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Schlagwort: heidentum

Heidnische Praxis III: Distanzierungen vom Christentum

Die meisten, die sich heidnischer Spiritualität zuwenden, durchlaufen eine Phase der Distanzierung vom Christentum. Manchmal schlägt diese Distanzierung in Christenbashing um. Was verstehe ich darunter? Das englische Verb „to bash“ bedeutet soviel wie: jemanden hauen, schlechtmachen, aber auch: scharf kritisieren.1 In meinem Sprachgebrauch hat „etwas bashen“ etwa die Bedeutung „harte Kritik üben, verbal auf jemanden/etwas einschlagen, etwas unfair und pauschalisierend aburteilen“.

Nicht jede Kritik am Christentum, nicht jede Distanzierung ist gleich Christenbashing. Ich halte die Distanzierung vom Christentum für unausweichlich, wenn jemand, der sich einmal daran gebunden gefühlt hat, sich davon löst. Ich finde es auch legitim, wenn da Wut, Entrüstung, Empörung aufkommen – aber aus diesen Gefühlen heraus zu handeln und sich davon den Blick verstellen zu lassen, finde ich fragwürdig. Mehr noch: unreflektiert alte Stereotypen nachzubeten und zu pauschalisieren, finde ich daneben.

  1. nach dem Onlinewörterbuch dict.cc

Heidnische Praxis II: Die Crux mit den Begrifflichkeiten

Ich habe ja ein Weilchen überlegt: Soll ich diese Serie umbenennen, angesichts der ganzen auch eher theoretischen Dinge, die mir dazu einfallen? Soll ich mich auf das Praktische konzentrieren? Dann entschied ich: Ich mache unter dem gewählten Titel weiter und fasse das Thema einfach relativ offen. Zum einen, weil Praxis für mich mehr ist als Ritualrezepte und Übungsanleitungen. Zum anderen, weil eben der Titel schon da ist und zum dritten, weil theoretische Erörterungen doch gelegentlich praktische Auswirkungen haben. Darum fasse ich den Titel dieses Teils in eine ganz praktische Frage: In welchen Begriffen kann ich über das, was ich mache, reden?

Ein Beispiel: Wenn ich mit jemandem, der nicht in der heidnischen Landschaft bewandert ist, über Religion spreche, bezeichne ich mich als „Heidin“. Das führt manchmal zu Mißverständnissen, aber „Asatrú“ versteht eben kaum jemand. Um ganz exakt zu sein, müßte ich sagen: „Ich bin eine Polytheistin, die sich vorrangig auf die nordische Mythologie, aber auch auf neo-schamanistische und animistische Konzepte stützt.“ Eine ziemlich umständliche Erklärung, mal davon abgesehen „Neoschamanismus“ und „Animismus“ für viele eben zwar nach irgendwas Primitivem und Exotischem klingen, aber eben kaum jemand damit tatsächlich Inhalte verbinden kann.

Nehmen wir zum Beispiel „Heide/Heidin“ und „Heidentum“.

Heidnische Praxis I: Priesterschaft? Ein paar Gedanken.

Angeregt einerseits durch Wurzelfraus Artikel über spirituelle Basisdemokratie, andererseits durch eine Unterhaltung mit einer katholischen Bekannten, die über Widersprüche in puncto Priesteramt für Frauen stolperte, habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie das denn so mit der Priesterschaft im Heidentum aussieht.

Denn irgendwie scheint dieser Titel oder seine Äquivalente – „Gode“, „Druide“ etc. – auf Heiden immer noch eine gewisse Anziehungskraft auszuüben. Nun kam ich aus einer Ecke, die Hierarchien jeder Art ablehnt (meine erste Begegnung mit dem Thema Hexen waren die Bücher von Luisa Francia). In keiner Gruppe, in der ich je unterwegs war, gab es „Leiter“ oder „Hohepriester“. Ich meinte sogar manchmal das Gegenteil wahrzunehmen: Bloß keine Hierarchie, keine Struktur, und damit ging manchmal eine Tendenz zur Desorganisation einher, die dann an den Nerven zehrt, wenn eine tatsächlich etwas auf die Beine stellen, etwas tun möchte. (Spielregeln und Strukturen haben ihren Sinn. Wenn man nicht von selbst in eingefahrene Gleise, die allzu oft Machtstrukturen der etablierten Gesellschaft wiederspiegeln, verfallen will, dann muß man diese Regeln und Strukturen bewußt erarbeiten und regelmäßig bis laufend revidieren. Das nur als Seitengedanke.) Demgegenüber gibt es außerhalb der feministischen Hexenkreise auch sehr formalisierte Hierarchien, etwa im Wicca, wo Initiationen und Grade vergeben werden und die Befugnisse (z.B. Rituale leiten, Leute ausbilden, eigene Coven gründen) regulieren.

Priesterschaft in der griechischen Antike Demgegenüber war die Funktion der Priesterin, des Priesters oder was damit auch gleichgesetzt wird, in der vorchristlichen Welt wahrscheinlich oft unspektakulärer.

Heidentum: Eine ganz persönliche Darstellung

Diesen Text habe ich vor etwa zwei Jahren geschrieben – er bedarf sicher inzwischen einiger Überarbeitungen, Aktualisierungen und Richtigstellungen. Aber ich stelle ihn mal, aus sozusagen dokumentarischen Gründen, hier herein.

„Satan! Satan!“ haben mir schon oft Leute nachgerufen, wenn sie mich mit einem Pentagramm um den Hals gesehen haben. Die (sehr christlich geprägte) Freundin eines Freundes machte sich Sorgen, daß ich Geister beschwören könnte, als sie mich eines Tages Karten legen sah. Dabei tragen viele Gothics das Pentagramm gar nicht als religiöses Statement, und die Karten funktionieren ohne jeglichen transzendenten Bezug. Es scheint, als riefen Symbole mit einer auch nur entfernt magischen Aura in unserer ach so aufgeklärten Zeit immer noch – oder wieder – ein altes Unbehagen wach, und das um so mehr, als heutige Menschen den Umgang mit dem, was ihr Alltagsbewußtsein nicht erfassen kann, in keiner Form mehr gewöhnt sind.

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