Nov 24, 18:06
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schwanke ich, wenn ich dieser Tage von politischen Themen lese. Stichworte: Betreuungsgeld, Hochschulproteste (ja, ich halte die Proteste für bitter notwendig und in jeder Zeile gerechtfertigt), Zensursula (reloaded), der noch immer absurde Blüten treibende Abmahnwahn im Internet…

Der Mut und die Kraft, an irgendeiner Front zu kämpfen, gehen sang- und klanglos im Gefühl unter, mit meinem eigenen Scheiß schon über Gebühr gefordert zu sein, gepaart mit einem Impuls von “Rette sich, wer kann”, der sich einfach nur scheiße anfühlt. So wie: “Wenn ich nur genug schufte, genug raffe und geize, dann kann ich mir vielleicht irgendwo in diesem System eine ungestörte Nische ergattern.”

Und gerade lese ich auf Twitter, daß das besetzte Haus in der Brunnenstraße 183 geräumt wurde.
Ich bin gestern erst an dem Haus vorbeigegangen, habe mir gedacht: Ich könnte doch mal wieder schauen, ob ich nicht was habe, was da noch in gute Hände kommt (Krempel aussortieren ist für mich zur Lebensaufgabe geworden, will mir scheinen).

Da wirkt es geradezu lächerlich, daß ich gerade fühle, was für ein Schißhäschen ich immer noch bin, wenn es um Geld geht…

“Sheep eat men”, sagte Thomas Morus angesichts der Einfriedungen im 16. Jahrhundert, die England damals ein riesiges Armutsproblem bescherten.
Die Einfriedungen gehen weiter. Hier und heute. Und wer glaubt, daß es ihn nicht angeht, den kann es morgen schon kalt erwischen.

na, haste sempf dazu?

  1. Ja, ich habe Deinen Seitenhieb verstanden. Habe ihn mir ja auch redlich verdient …

    Denn die Lektion, dass das Versprechen “Wenn ich nur genug schufte, genug raffe und geize, dann kann ich mir vielleicht irgendwo in diesem System eine ungestörte Nische ergattern” eine Lüge ist, müsste ich nun wirklich auf die harte Tour gelernt haben. Es ist nicht für die eine Lüge, die es “geschafft” haben, sondern die Lüge besteht darin, dass “es” nicht zu schaffen ist – jedenfalls nicht ohne “Beziehungen”, ohne die Bereitschaft zur Korruption und zum faulen Kompromiss mit dem Unerträglichen, und die Bereitschaft, sich “normalisieren” zu lassen.

    Offensichtlich – das verrät schon ein Blick auf mein “Senfblog” – ist das nicht der Fall, sonst müsste ich ganz anders leben, sprechen, arbeiten, als ich es leider tue.

    MartinM · 28. November 2009, 11:24 · #

  2. Hallo Martin,

    einen Seitenhieb auf Dich wollte ich da gar nicht starten… nee, da reichten die Nachrichten über die Brunnenstraße 183 und was twitter mir sonst noch reinspülte.

    Ich habe diese Lektion auch noch nicht gelernt. Aber manchmal träume ich. Oft zweifle ich daran, daß das, was ich tue, relevant ist – oder ob es nicht im alten marxistischen Sinn ein “Nebenwiderspruch” ist.

    Ich mag Dein Blog, schreib bloß weiter so :)

    LG

    thursa

    thursa · 28. November 2009, 15:28 · #