Es tut mir gut, mir immer wieder Momente des Innehaltens zu verschaffen in meinem rastlos-getriebenen Alltag. Einer meiner Lieblingsplätze dafür ist die Eibe auf diesem Bild.

Auf meinem Weg zur Arbeit morgens dort vorbeizugehen, ein, zwei Minuten stehen zu bleiben, mich an ihren Stamm zu lehnen – das tut mir irre gut.
Da stagniere ich langelange vor mich hin und fühle mich, als könnte ich nicht vorwärts und rückwärts, auch nachdem die objektive Handlungsunfähigkeit wegen bürokratischer Hindernisse, Armut und Co. lange vorbei ist.
Und prompt stelle ich fest, daß da zwar Verpflichtungen sind, daß ich aber Ressourcen habe und irgendwie beginnen plötzlich Dinge Früchte zu tragen. Irgendwie ist mir grad danach, mein materielles Leben trotz meiner grundsätzlichen Schißhasigkeit mal neu in die Hand zu nehmen, wichtige Einzelheiten neu auszurichten – und schließlich auch endlich mal meine Wohnung bewußt zu gestalten, anstatt weiter mit meinen Providurien1, die irgendwann mal aus der Not entstanden sind, zu vegetieren. Ganz davon abgesehen, daß zumindest die Wände mal wieder gestrichen werden müßten.
Mir fiel dabei auf, daß ich da gerne “ich warte, bis ich xy getan habe” oder “erst muß ich aber” vorschiebe, was objektiv gar nicht so ist. Die letzten Tage habe ich tatsächlich Schritte weg vom immer nur Planen und “ich muß erst” hin zum tatsächlichen Handeln gemacht, und Junge, setzt das Energie frei! Irre.
1 Der Begriff stammt aus: Sascha Lobo, Kathrin Passig, Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin (meine wärmste Empfehlung an alle, die von ihrer Verpeiltheit genervt sind, sich vom Perfektionsanspruch üblicher Zeitmanagementliteratur aber überfordert fühlen) und bezeichnet Provisorien, die unvermutet zum Dauerzustand geworden sind. Etwas in meiner Familie leider geradezu pandemisches, das ich überhaupt nicht mehr ausstehen kann.
Diese Hyperaktive. Ich fühle mich an meinen freien Tagen gerade richtig in der Gegend herumgestoßen, soviel Impulse zur Aktivität sind da. Hallo! ich möchte vielleicht auch mal inaktiv sein dürfen, meditieren, in mich gehen… oder einfach vor einer Animefolge nach der nächsten vergammeln.
Ich glaube, ich schenke mir was zum Geburtstag: ein, zwei Tage Urlaub. Um mal diesem Berg an Ideen und Aktivität die Spitze zu nehmen. Echt ey. Ich komm so langsam nicht mehr mit.