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	<title>riesenheim&#187; rezension</title>
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		<title>Gelesen: Urs Mattmann, Coming In. Spiritualität für Schwule und Lesben</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 15:14:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Religion, gerade in christlichen Ausprägungen, ist für viele Schwule und Lesben ein rotes Tuch. Vielen erscheint es als die einzige vernünftige Wahl, mit dem Coming Out alle Religiosität über Bord zu werfen und sich fortan einem diesseitig-hedonistischen Leben ohne spirituelle Dimension zu verschreiben. Abgesehen davon, daß das, wie Christian de la Huerta (sein Buch wurde hier <a href="2008/10/christian-de-la-huerta-coming-out-spiritually-the-next-step/">bereits rezensiert</a>) es formuliert, bedeutet, das Kind mit dem Taufwasser auszuschütten, übersieht man in dieser Haltung leicht, daß viele christliche Geistliche mittlerweile keine theologische Rechtfertigung für Homophobie mehr sehen. 
Dies ist die Voraussetzung, auf der Urs Mattmann, selbst schwuler Geistlicher und Therapeut, seine &#8220;Spiritualität für Schwule und Lesben&#8221; aufbaut. Um die theologische Rechtfertigung geht es in seinem Buch nicht. Für Mattmann ist Homosexualität ein Potential, mit dem &#8220;besondere Berufungen, Qualitäten und Aufgaben für homosexuelle Menschen in ihrer Entfaltung und am Dienst an der Welt impliziert sind&#8221;. Ihm geht es um eine gelebte Spiritualität:</p>

<blockquote>In den Gottesdiensten der Lesbischen und Schwulen Basiskirche in Basel (LSBK), die ich seit Jahren mitgestalte und in den Seminaren und Retraitenwochen meines &#8220;Projektes&#8221; C-Queer &#8211; Schwule und Lesben in christlicher Spiritualität kommt mir von lesbischen Frauen und schwulen Männern eine Sehnsucht entgegen. Eine Sehnsucht von Menschen, die ihre Sexualität bejahen, eine relevante Form von Glauben suchen und einen spirituellen Weg gehen wollen. (S. 15)
</blockquote>

<p>In zwölf Kapiteln entfaltet sich ein Themenspektrum von Homosexualität als Potenzial über &#8220;Coming Out als Sakrament&#8221; und den Umgang mit spezifisch schwullesbischen Verletzungen (vor allem durch Homophobie), gelebte Sexualität bis hin zu &#8220;Coming In&#8221; (meditative oder mystische Selbstbegegnung, als Gelegenheit, dem &#8220;Höheren Selbst&#8221; Raum zu geben und dadurch Rollenzwänge und destruktive Lebensmuster loszulassen), zum &#8220;Christusweg für Schwule und Lesben&#8221; und zu Formen spiritueller Gemeinschaften (auch dieses Kapitel ist sehr christentums-spezifisch und so vielleicht noch für Anhänger_innen anderer etablierter Religionen brauchbar &#8211; wer seine Spiritualität außerhalb etablierter Strukturen lebt, wird selbst herausfinden müssen, welche Optionen es in puncto Gemeinschaft gibt). <span id="more-166"></span>Eine Adressen- und eine kommentierte Literaturliste runden das Buch ab. Es ist überdies als Arbeitsbuch angelegt, jedes Kapitel endet mit Fragen zur Reflexion, Übungen und Gebeten.</p>

<p>Mattmann schöpft in diesem sehr persönlichen Buch immer wieder aus seiner eigenen Erfahrung. Daß er auch vor dem Hintergrund seiner eigenen evangelikalen Kindheit sich mit der Problematik fundamentalistischer Gruppen auseinandergesetzt hat, läßt den Eindruck entstehen, daß er zumindest in den protestantischen Denominationen die Problematiken kennt. (Katholische Zustände werden leider kaum diskutiert.) Es scheint hier und da auch durch, daß die Schweizer Zustände, von denen Mattmann berichtet, sich von denen des deutschen Protestantismus merklich unterscheiden.</p>

<p><strong>Zur Kritik</strong>
Es geht in &#8220;Coming In&#8221; ausschließlich um sexuelle Orientierung. Die Differenzierung zwischen lesbischen und schwulen Erfahrungen wird kaum berücksichtigt, Fragen nach Geschlechtsidentität bzw. gender geraten ebenfalls kaum ins Blickfeld. &#8220;Queer&#8221; wird als Synonym für &#8220;lesbisch und schwul&#8221; verwendet, Bisexualität und trans* erfahren keine Würdigung. Beim Thema Beziehungen wird die christliche Werteperspektive überdeutlich; die  monogame Dauerbeziehung scheint ihm neben einem aus Berufung gelebten Zölibat leider die einzig heilige und auf Dauer gesunde Option zu sein.
Es stellt sich auch die Frage, ob der Ansatz &#8220;Homosexualität als Potenzial&#8221; nicht problematisch essentialistisch ist, d.h. Schwule und Lesben auf eine Wesenhaftigkeit festlegt, die so vielleicht gar nicht zutreffend ist. (Siehe dazu meine Kritik am Gedanken spezifischer sozialer und spiritueller Rollen für Lesben und Schwule.) Mir stellt sich an diesem Punkt die Frage, wie problematisch oder unproblematisch der Gedanke einer fluiden Sexualität &amp; Geschlechtsidentität mit unscharfen Grenzen für Mattmann wäre.</p>

