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	<title>riesenheim&#187; paradigmata</title>
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	<description>thursas hallen</description>
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		<title>Was mich LARPer letztens lehrten</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Feb 2010 18:47:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essays]]></category>
		<category><![CDATA[paradigmata]]></category>
		<category><![CDATA[rekonstruktion]]></category>
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		<description><![CDATA[Letztens stie&#223; ich auf dieses geniale Video: Auch wenn das recht eindeutig eine Parodie ist, es brachte mich zum Denken. Was w&#228;re denn, wenn mensch, statt die Sprache der Na’vi zu lernen (obwohl Sprache &#8211; schon in der Grammatik &#8211; Weltbild reflektiert) und sich blau anzumalen, versuchte, die Denkweise dahinter zu verstehen - und dieses [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Letztens stie&#223; ich auf dieses geniale Video:<br />
<object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="560" height="340" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/yk2vR8w2sjc&amp;hl=en_GB&amp;fs=1&amp;color1=0x2b405b&amp;color2=0x6b8ab6" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="340" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/yk2vR8w2sjc&amp;hl=en_GB&amp;fs=1&amp;color1=0x2b405b&amp;color2=0x6b8ab6" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Auch wenn das recht eindeutig eine Parodie ist, es brachte mich zum Denken.</p>
<p>Was w&#228;re denn, wenn mensch, statt die Sprache der Na’vi zu lernen (obwohl Sprache &#8211; schon in der Grammatik &#8211; Weltbild reflektiert) und sich blau anzumalen, versuchte, die Denkweise dahinter zu verstehen<br />
- und dieses Weltbild und die Mentalit&#228;t mehr oder weniger versuchsweise, im Sinne dessen, was unter Chaosmagiern als <em>paradigm piracy</em> bekannt ist, zu adoptieren? Bei <em>Avatar</em> &#8211; eine Fiktion, die ziemlich eng in den Beschr&#228;nkungen des Vorstellungsverm&#246;gens von Hollywoodfilmemachern bleibt &#8211; m&#252;&#223;te das noch ziemlich leicht fallen. <span id="more-101"></span><br />
Welcher Geist steckt hinter &#8220;Ich sehe dich&#8221; und &#8220;Ich fliege mit dir?&#8221; Wie f&#252;hlt es sich an, mit B&#228;umen und Tieren eine empathische Verbindung einzugehen? (Wobei es in <em>Avatar</em> immer nur um Tiere geht, die Na&#8217;vi beistehen: nicht andersherum.) Wie w&#252;rden wir leben mit der Gewi&#223;heit, da&#223; die, die vor uns waren, nicht einfach &#8220;weg&#8221; sind, da&#223; wir noch immer mit ihnen kommunizieren k&#246;nnen, da&#223; sie im Bewu&#223;tsein des Gro&#223;en Ganzen weiterleben &#8211; und wenn wir unser &#214;kosystem tats&#228;chlich, ernsthaft und konsequent als beseeltes lebendes Wesen betrachten w&#252;rden? Wie f&#252;hlt es sich an, einen Heimatbaum zu haben, der unersetzbar ist, nicht beliebig ausgetauscht werden kann?</p>
<p>LARP ist Theater, ist Spa&#223;, ist Tun-als-Ob. Genau das macht f&#252;r mich seinen Reiz aus. Im Spiel selbst, als Teilnehmer, ist kaum etwas l&#228;cherlich &#8211; weil es momentan, im Kontext des Spiels, eine Bedeutung gewinnt: wenn mich jemand mit einem Softball beschmei&#223;t und &#8220;Feuerball&#8221; ruft, ist das f&#252;r Au&#223;enstehende l&#228;cherlich, f&#252;r mich, wenn ich in der Rolle &#8220;drin&#8221; bin, nicht &#8211; weil es in der Rolle Konsequenzen hat, die ich ausagiere, was mit einer gewissen Identifikation glaubw&#252;rdiger ist und auch einfach mehr Spa&#223; macht. Wenn mich jemand in der U-Bahn mit einem Softball bewirft, dann halte ich ihn f&#252;r gaga. LARP fokussiert sich auf das, was physisch dargestellt werden kann – die Geisteshaltungen dahinter interessieren die meisten wohl h&#246;chstens unter dem Gesichtspunkt der glaubw&#252;rdigen Darstellung.<br />
