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	<title>riesenheim&#187; riesen</title>
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		<title>Die Riesen und ich, oder wie diese Seite zu ihrem Namen kam</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Jan 2009 08:50:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>thursa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als ich gerade eingeschult war, wurde meine Mutter einmal zum Schuldirektor bestellt, der ihr dann in einem nahezu hysterischen Ton mitteilte: &#8220;Das Kind pa&#223;t sich nicht an!&#8221; Meine Mutter erz&#228;hlte mir das mit einer gewissen H&#228;me. Auch wenn ich nicht glaube und nie geglaubt habe, da&#223; Anpassung etwas Erstrebenswertes ist, ist etwas Wahres daran. Ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich gerade eingeschult war, wurde meine Mutter einmal zum Schuldirektor bestellt, der ihr dann in einem nahezu hysterischen Ton mitteilte: &#8220;Das Kind pa&#223;t sich nicht an!&#8221; Meine Mutter erz&#228;hlte mir das mit einer gewissen H&#228;me. Auch wenn ich nicht glaube und nie geglaubt habe, da&#223; Anpassung etwas Erstrebenswertes ist, ist etwas Wahres daran. Ich war tats&#228;chlich in meinem Leben oft eine Au&#223;enseiterin, habe mich geha&#223;t, seltsam, unverstanden und ausgeschlossen gef&#252;hlt. Fremdheit versus Zuhause-Sein: ein Lebensthema f&#252;r mich.</p>
<p>Was hat das mit Riesen zu tun? Eine ganze Menge.</p>
<p>Die Riesen: das sind die ungez&#228;hmten und unbez&#228;hmbaren Kr&#228;fte der Wildnis. Riesenhafte M&#228;chte sind nicht nur in der nordischen, sondern auch in der indischen und der griechischen Mythologie so etwas wie ein &#228;lteres G&#246;ttergeschlecht. Gerade in der nordischen Mythologie sind die Beziehungen zwischen Riesen, Asen und Wanen kein Schwarz-Wei&#223;-Bild, sondern sehr komplexer Natur. Ein Aufsatz von Diana Paxson machte mich darauf aufmerksam, da&#223; es bis in die Wikingerzeit hinein wahrscheinlich auch kultische Verehrung von Riesen gegeben hat<sup class='footnote'><a href='#fn-30-1' id='fnref-30-1'>1</a></sup> und brachte mich dazu, &#252;ber diese Wesen, die im allgemeinen als Bedrohung der Ordnung, als unkontrollierbare, unzivilisierte und chaotische M&#228;chte gesehen werden, neu nachzudenken.</p>
<p>Ich habe vom Herbst 2006 bis Sommer 2007 eine Phase heftigster Gef&#252;hle von Entfremdung, Seltsamkeit, Abwegig-Sein durchgemacht. Gef&#252;hle, die sich sehr intensiv um meine Spiritualit&#228;t und ein Nicht-Zuhause-Sein in der Form von Frauen- und G&#246;ttinnenspiritualit&#228;t, mit der ich mich bisher identifiziert hatte, drehten, aber auch mit meiner Sexualit&#228;t zu tun hatten &#8211; ich k&#228;mpfte sehr mit den Vorstellungen von M&#228;nnlichkeit und Weiblichkeit, die vielen Wegen, diese Spiritualit&#228;t zu leben, innewohnten. F&#252;r mich waren diese Wege nicht gangbar, und zugleich stellte ich meine Zweifel, meine K&#228;mpfe und mein heftiges Unwohlsein infrage. Stellte ich mich nur an? War ich &#252;bersensibel? &#220;berm&#228;&#223;ig pc, was <em>gender</em> anging? Warum verfing ich mich immer wieder in diesen aufreibenden Diskussionen um m&#228;nnlich und weiblich, maskulin und feminin und meine Unf&#228;higkeit, mit diesen Begriffen zu leben, sie zu akzeptieren und zu gebrauchen, wie es anscheinend jeder andere tat? (Und diese Worte durchzogen mein ganzes Leben &#8211; bis in so allt&#228;gliche Verrichtungen hinein wie die Bedienung einer Bohrmaschine.) Warum hatte ich das Gef&#252;hl, da&#223; weder die &#252;bliche &#8220;Frauenspiritualit&#228;t&#8221; noch das Mainstream-Heidentum queeren Leuten gerecht wurde?</p>
<p>Und da kamen die Riesen ins Spiel. In meiner notorischen Nicht-Angepa&#223;theit, mit meinem Infragestellen von Begriffskonstrukten, die anscheinend jeder mit gr&#246;&#223;ter Selbstverst&#228;ndlichkeit verwendete, ja sie f&#252;r die Wahrheit selbst hielt, in meinem Bed&#252;rfnis, bl&#246;de alte Stereotypen aufzul&#246;sen und dem heteronormativen Konsens subversiv zu Leibe zu r&#252;cken, f&#252;hlte &#8211; und f&#252;hle ich mich noch &#8211; den Riesen der nordischen Mythologie verwandt.<br />
In dem Moment, als ich das Fremdsein, ja sogar das Gef&#252;hl des Nicht-ganz-menschlich-Seins erst einmal f&#252;r mich akzeptiert hatte, entdeckte ich, da&#223; darin Kraft steckt. Die sich &#252;brigens wenige Tage, nachdem ich sie rituell akzeptiert hatte, in einer (bisher nicht wieder erreichten) Bestzeit auf 1000 Meter Schwimmen manifestierte.</p>
<p>Es waren letzten Endes genau die wilden Kr&#228;fte, ein See, ein Wald, eine Horde Wildsauen, die mir im Sommer 2007 bei einem útiseta das Gef&#252;hl, menschlich zu sein (und zwar, nach dem Status als Wesen, das die Erde bewohnt, zuerst einmal menschlich und dann alles andere), wiedergegeben haben. Trotzdem bin ich auch nach wie vor eine Riesenhafte.</p>
<p>Ich lebe also zwischen den Welten &#8211; eine Grenzg&#228;ngerin, die auf Diplomatie angewiesen ist. Ein nicht ganz ungef&#228;hrliches Unterfangen. Und doch waren und sind in vielen Kulturen Homosexuelle und &#8220;gender variants&#8221; diejenigen, deren besondere Gabe diese Art des Weltenwanderns ist: die Vermittlung zwischen der allt&#228;glichen Welt und den &#8220;nichtallt&#228;glichen Wirklichkeiten&#8221;.<sup class='footnote'><a href='#fn-30-2' id='fnref-30-2'>2</a></sup> Ich mag es nicht, auf eine &#8220;traditionelle Rolle&#8221;, sei die auch noch so ehrenvoll, festgeklopf zu werden. Doch hat mich diese Beobachtung ermutigt, mir das Recht zu diesem Weltenwandern zu nehmen.</p>
<p>So also kam ich zu meinem magischen Namen &#8211; und diese Seite, als meine pers&#246;nliche Texte-Grube, dann sp&#228;ter, als ich die Domain registrierte, mit zu dem ihren.
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-30-1'>Diana Paxson: <a href="http://www.hrafnar.org/norse/utgard.html" target="_blank">Utgard. The Role of the Jotnar in the Religion of the North</a>, urspr&#252;nglich erschienen in: MOUNTAIN THUNDER 5, 1992 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-30-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-30-2'>Vgl. z.B. Jenny Blain: Nine Worlds of Seid Magic: Ecstasy and Neo-Shamanism in North-European Paganism, bes. das Kapitel zum Thema <em>ergi</em>. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-30-2'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
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