<p>Für mich als heidnische Leserin war die eindeutig christliche Perspektive über weite Strecken recht schwer verdaulich, obwohl das Buch sich mit einiger &#8220;Übersetzungsarbeit&#8221; sicher auch jenseits des Christentums als Arbeitsbuch gebrauchen läßt.
Interessant scheint mir jedoch der Gedanke, Coming Out als Sakrament zu feiern, den ich für mich übersetze: Coming Out spirituell begleiten und rituell, als Übergang, zu feiern.</p>

<p><strong>Fazit</strong>
&#8220;Coming In&#8221; hat das Verdienst, im deutschsprachigen Raum ein Pionierwerk zu sein. Trotz der auf das Christentum eingeschränkten Perspektive ist es ein Arbeitsbuch, das gerade schwulen und lesbschen Einsteiger_innen auf dem Gebiet der Spiritualität hilfreich sein kann  &#8211; wenn man denn bereit ist, als Nicht-Christ_in eine gewisse &#8220;Übersetzungsarbeit&#8221; zu leisten. Bi- und transsexuelle Leser_innen könnten sich von der auf Schwule und Lesben fokussierten Perspektive und von der essentialistischen Sichtweise eher nicht angesprochen fühlen.</p>

<p><strong>Bibliographische Angaben</strong>
<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3466366070?ie=UTF8&#038;tag=camilkutznsch-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=3466366070">Coming In. Spiritualität für Schwule und Lesben</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=camilkutznsch-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3466366070" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> (Amazon-Partnerlink), Kösel 2002</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=166&amp;md5=54c79f38a508db53734c8e4c0a5aa15a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Gelesen: Kimeron N. Hardin, The Gay &amp; Lesbian Self Esteem Book</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 04:30:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Selbstwertgefühl, könnte man meinen, ist eigentlich für fast jeden Menschen in unseren westlichen Kulturen ein Thema. Muß es da ein explizit schwullesbisches Buch zu diesem Thema geben? Kimeron N. Hardins Antwort in"The Gay and Lesbian Self-Esteem Book" (Amazon-Partnerlink) ist: Ja, denn die Selbstwertprobleme, mit denen sich Schwule und Lesben auseinandersetzen, sind oft durch spezifische ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Selbstwertgefühl, könnte man meinen, ist eigentlich für fast jeden Menschen in unseren westlichen Kulturen ein Thema. Muß es da ein explizit schwullesbisches Buch zu diesem Thema geben? Kimeron N. Hardins Antwort in&#8221;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/1572241314?ie=UTF8&#038;tag=riesenheim-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=1572241314">The Gay and Lesbian Self-Esteem Book</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=riesenheim-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=1572241314" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" />&#8221; (Amazon-Partnerlink) ist: Ja, denn die Selbstwertprobleme, mit denen sich Schwule und Lesben auseinandersetzen, sind oft durch spezifische gesellschaftliche Mechanismen bedingt. Darüber hinaus sei das Selbstwertgefühl von Schwulen und Lesben mehr als das von Heterosexuellen ständig unter Belagerung.</p>

<p>Ein gesundes Selbstwertgefühl kann, so Hardin, ganz wesentlich dazu beitragen, mit Beziehungen und Gefühlen konstruktiv umzugehen, das eigene Potential zu entfalten, selbstzerstörerisches Verhalten zu vermeiden, Belastungen auszuhalten sowie Entscheidungen zu treffen, die von realistischer Wahrnehmung, Selbstvertrauen und Autonomie statt vom Weg des geringsten Widerstandes, Ängsten oder verinnerlichten Zwängen geprägt sind. Es macht auch, so impliziert das Buch, resistenter gegen die spezifischen Belastungen, denen Lesben und Schwule in einer immer noch heterozentristischen <sup class='footnote'><a href='#fn-160-1' id='fnref-160-1'>1</a></sup> gesellschaftlichen Situation ausgesetzt sind. Diese Resistenz macht politische Aktion jedoch nicht unnötig, im Gegenteil: sie kann Ausdruck gesunden Selbstbewußtseins sein, ja sogar helfen, dieses erst herzustellen. <span id="more-160"></span></p>