Meine Art von flexibler Gestaltung von Paradigmata geht, wie aus meinen Fragen von oben hervorgeht, &#8220;vom anderen Ende&#8221; an die Sache heran. Zwar kann ich auch eine rituelle Form nehmen und probieren, ob sie f&#252;r mich funktioniert; wichtiger ist aber das &#8220;Innenleben&#8221;: Mentalit&#228;t und Weltbild. Und um wiederum an diese (und nicht die verzerrte R&#252;ckw&#228;rtsprojektion, die uns Nationalisten etwa von vorchristlichen eruop&#228;ischen Kulturen servieren wollen) zu kommen, ist es sehr hilfreich, sich nicht nur mit den f&#252;r uns immer interpretationsbed&#252;rftigen Quellen, sondern auch mit der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion auseinanderzusetzen.</p>
<p>Paradigm Piracy, das bewu&#223;te “Adoptieren” von Weltbildern, zwischen denen ich je nach Kontext hin und her schalte oder die parallel existieren k&#246;nnen, ist eine Sache, die ich selbst nicht willentlich praktiziere; aber sie schlie&#223;t Ernsthaftigkeit und Verbindllichkeit nicht aus. Was sie aber per definitionem ausschlie&#223;t, ist: Ausschlie&#223;lichkeiten, Verbissenheit, Fundamentalismus, buchst&#228;bliche Interpretation von &#8220;heiligen Schriften&#8221;, die “eine Wahrheit”. In diesem Sinne war sie etwas sehr wichtiges f&#252;r mich und war die Bedingung, da&#223; mein Polytheismus &#252;berhaupt anfangen konnte zu funktionieren.<br />
Da&#223; meine Spiritualit&#228;t heute so ticken kann, wie sie tickt, liegt an ein paar weiteren Grunds&#228;tzen:</p>
<ul>
<li>Ob etwas &#8220;wahr&#8221; und &#8220;beweisbar&#8221; ist, z&#228;hlt in gewissen Zusammenh&#228;ngen nicht, sondern: ob es n&#252;tzlich und poetisch ist, ob es mir <em>in diesem Zusammenhang</em> weiterhilft.</li>
<li>damit zusammenh&#228;ngend: <em>suspension of disbelief</em>: wo ich mich auf ein alternatives Weltbild einlasse, stelle ich das in unserer Gesellschaft dominante Paradigma solange zur&#252;ck, und das kann ich dank</li>
<li>klarer Grenzen zwischen den Realit&#228;ten. Deshalb ist es mir z.B. wichtig, da&#223; Rituale einen klaren Anfang und ein klares Ende haben. Das kann durch so einfache Dinge hergestellt werden wie da&#223; ich einmal um den Raum gehe und rassele. Und last not least:</li>
<li>wei&#223; ich, wann welches Paradigma das angemessene ist.</li>
</ul>
<p>&#8220;Aus einem Gu&#223;&#8221; ist mein Weltbild schon lange nicht mehr, bzw. war es nie. Ich wei&#223;, da&#223; es l&#252;ckenhaft, bisweilen in sich widerspr&#252;chlich ist. Das ist auch das sogenannte naturwissenschaftliche Weltbild, das ist wohl jedes Weltbild. Meine Weltbilder sind, so mein Gef&#252;hl, hinreichend tragf&#228;hig und erkl&#228;ren mir genug, da&#223; ich mein Leben gr&#246;&#223;tenteils sinnvoll deuten kann. Und das ist eine St&#228;rke: denn mit einem widerspruchsfreien, l&#252;ckenlosen Weltbild zu leben, hie&#223;e f&#252;r mich in letzter Konsequenz, fundamentalistisch-rechthaberisch-lernunf&#228;hig bis paranoid zu sein und in einer Welt ohne Geheimnis, Tr&#228;ume und Poesie zu leben.</p>
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