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Schlagwort: persönlich

Was ich von meiner Spiritualität eigentlich will, Teil I

Der folgende Text lag lange in meinen Entwürfen rum. Ich habe mich jetzt entschieden, einen Dreiteiler daraus zu machen. Es gibt keinen konkreten Anlaß für diesen Text.

In meinem Post Mein Klassikrepertoire und ich (auf ryuu.de) erwähnte ich, daß mein Heidentum nicht in einer Abneigung gegen das Christentum begründet ist, und ich muß zur Klärung dazu sagen: Ich habe keine solche Abneigung. Vielmehr war mir schon in der dritten Klasse klar, daß das Christentum einfach nichts für mich ist. Dazu muß ich vielleicht erwähnen, daß ich auch in einer Umgebung aufgewachsen bin, die vollkommen offen mit alternativen Spiritualitäten umging; meine Eltern versuchten mich nie zu irgendetwas zu erziehen. Höchstens kam ich durch ihre spirituellen Neigungen (beide sind seit den Neunzigern Sannyasins, haben aber schon seit den Achtzigern damit sympathisiert) mit dem einen oder anderen Thema näher in Berührung. Das Christentum war nicht darunter. Es gab daher wenig, wovon ich mich abwenden mußte; das Christentum war nicht darunter, weil es ja nie „meine“ Religion gewesen war.

buche

Trotzdem standen zwei Dinge für mich fest: Ich brauche neben dem faktisch-wissenschaftlichen Weltbild so etwas wie ein spirituelles Weltbild und, mehr noch, eine spirituelle Praxis.

Status-Update – Buchprojekt und anderweitig

Da schrieb der eibensang letzthin was, das mich bewegte, auf diese Art, die nur er fertigbringt:

„Wohin ich schau und maile: Einsamkeit und Angst zerfressen die Gemüter. Hinter den Fassaden: jederzeit der Abgrund. Selbst nicht unbetroffen von all dem Wahnsinn, maile ich Menschen Mut zu, die ich heimlich um ihre Fähigkeit beneide, wenigstens materiell durchzukommen (womit ich mich seit je schwertat).“

In meinem Fall möchte ich dazusetzen: Erschöpfung, das Gefühl, zwischen viel zu vielen Dingen aufgerieben zu werden.
Und ja, auch ich sitze in einem Zwiespalt fest: zwischen dem Bedürfnis, materielle Sicherheit zu haben (endlich einmal! nach langen, mühseligen Studienjahren, in denen ich ohne Netz und doppelten Boden gelebt habe) und einer tiefen Unzufriedenheit mit meiner derzeitigen – im erweiterten Sinne materiellen – Situation.

Ich hatte mal einen Traum. Ich habe daran geglaubt, so fest, wie nur ein Mensch glauben kann. Und dann wurde er mir weggenommen. Ist einfach zerbrochen. Mittlerweile versuche ich, die Scherben, die ich wiederfinden konnte, zusammenzukleben. Bin noch auf der Suche nach einem Kleber, der das Ganze stark und stabil genug zusammenhält, diesen Traum, der, den Fesseln der Notwendigkeit, damit mein Brot zu verdienen, enthoben, anfängt, sich auszudehnen, in immer mehr Farben zu schillern, sich zu bewegen und zu tanzen. Sein Name: Sängerin sein.
Manchmal zweifle ich an meinen Fähigkeiten, zweifle, ob ich je lerne, das, was mich bewegt, in Lieder zu formen, die auch andere sich gerne anhören – auf eine Art, mit der ich zufrieden sein kann. Und doch weiß ich: Musik machen, insbesondere Singen, macht mich glücklich. Auf eine urtümliche, physische Art. Das ist es, was ich als allererstes mit meinem Leben anfangen will. Das ist es, was mir die Großen geschenkt haben und das ist es, was ich der Welt geben kann.

Ich habe dagegen nicht darum gebeten, Aktivistin zu werden für eine Sache, die vielen so weit entlegen und abgefahren erscheint.

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