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Kategorie: Essays

Heidnische Praxis I: Priesterschaft? Ein paar Gedanken.

Angeregt einerseits durch Wurzelfraus Artikel über spirituelle Basisdemokratie, andererseits durch eine Unterhaltung mit einer katholischen Bekannten, die über Widersprüche in puncto Priesteramt für Frauen stolperte, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie das denn so mit der Priesterschaft im Heidentum aussieht.

Denn irgendwie scheint dieser Titel oder seine Äquivalente – „Gode“, „Druide“ etc. – auf Heiden immer noch eine gewisse Anziehungskraft auszuüben. Nun kam ich aus einer Ecke, die Hierarchien jeder Art ablehnt (meine erste Begegnung mit dem Thema Hexen waren die Bücher von Luisa Francia). In keiner Gruppe, in der ich je unterwegs war, gab es „Leiter“ oder „Hohepriester“. Ich meinte sogar manchmal das Gegenteil wahrzunehmen: Bloß keine Hierarchie, keine Struktur, und damit ging manchmal eine Tendenz zur Desorganisation einher, die dann an den Nerven zehrt, wenn eine tatsächlich etwas auf die Beine stellen, etwas tun möchte. (Spielregeln und Strukturen haben ihren Sinn. Wenn man nicht von selbst in eingefahrene Gleise, die allzu oft Machtstrukturen der etablierten Gesellschaft wiederspiegeln, verfallen will, dann muß man diese Regeln und Strukturen bewußt erarbeiten und regelmäßig bis laufend revidieren. Das nur als Seitengedanke.) Demgegenüber gibt es außerhalb der feministischen Hexenkreise auch sehr formalisierte Hierarchien, etwa im Wicca, wo Initiationen und Grade vergeben werden und die Befugnisse (z.B. Rituale leiten, Leute ausbilden, eigene Coven gründen) regulieren.

Priesterschaft in der griechischen Antike Demgegenüber war die Funktion der Priesterin, des Priesters oder was damit auch gleichgesetzt wird, in der vorchristlichen Welt wahrscheinlich oft unspektakulärer.

Ins Unreine gedacht: Queers und spirituelle Rollen

Kennt Ihr das Phänomen des sogenannten „positiven Rassismus“? Das besagt, kurzgefaßt: man schreibt einer bestimmten Gruppe von Menschen, meistens ethnisch oder über die Hautfarbe definiert, pauschal eine bestimmte positive Eigenschaft oder Fähigkeit zu. Etwa wie „Schwarze sind die geborenen Entertainer“ oder „Schwarze haben so ein tolles Rhythmusgefühl“.

Naiv mag mensch sich jetzt fragen, was daran schlimm sein soll. Zwei Dinge: erstens baut es eine Erwartungshaltung auf – was etwa, wenn der Schwarze jetzt gar keine Lust hat, Entertainer zu sein, weil er etwa lieber in der „ernsten“ Kunst was erreichen will? Und zweitens legt er auf eine bestimmte Rolle fest und kann durchaus Türen verbauen.

Was mich LARPer letztens lehrten

Letztens stieß ich auf dieses geniale Video:

Auch wenn das recht eindeutig eine Parodie ist, es brachte mich zum Denken.

Was wäre denn, wenn mensch, statt die Sprache der Na’vi zu lernen (obwohl Sprache – schon in der Grammatik – Weltbild reflektiert) und sich blau anzumalen, versuchte, die Denkweise dahinter zu verstehen – und dieses Weltbild und die Mentalität mehr oder weniger versuchsweise, im Sinne dessen, was unter Chaosmagiern als paradigm piracy bekannt ist, zu adoptieren? Bei Avatar – eine Fiktion, die ziemlich eng in den Beschränkungen des Vorstellungsvermögens von Hollywoodfilmemachern bleibt – müßte das noch ziemlich leicht fallen.

Heidentum: Eine ganz persönliche Darstellung

Diesen Text habe ich vor etwa zwei Jahren geschrieben – er bedarf sicher inzwischen einiger Überarbeitungen, Aktualisierungen und Richtigstellungen. Aber ich stelle ihn mal, aus sozusagen dokumentarischen Gründen, hier herein.

„Satan! Satan!“ haben mir schon oft Leute nachgerufen, wenn sie mich mit einem Pentagramm um den Hals gesehen haben. Die (sehr christlich geprägte) Freundin eines Freundes machte sich Sorgen, daß ich Geister beschwören könnte, als sie mich eines Tages Karten legen sah. Dabei tragen viele Gothics das Pentagramm gar nicht als religiöses Statement, und die Karten funktionieren ohne jeglichen transzendenten Bezug. Es scheint, als riefen Symbole mit einer auch nur entfernt magischen Aura in unserer ach so aufgeklärten Zeit immer noch – oder wieder – ein altes Unbehagen wach, und das um so mehr, als heutige Menschen den Umgang mit dem, was ihr Alltagsbewußtsein nicht erfassen kann, in keiner Form mehr gewöhnt sind.

Manifest für ein Netzwerk queerer Heiden und Hexen

Dieser Text entstand im Herbst 2007 als erklärender Text für das Regenbogenhain-Wiki. Ich hoffe, Ihr verzeiht mir meinen akademischen Ton, aber anders wollte das damals nicht auf den Datenträger fließen.

Religion scheint oft ein Hort von konservativen, queer-feindlichen Anschauungen zu sein, wenn man das öffentliche Bild betrachtet. Auch in der Szene der alternativen Spiritualität ist die Heteronorm – wenn auch scheinbar subtiler – omnipräsent, es herrschen oft vollkommen unreflektierte essentialistische Anschauungen über Geschlechter und Sexualitäten. D.h. es wird oft davon ausgegangen, daß es nur zwei vollkommen klar abgegrenzte Geschlechter gibt, daß Männer und Frauen von Natur aus verschieden und in einer Weise komplementär sind, die eine gleichgeschlechtliche Beziehung als etwas Defizitäres, ja Krankhaftes erscheinen läßt.

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