<p>Hardins theoretische Basis ist die kognitive Verhaltenstherapie. Auf der Basis dieses Modells leitet sein Buch dazu an, wie man den eigenen destruktiven Selbstgesprächen, die eine gesunde Selbstliebe unterminieren, auf die Spur kommt, wie man prägende Einflüsse aufdecken und ihre Macht verringern kann, wie man das unbewußte Regelwerk, nach dem man sein Leben führt, Schritt für Schritt bewußt verändern kann. Aber auch Techniken, um lange unterdrückte Emotionen zu ihrem Recht kommen zu lassen, haben ihren Platz, ebenso wie Erläuterungen zu Systemen, die jeden Menschen in westlichen Gesellschaften irgendwann geprägt haben: Erziehung, Schule, peer groups, Medien und Politik. Ein eigenes, sehr differenziertes Kapitel ist Spiritualität und Religion gewidmet und ein letztes gibt denen, die an der Überwindung von Selbstwertproblemen mit der Hilfe eines/r TherapeutIn arbeiten wollen, Rat zur Suche nach geeigneten Profis.</p>

<p>Daß im Titel nur von &#8220;Gay &amp; Lesbian&#8221; die Rede ist, ist tatsächlich korrekt, denn Trans* und Bisexuelle werden nicht erwähnt &#8211; in ersterem Fall wird es sicherlich der Tatsache gerecht, daß die Selbstwertproblematiken von Trans* möglicherweise abermals anders gelagert sind; daß Bisexuelle außen vor bleiben, ist jedoch schade.
Angenehm an Hardins Buch ist die Nachvollziehbarkeit der Erklärungen; man merkt, daß er auf dem Boden sowohl psychotherapeutischer Erfahrung als auch einer wissenschaftlichen Grundlage steht. Seine Sprache ist klar und alltagsnah und auch nicht-muttersprachlichen Leser_innen verständlich. Esoterische Wolkigkeit, Schuldzuweisungen oder Stereotypen fehlen wohltuend.
Positiv aufgefallen ist mir auch, daß er eine Balance zwischen den positiven Seiten schwullesbischer Communities und der Kritik an ihnen wahrt; dies alles auf eine Weise, die sich auf die Evidenz aus zahlreichen Fallbeispielen stützt.</p>

<p>&#8220;The Gay &amp; Lesbian Self Esteem Book&#8221; ist ein Arbeitsbuch, für das mensch sich Zeit nehmen sollte. Um es wirklich zu nutzen, braucht es nicht nur Geduld, sondern auch die Bereitschaft, die vorgeschlagenen Reflexionen und Übungen regelmäßig zu machen.
Man merkt dem Buch an, daß die gesellschaftliche Situation in Amerika eine andere ist: Nicht nur die Empfehlungen zur Suche nach TherapeutInnen oder das Kapitel über Religion und Spiritualität unterscheiden sich sehr (und nicht unbedingt positiv) von den deutschen Verhältnissen. Würde dieses überaus hilfreiche Buch ins Deutsche übersetzt (was sehr zu wünschen wäre), wäre eine Anpassung der genannten Kapitel an hiesige Verhältnisse wünschenswert.</p>

<p>Für jeden, der den Mut, die Disziplin und die Ausdauer hat, an sich zu arbeiten, und wenig Mühe damit hat, auf Englisch zu lesen, bietet dieses Buch eine brauchbare und pragmatische Anleitung zur Selbsthilfe.</p>

<p>Hier die bibliographischen Daten noch einmal:
Hardin, Kimeron N., <strong>The Gay and Lesbian Self-Esteem Book: A Guide to Loving Ourselves</strong>. New Harbinger Publications, 1999.</p>

<div class='footnotes'><div class='footnotedivider'></div><ol><li id='fn-160-1'>Den Begriff &#8220;Heterozentrismus&#8221; prägt Hardin für das Verhalten der Mehrheitsgesellschaft, die nicht-heterosexuelle Lebensweisen nach Kräften ignoriert und nicht wahrnehmen will. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-160-1'>&#8617;</a></span></li></ol></div>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=160&amp;md5=bbe87c06378956f0d2183d112dbc9434" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Gelesen: Birgit Neger, Moderne Hexen und Wicca. Aufzeichnungen über eine magische Lebenswelt von heute</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Mar 2010 16:23:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf meinem Alltags-Allzweck-Blog ryuu.de hatte ich versprochen, daß ich meine Leseeindrücke von Birgit Negers "Moderne Hexen und Wicca: Aufzeichnungen über eine magische Lebenswelt von heute" (Affiliate-Link) zum besten gebe, wenn ich es ausgelesen habe.

