… so fühl ich mich gerade…
Scheiß Vergangenheit, warum kriege ich dich nicht auseinandersortiert, so daß ich dich verstehe und mein Verhalten ändern kann? Warum muß mein Begehren, das kapriziöse wilde Tier, sich so vollkommen abseits von sauberen Kategorien bewegen, so unbeschreiblich sein, warum mußte es immer auf die anspringen, bei denen ich es als vollkommen unmöglich und hoffnungslos erlebte, sie zu gewinnen? Und wann habe ich angefangen, mich selbst zu zensieren?
sag was! [1]
… vorhin habe ich meine Bibliographie vervollständigt (auch die muslimische und buddhistische Ecke des Tellerrandes mal gestreift) und ein paar Nachweise recherchiert.
Zu letzteren: Boah, ich werde eine Menge Distanzierungsarbeit zu leisten haben. Dieses ganze esoterische Geschlechtsidentitäten abfeiern geht mir auf den Keks und auch Homos tun das.
Nicht daß ich was gegen eine positive Selbstbestimmung habe: ich konnte mal einer gynozentrischen feministischen Spiritualität viel abgewinnen. Und in einem Sinne, wie Distel sie beschreibt, finde ich sie nach wie vor notwendig. Für mich bedeutet das allerdings keinerlei Ausschließlichkeit. Denn die Ausschließlichkeit ist ein Problem für mich. Da wird das Ganze dann krampfig und bekommt viel zu enge Grenzen. Ich will dagegen was Offeneres, Freieres – viel Arbeit und immer ein Balanceakt. Aber ich habe ein recht genaues Gespür für das, auf was ich hinaus will.
Wo ich letztens über meinen Szenefrust schrieb, eine notwendige Klarstellung.
Da kamen nämlich (nicht auf diesem Blog, sondern anderenorts) so Antworten wie “Die Frauen, die Du suchst, sind …” – der Rest interessiert hier gar nicht.
Leute, ich suche keine Beziehung. Nicht jetzt.
Aber trotzdem tut diese alte Sache verdammt weh. Warum, darüber kann ich nur Vermutungen anstellen, eine davon lautet: Weil ich es nicht verstehe. Und ich schreibe mir mein Unbehagen von der Seele, weil ich mich weigere, darin 100% privates Unglück zu sehen. Ich will vielmehr dem auf den Grund gehen, was darin an Gesellschaft, Kultur und Klischees liegt, denn: denen kann ich, im Gegensatz zu persönlicher Tragik, mit Worten und Begriffen zu Leibe rücken.
Und ich kann das auch dann tun, wenn ich gerade nicht auf Partnersuche bin.
Ja, ich bin Single. Schon recht lange. Wahrscheinlich werde ich das auch noch ein paar Monat bleiben, mindestens. Daß ich das bin, bedeutet aber nicht, daß ich jetzt gerade eine Frau suche. Und das bedeutet auch nicht, daß ich mich nicht mit der Szene auseinandersetzen kann.
Über die Partnersuche hinaus habe ich das Bedürfnis, andere nicht-heterosexuelle Menschen zu kennen. Queere Freund_innen zu haben, empfinde ich als großen Gewinn, unabhängig davon, ob sie potentielle Partner_innen wären oder ich überhaupt gerade etwas in Richtung Liebesbeziehung oder Sex in meinem Leben haben will.
Und dafür, so ist meine Theorie, brauche ich irgendein queeres soziales Netz, in dem ich mich auch wohl fühle. Wie mir mein Stammtisch bewiesen hat, ist es gar nicht so verkehrt, das auch als öffentliche Institution zu haben, nicht nur als rein privates Netzwerk. Ich finde also die Idee einer Community an sich nicht verkehrt. So, wie die lesbische Szene sich mir zur Zeit darstellt, bin ich mit ihr in keiner Weise zufrieden und nehme mir das Recht heraus, sie zu kritisieren.
Utopisch wäre natürlich: daß die Szene überflüssig wird, weil in der Gesamtgesellschaft queer-sein so normal geworden ist und der unselige Heterozentrismus unserer Gesellschaft Geschichte geworden ist. Das sehe ich allerdings noch nicht.
Über die Wertigkeit von Beziehungen und Single-Sein in unserer Gesellschaft könnte ich auch noch einen langen, langen Aufsatz schreiben.