gibt eine universale göttliche Kraft, die in allem wirkt) oder polytheistisch (es gibt viele Götter) oder auch viele Schattierungen dazwischen einnehmen. Sie können Götter als Symbole begreifen oder als tatsächlich vorhandene Wesen. Zum weitgespannten heidnischen Feld gehören aber auch Leute, die sich mehr an schamanischen und animistischen Vorstellungen orientieren und für die Göttinnen und Götter weniger bedeuten. Heiden können sich auf die Mythologie einer bestimmten Kultur beschränken oder eklektisch arbeiten, das heißt, Wesenheiten aus verschiedensten Kulturen in ihre Praxis einbeziehen. Sie können vorgeben, traditionell zu arbeiten (was meines Erachtens problematisch ist, da wir nur in den Ausnahmefällen, in denen eine polytheistische oder animistische Tradition bis heute überlebt hat &#8211; was meist den einigen Zeitgenossen unangenehmen Nebeneffekt hat, daß man sie sich nicht einfach beliebig aneignen kann &#8211; wirklich Gesichertes über solche Traditionen wissen), oder sich ganz klar bewußt sein, daß ihre Religion eine Neuschöpfung ist.</p>

<p>Soviel als erste, wirre Gedanken zu dem Thema. To be continued&#8230;</p>

<h2>Links zum Thema</h2>

<p><a href="http://www.rabenclan.de/" target="_blank">Der Rabenclan</a></p>

<p><a href="http://www.nornirsaett.de/" target="_blank">Nornirs Aett</a> &#8211; &#8220;Asatrú zum Selberdenken&#8221;</p>

<p><a href="http://www.derhain.de/" target="_blank">Der Hain</a> &#8211; ein kleines, nicht allzu oft upgedatetes Projekt, das aber interessante, kritische Texte zum Thema Heidentum bietet</p>

<p><a href="http://www.eibensang.de/" target="_blank"> eibensang.de</a> &#8211; die HP von Duke Meyer, einem Menschen, der wunderbar poetische Interpretationen der germanischen Götter schreibt und herrlich bissige Texte über braune Zeitgenossen und andere Danebenheiten</p>
 <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=21&amp;md5=6eb77eca6f741f8d91d2c33218c6e965" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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