Eine ausführliche Rezension, der ich mich anschließen kann, gibt es bereits auf der Seite der Nornirs Aett: Ein Buch, das eine ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf meinem Alltags-Allzweck-Blog <a href="http://ryuu.de">ryuu.de</a> hatte ich versprochen, daß ich meine Leseeindrücke von Birgit Negers <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3205783506?ie=UTF8&#038;tag=riesenheim-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=3205783506">&#8220;Moderne Hexen und Wicca: Aufzeichnungen über eine magische Lebenswelt von heute&#8221; (Affiliate-Link)</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=riesenheim-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3205783506" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> zum besten gebe, wenn ich es ausgelesen habe.</p>

<p>Eine ausführliche Rezension, der ich mich anschließen kann, gibt es bereits auf der Seite der Nornirs Aett: <a href="http://www.nornirsaett.de/ein-buch-das-eine-lucke-fullt-birgit-neger-moderne-hexen-und-wicca/">Ein Buch, das eine Lücke schließt</a>. <span id="more-110"></span>
Ich will hier noch einmal hervorheben, was mir positiv aufgefallen ist: Erstens war es sehr informativ, einmal den Mythos von den &#8220;neun Millionen verbrannten Hexen&#8221; und der &#8220;Vernichtung der weisen Frauen&#8221; dekonstruiert zu finden; zweitens war das die erste sachlich-kritische Darstellung einer Geschichte des Wicca, die ich gelesen habe. Und darüber hinaus gab es einige Klarstellungen, bei denen ich am liebsten laut &#8220;Ja, ja, JA!!!&#8221; gerufen hätte: so etwa die Klarstellungen zu den Begriffen &#8220;Esoterik&#8221; und &#8220;Magie&#8221;, aber auch bei ihrer Annhäherung an den Begriff der Hexe. Viel Material zum Denken sind die &#8220;10 Porträts&#8221;, die den letzten Teil des Buches bilden: hier wird deutlich, wie durchdacht und individuell moderne Hexen ihre Spiritualität leben.</p>

<p>Der Fokus des Buches liegt auf dem Hexentum und auf Wicca. Rekonstruktionistische Strömungen wie Asatrú und Celtoi, die meiner Erfahrung nach anders funktionieren, werden nicht so stark berücksichtigt &#8211; aber das ist möglicherweise eine andere Baustelle.</p>

<p><strong>Full Disclosure:</strong> ich kannte die Autorin persönlich, bevor ich ihr Buch gelesen habe.</p>

<p>Hier noch einmal die bibliographischen Daten: 
<strong>Birgit Neger:</strong> Moderne Hexen und Wicca. Aufzeichnungen über eine magische Lebenswelt von heute. Wien, Köln, Weimar (Böhlau Verlag) 2009, 208 S.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		<title>Gelesen: Luisa Francia, Zaubergarn.</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jan 2010 17:37:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Magie, das ist der Paukenschlag zum Auftakt dieses kleinen Bändchens, ist keine erlernbare Technik. Magie ist für Luisa Francia Kommunikation mit allen Wesen über das hinaus, von dem uns die Wissenschaft erzählen will, es sei möglich und vernünftig. Immer wieder dreht sich das schmale Bändchen um Singen und Hören, Sprache und Wirklichkeit, um das ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Magie, das ist der Paukenschlag zum Auftakt dieses kleinen Bändchens, ist keine erlernbare Technik. Magie ist für Luisa Francia Kommunikation mit allen Wesen über das hinaus, von dem uns die Wissenschaft erzählen will, es sei möglich und vernünftig. Immer wieder dreht sich das schmale Bändchen um Singen und Hören, Sprache und Wirklichkeit, um das gelassene Entdecken des Wissens, das sich aus der immer schon dagewesenen Verbindung mit dem Rest des Universums &#8211; vom menschlichen Gegenüber über die Heilpflanze bis zum Virenstamm &#8211; ergibt. Immer geht es um das Finden des Eigenen, nie um die Einweihung in irgendeine höhere Wahrheit, wie es Francia überhaupt wunderbar gelingt, der üblichen Metaphorik der Esoterik aus dem Weg zu gehen. Hier muß nichts erarbeitet werden, frau muß nichts entwickeln oder trainieren: es ist alles immer schon da, auf die Langsamkeit, die Stille, das Einlassen auf die feine Wahrnehmung, die Gelassenheit, ja auch: das Nicht-Tun kommt es an. 
Den letzten Teil des Buches nehmen drei kurze Neu-Erzählungen von Märchen (zu Tränen gerührt hat mich das erste, &#8220;Die Geschichte vom König und der wilden Frau&#8221;) und Ritualfotos von Inea Gukema ein. 
Wie gewohnt bewegt sich Luisa Francia assoziativ von einem Phänomen zum nächsten und umkreist das zentrale Thema eines jeden Kapitels mehr, als es in einer linearen Abfolge zu erörtern. Ich habe dieses Buch an wenigen Abenden gelesen, es liest sich leicht und doch nicht substanzlos; eine wunderbar poetische, nahrhafte Ermutigung zum Spinnen der eigenen Wirklichkeit.</p>

<p>Luisa Francia: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3881041907?ie=UTF8&#038;tag=camilkutznsch-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=3881041907">Zaubergarn</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=camilkutznsch-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3881041907" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> (Amazon-Partnerlink). München: Frauenoffensive, 1989.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://riesenheim.net/?flattrss_redirect&amp;id=88&amp;md5=a930f4cdf4fcae1af587304567f0d8f7" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://riesenheim.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Gelesen: Luisa Francia, Der Rest Deines Lebens beginnt JETZT</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Jun 2009 22:01:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<description><![CDATA[Dieses Buch habe ich vor gut zwei Jahren gelesen und hole es immer noch gerne aus dem Regal, vor allem, wenn mal wieder ein Ritual zu gestalten ist und ich Inspiration suche.

"Der Rest Deines Lebens beginnt JETZT" ist eine Aufforderung, alles in Frage zu stellen, aus einer anderen Perspektive zu sehen und Skepsis in ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieses Buch habe ich vor gut zwei Jahren gelesen und hole es immer noch gerne aus dem Regal, vor allem, wenn mal wieder ein Ritual zu gestalten ist und ich Inspiration suche.</p>

<p>&#8220;Der Rest Deines Lebens beginnt JETZT&#8221; ist eine Aufforderung, alles in Frage zu stellen, aus einer anderen Perspektive zu sehen und Skepsis in Freiheit zu wandeln, wie man sie von Luisa Francia schon gut kennt. Insofern also eigentlich nichts Neues; Francias Perspektive ist zudem die einer weißen, heterosexuellen deutschen Frau, die in den Siebzigern und Achtzigern die Frauenbewegung und die Bewegung der Neuen Hexen mitgeprägt und -getragen hat. Die Sicht z.B. von Lesben, von anderen Generationen und anderen Lebensentwürfen kommt nicht vor und für mich erfordert das immer wieder Übersetzungsarbeit oder auch Distanz.
Dieser &#8220;Aufguß&#8221; glänzt allerdings dadurch, daß immer wieder ihre Reiseerfahrungen einfließen, eine eurozentristische Sicht dadurch vermieden wird, daß immer wieder Erfahrungen aus Indien, Afrika, Tibet einfließen. Und wie üblich sucht mensch esoterisches Geseier vollkommen vergebens: pragmatisch und lustvoll geht es zu in der Magie, die Francia beschreibt, eine sinnliche, irdische Magie, die an nichts glauben muß und jeder strebsamen Logik der Höherentwicklung, Disziplin und Dominanz ein Schnippchen schlägt.</p>

<p>Die &#8220;eigentlichen&#8221; Ritualanleitungen (denn uneigentlich gehören die Kapitel, die ihnen vorangehen, dazu) sind sehr kurz, selten länger als eine Seite. Doch im Unterschied zu den Tanzritualen in &#8220;Mond Tanz Magie&#8221; ist gerade das ihre Stärke, sie sind weniger komplex, fordern weniger eine Gruppe, die längerfristig gemeinsam arbeitet, sind &#8211; obwohl dann und wann einmal Helferwesen gerufen werden &#8211; hochgradig skeptikertauglich. Zugleich (so ist meine Einschätzung) können sie durchaus abendfüllend sein. Einige Rituale sind für Gruppen entworfen, andere sollen ausdrücklich allein durchgeführt werden.
Obwohl Francias Perspektive radikal gynozentrisch ist, sind die Rituale auch für Männer geeignet. Wer ausführliche &#8220;Ritualrezepte&#8221; oder das nächste Handwerksbuch für Junghexen sucht, ist mit diesem Buch falsch, wer jedoch bereit ist, sich auf ihr Durcheinanderschütteln der üblichen Phrasen und eine Magie einzulassen, die in dem steckt, wie wir die Welt tagtäglich sehen, der ist mit diesem Buch gut bedient.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		<title>Hans Stucken: Das Seidhr Handbuch. Eine Einführung</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Oct 2008 19:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hamburg: Daniel Junker Verlag, 2006; ISBN: 3938432047

Hans Stucken will mit seinem Seidhr Handbuch einen Beitrag zu einer "gemeinschaftlichen kulturellen Entwicklung" auf dem Gebiet des Seidhr leisten. (1) Er hat eine angenehm und flüssig lesbare Überblicksarbeit geschrieben und leistet dabei eine relativ systematische und konsistente Begriffsklärung, die sich über das nordische Modell der Seele und ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hamburg: Daniel Junker Verlag, 2006; ISBN: 3938432047</p>

<p>Hans Stucken will mit seinem <em>Seidhr Handbuch</em> einen Beitrag zu einer &#8220;gemeinschaftlichen kulturellen Entwicklung&#8221; auf dem Gebiet des Seidhr leisten. (1) Er hat eine angenehm und flüssig lesbare Überblicksarbeit geschrieben und leistet dabei eine relativ systematische und konsistente Begriffsklärung, die sich über das nordische Modell der Seele und die Kosmologie der Neun Welten erstreckt. Positiv fällt mir auch der Mangel an Synkretismus auf, der fast schon Purismus zu nennen ist; die Leserin wird hier nicht mit der so oft anzutreffenden Kreuzung mit anderen spirituellen Systemen (z.B. der Kabbala) behelligt.</p>

<p>Das Buch bleibt kurz und knackig – für meinen Geschmack allerdings zu kurz. <span id="more-43"></span>Für den doch nicht ganz so kleinen Preis hätte ich mir etwas mehr als ein doch recht schmales Bändchen gewünscht. Vieles wird nur angerissen, mehr Ausführlichkeit hätte dem Buch gut getan, insbesondere hätte man aus den doch reichlich vorhandenen Quellen mehr machen können. Auch die Ritual- und Übungsanregungen sind für ein Handbuch, das erklärtermaßen in die Praxis einführen will, etwas knapp geraten.</p>

<p>Das Buch wirkt teilweise etwas unstrukturiert, z.B. steht &#8220;Die Trommel&#8221; etwas verloren zwischen &#8220;Selbsterkenntnis&#8221; und &#8220;Zahlensymbolik&#8221;; eine deutlichere Gliederung wäre nicht verschwendet gewesen.</p>

<p>Bisweilen wirken die häufigen Warnungen und Ermahnungen nervig und abschreckend – trotz der Annahme Stuckens, daß nur solche Leute Seidhr praktizieren sollten, die sich davon nicht abschrecken lassen. Auch die Übungsanleitungen wirkten (ganz den ständigen Ermahnungen zur Disziplin entsprechend) beim Lesen etwas &#8220;trocken&#8221; auf mich, sie machten wenig Lust, mich einfach hinzusetzen und sie auszuprobieren. Zur Schulung der Imagination gibt es definitiv lustvollere Anleitungen, die mit weniger erhobenem Zeigefinger daherkommen, z.B. Jan Fries’ &#8220;Visual Magick&#8221;.</p>

<p>Eine sprachliche Kleinigkeit am Rande: es ist immer nur vom Seidhmann die Rede – gibt es keine Seidhfrauen? Allgemein hätte dem Buch ein liebevolleres Lektorat gut getan, der eine oder andere grobe Zeichensetzungsschnitzer trübt das Lesevergnügen und wäre mit einem Blick mehr vermeidbar gewesen.</p>

<p>Alles in allem jedoch ein Überblick, der trotz seiner Schwächen lesenswert ist. Es bleibt zu wünschen, daß diesem Buch Arbeiten nachfolgen, die die angeschnittenen Themen vertiefen, die Quellen ausführlicher diskutieren und noch mehr Übungs- und Ritualanregungen geben. Es bleibt der Eindruck, daß auf dem Gebiet des Seidhr noch viel spannende Arbeit wartet – als &#8220;standalone-Anleitung&#8221; erscheint dieses Buch jedenfalls etwas dünn.</p>

<p><a name="Fu.C3.9Fnoten"></a></p>

<h3><span class="mw-headline">Fußnoten </span></h3>

<ol class="references">
    <li id="_note-DefSeidhr">Zur Definition von Seidhr: „Seidhr ist die Ausübung okkulter Praktiken vor dem Hintergrund der nordisch-germanischen Mythologie“ (Stucken, S. 9). Mit „okkulten Praktiken“ meint Stucken die gesamte Bandbreite von Runenmagie über Galdr (magische Arbeit mit der Stimme) und quasi-schamanische Praktiken bis zur Spá-Reise. Kurt Oertels Begriffsklärung zufolge dient Seidhr „im Altnordischen ganz eindeutig [als] Oberbegriff für Magie insgesamt und faßt genau all jene […] Praktiken zusammen, die wir auch heute unter dem Begriff ‚Magie’ verstehen.“ (zitiert nach: Stucken, S. 11, die Passage dürfte aber auch in Oertels Aufsatz <a class="external text" title="http://www.seidhfeuer.de/offen/files/oertel1.pdf" rel="nofollow" href="http://www.seidhfeuer.de/offen/files/oertel1.pdf">&#8220;Seidhr und Völventum&#8221;</a> (pdf) zu finden sein.)</li>
</ol>
<p class="wp-flattr-button"></p>]]></content:encoded>
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		<title>Raven Kaldera: Hermaphrodeities. The transgender spirituality workbook</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Oct 2008 19:25:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Philadelphia Pa.: Xlibris Corp., 2001; ISBN: 1401027199

"Hermaphrodeities" ist eins der ganz seltenen Bücher zum Thema "transgender und Spiritualität". Über transgender, nicht schwullesbische Fragen; daß das zwei vollkommen verschiedene Paar Schuhe sind, stellt gleich das Vorwort klar. Es ist ein Buch vor allem für Menschen zwischen den Geschlechtern, aber auch wer sich eindeutig als männlich ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Philadelphia Pa.: Xlibris Corp., 2001; ISBN: 1401027199</p>

<p>&#8220;Hermaphrodeities&#8221; ist eins der ganz seltenen Bücher zum Thema &#8220;transgender und Spiritualität&#8221;. Über transgender, nicht schwullesbische Fragen; daß das zwei vollkommen verschiedene Paar Schuhe sind, stellt gleich das Vorwort klar. Es ist ein Buch vor allem für Menschen zwischen den Geschlechtern, aber auch wer sich eindeutig als männlich oder weiblich einordnet, kann daraus was mitnehmen.</p>

<p>Dieses Buch macht klar, daß es so viele Wege gibt, die althergebrachte männlich-weiblich-Dichotomie zu überschreiten, und so viele Arten, in denen sich Spiritualität, Geschlecht und Sexualität gegenseitig beeinflussen, daß es unmöglich ist, sie zu kategorisieren.<span id="more-36"></span></p>

<p>Kaldera stellt ein buntes Kaleidoskop von Mythen von den amerikanischen Ureinwohnern, aus Indien, von den Yoruba, aus der römischen und griechischen Mythologie zusammen, und entkräftet damit ganz beiläufig die Behauptung, Transsexualität sei ein modernes Phänomen. Die Mythologie wird ergänzt durch tonnenweise Anregungen für Diskussionsfragen, Kontemplation, Imagination, politische/soziale Arbeit und – last not least – Rituale. Einige der vorgeschlagenen Rituale und Aktivitäten brauchen ganz schön Mut und sind gut geeignet, liebgewonnene Ansichten über Geschlecht(er) und Sexualität durchzuschütteln; einige drehen sich um generelle Fragen von Geschlecht und Sexualität, während andere (z.B. Übergangsrituale) spezifisch für transgenders sind.</p>

<p>Es geht um so verschiedene Themen wie Intersexualität, den Übergang von männlich zu weiblich und umgekehrt, Crossdressing, Umgang mit dem Patriarchat, Heilung, community und Illusionen. Zu jedem Kapitel gehört ein Interview mit einem oder mehreren Menschen verschiedenen Geschlechts/verschiedener Sexualität und spiritueller Ausrichtung – eine wunderbare Demonstration der Vielfalt dessen, was zwischen männlich und weiblich alles lebt.</p>

<p>Spirituell liegt das Schwergewicht auf heidnischen Überzeugungen, aber ohne eine bestimmte heidnische Richtung zu bevorzugen.</p>

<p>“Hermaphrodeities” ist kein transgender-Coming Out-Buch und keine Einführung ins Heidentum. Um voll von diesem Buch zu profitieren, sollte man sich mit den Grundbegriffen von beidem schon etwas auskennen.</p>

<p>Die vorgestellten Rituale sind zum größeren Teil für Gruppen, die am besten sehr open minded sein sollten, nicht für Menschen, die allein arbeiten; die Diskussionsfragen setzen voraus, daß es überhaupt erstmal jemanden gibt, mit dem man sowohl transgender- als auch spirituelle Themen besprechen kann und möchte. Die Vorschläge für “outer world”, d.h. im weiteren Sinn politische Aktivitäten, sind bisweilen sehr spezifisch US-amerikanisch, in Europa muß, wer in dieser Hinsicht aktiv werden möchte, sich wohl auf ganz andere Bedingungen einstellen und eigene Ideen entwickeln.</p>

<p>Zusammenfassend: Ein interessantes und inspirierendes Buch, von dem eine deutsche Übersetzung ganz dringend zu wünschen wäre.</p>
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		<title>Christian de la Huerta: Coming Out Spiritually: The Next Step</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Oct 2008 17:27:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jeremy P. Tarcher, 1999, ISBN-10: 0874779669

Schwule, Lesben und Spiritualität? Lange war es undenkbar, das in einem Atemzug zu nennen. "Oh Gott, Religion! Teufelszeug, das uns Schwulen und Lesben immer Schuld und Ausgrenzung beschert.", zitiert die Siegessäule noch im Dezember 2006 - allerdings nicht unwidersprochen - die gängige Meinung ("Ich glaube schon", Siegessäule 12/2006, S. ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jeremy P. Tarcher, 1999, ISBN-10: 0874779669</p>

<p>Schwule, Lesben und Spiritualität? Lange war es undenkbar, das in einem Atemzug zu nennen. &#8220;Oh Gott, Religion! Teufelszeug, das uns Schwulen und Lesben immer Schuld und Ausgrenzung beschert.&#8221;, zitiert die Siegessäule noch im Dezember 2006 &#8211; allerdings nicht unwidersprochen &#8211; die gängige Meinung (&#8220;Ich glaube schon&#8221;, Siegessäule 12/2006, S. 13-21).</p>

<p>Christian de la Huerta befaßt sich unerschrocken trotzdem mit dem Thema. Er nimmt in der queer community einen Mangel wahr: “What is lacking in the queer community [...] is a real sense of self.” Dieser Mangel liegt für ihn im Verlust der Spiritualität begründet.</p>

<p>Angesichts der Verfolgung und Diskriminierung, die Schwule und Lesben durch etablierte Religionen erfahren haben und immer noch erfahren, sei Religion ein &#8220;turnoff&#8221; für viele.<span id="more-32"></span> Jedoch werde dabei oft das Kind mit dem Taufwasser ausgeschüttet, viele brechen nicht nur ihre Bindungen an religiöse Institutionen, sondern versuchen auch, ihre Spiritualität loszuwerden.</p>

<p>Spiritualität definiert er als &#8220;persönliche Verbindung zu etwas, das größer ist als wir selbst&#8221; (S. 6), die unabhängig von institutionalisierter Religion ist.</p>

<p>Im Gegensatz zu der Verteufelung, die etablierte Religionsgemeinschaften Schwulen und Lesben entgegenbringen, demonstriert de la Huerta an einer Fülle von Beispielen, welche speziellen spirituellen Funktionen „gay people“ („gay“ hier im übergreifenden Sinn von „homosexuell“) in vielen Kulturen der Welt übernommen haben und noch übernehmen: vom revolutionären „catalytic transformer“ über „consciousness scouts“ und „shamans and priests“ bis zu „gatekeepers“, die die Tore zu anderen Welten geöffnet halten. Insgesamt zehn archetypische Rollen von Schwulen und Lesben diskutiert er im ersten Kapitel, das den Titel „Walking between Worlds“ trägt.</p>

<p>Das zweite Kapitel, “Coming In”, dreht sich dagegen erst einmal um das zutiefst Persönliche, um die Frage, wie man, ganz unabhängig von Institutionen und gesellschaftlichen Rollen, für sich selbst den richtigen spirituellen Weg findet. De la Huerta stellt hier verschiedene Wege der Meditation vor, aber auch Bewegungspraktiken wie Yoga, T’ai Chi, Qi Gong, Tanz oder Labyrinthgehen. Auch Atemarbeit, Körperarbeit und Entheogene werden gewürdigt.</p>

<p>Sexualität ist das Zentrum des dritten Kapitels (“The Faces of Passion”); hier geht es um die Frage, wie man zu einer gesünderen Sexualität finden kann. Hier macht sich die schwule Perspektive am deutlichsten bemerkbar, lesbische und bisexuelle Erfahrungen finden leider wenig Raum.</p>

<p>Das vierte Kapitel, „Coming Out“ ist thematisch recht disparat. Coming Out, sowohl das schwule/lesbische als auch Coming Out im Sinne von „sich innerhalb der schwullesbischen Community als spiritueller Mensch zeigen“, steht neben der Frage, wie man Spiritualität in sein Leben integrieren kann und neben Ansätzen für eine gelebte Spiritualität. Letztere rangieren von Dankbarkeit als Haltung über Lektüre und Wildniserfahrung bis zum Engagement als spirituellem Weg.</p>

<p>Äußerst interessant ist auch der erste Anhang: Hier hat de la Huerta detailliert aufgeschrieben, was verschiedene Religionen zum Thema Homosexualität zu sagen haben. Er berücksichtigt dabei nicht nur die großen Weltreligionen, sondern auch Taoismus, Native Americans, Voodoo und Santería, neopagane Anschauungen und Wicca; man erfährt aber auch von den Bestrebungen von Schwulen und Lesben innerhalb der großen Religionen. Ein weiterer Anhang mit Adressen von Organisationen und Anbietern, von denen allerdings die meisten in den USA ansässig sind, rundet das Buch ab.</p>

<p>Die Stärke dieses Buches ist seine allumfassende Perspektive ohne Werturteile. Eine Vielfalt an Erfahrungen wird ausgebreitet, Menschen aus sehr verschiedenen spirituellen Richtungen kommen zu Wort. Ein überaus lesenswertes Buch, besonders für Menschen, die noch auf der Suche nach einer ihnen angemessenen Art der Spiritualität sind.</p>
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